Geringes Interesse an neuer Abnehmtablette in deutschen Apotheken
Einen Monat nach dem Start der neuen Abnehmtablette in Deutschland bleibt die Nachfrage offenbar überschaubar. Nach ersten Rückmeldungen aus Apotheken werde das Präparat bislang nur verhalten nachgefragt, sagte Apothekerpräsident Thomas Preis der Deutschen Presse-Agentur.
Nach Einschätzung von Preis kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Viele Patientinnen und Patienten seien bereits auf die Behandlung mit der Abnehmspritze eingestellt. Ein Wechsel auf die Tablette erfolge zudem nur nach ärztlicher Umstellung und dürfte deshalb eher schrittweise stattfinden.
Spritze für viele praktischer
Aus Sicht von Preis bietet die Spritze mehrere Vorteile. Sie muss nur einmal pro Woche angewendet werden, während die Tablette täglich eingenommen werden muss. Hinzu kommen strenge Vorgaben bei der Einnahme: Vor der Tablette darf acht Stunden lang nichts gegessen werden, und auch danach sollen Nahrung und Getränke nicht unmittelbar konsumiert werden.
Für Menschen, die mit der Spritze gut zurechtkommen, sei daher fraglich, ob sie auf eine tägliche Tablette mit solchen Regeln wechseln möchten. Preis sieht die Tablette deshalb vor allem als Alternative für Personen, die keine Injektionen wünschen oder Angst vor Spritzen haben. Er ist Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).
Diskussion über Erstattung durch Krankenkassen
Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid ist seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich. Zugelassen ist sie für Menschen mit Adipositas sowie für Übergewichtige, wenn zusätzlich mindestens eine Folgeerkrankung vorliegt.

Je nach Form und Dosierung kostet die Behandlung mehrere hundert Euro pro Monat. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bisher nur für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Für alle anderen gelten solche Mittel in Deutschland bislang als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind damit in der Regel keine Kassenleistung.
Allerdings wird inzwischen darüber diskutiert, ob bestimmte Patientengruppen die Kosten künftig erstattet bekommen könnten. Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, der über Leistungen für gesetzlich Versicherte entscheidet, hatte sich grundsätzlich offen dafür gezeigt. Die Chefin der AOK warnte dagegen vor einer möglichen hohen finanziellen Belastung für die gesetzliche Krankenversicherung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber