Wirtschaft

ADAC: Darum verpufft der Tankrabatt für Autofahrer

Tankrabatt verpufft? Laut ADAC sinken die Spritpreise zu wenig – nun stellt der Club den Ölkonzernen eine klare Forderung.

02.05.2026, 10:47 Uhr

Der Tankrabatt zur Entlastung der Autofahrer kommt nach Einschätzung von Marktbeobachtern auch am zweiten Tag noch nicht flächendeckend bei den Kunden an. Nach Angaben des Bundeskartellamts sind die Spritpreise am Samstag zunächst nicht auf breiter Front weiter gesunken – teilweise zogen sie sogar wieder an. Der ADAC forderte die Anbieter erneut auf, die geltende Steuersenkung vollständig an die Verbraucher weiterzugeben.

Am Samstag kurz nach 14.00 Uhr kostete Diesel im bundesweiten Schnitt 2,15 Euro je Liter. Das waren laut Bundeskartellamt rund 4,5 Cent mehr als zur gleichen Zeit am Vortag. Super E10 lag im Durchschnitt bei 2,05 Euro pro Liter und damit etwa 4 Cent höher als 24 Stunden zuvor.

Bereits am ersten Tag des Tankrabatts hatte sich gezeigt, dass die Entlastung nicht komplett weitergegeben wurde. Nach Berechnungen des ADAC fiel der Preisrückgang am Freitag bei Benzin und Diesel jeweils um rund 3 Cent geringer aus als es der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter entsprochen hätte. Der Club hatte für Freitag einen bundesweiten Tagesdurchschnitt von 1,989 Euro pro Liter Super E10 und 2,079 Euro pro Liter Diesel gemeldet. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Rückgang von 13,7 Cent bei E10 und 13,6 Cent bei Diesel.

Auch das Bundeskartellamt hatte für den Sprung vom 30. April auf den 1. Mai einen durchschnittlichen Preisrückgang von knapp 13 Cent festgestellt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, die Steuersenkung solle Verbraucher und Wirtschaft in einer schwierigen Lage entlasten. Die Mineralölkonzerne seien lediglich Übermittler dieser Entlastung – sie dürfe nicht bei ihnen hängen bleiben.

Preisunterschiede zwischen Tankstellen nehmen zu

Nach Einschätzung der Wettbewerbshüter lohnt sich für Autofahrer der Preisvergleich derzeit besonders. Laut Mundt schwanken die Preiskurven vieler Tankstellen und Marken momentan stärker als üblich. Während einige Anbieter ihre Preise deutlich angehoben hätten, seien andere kaum oder gar nicht nachgezogen.

Deutliche regionale Unterschiede zeigen sich ebenfalls: Am Samstagvormittag lag das Preisniveau in weiten Teilen Süddeutschlands nach Angaben des Kartellamts etwa 5 bis 7 Cent niedriger als in Mittel- und Norddeutschland. Als Grund nennt die Behörde unterschiedliche Raffinerie- und Großhandelspreise.

ADAC sieht weiteren Spielraum nach unten

Der ADAC verwies zudem darauf, dass der Ölpreis nach kurzfristigen Höchstständen Ende April wieder spürbar nachgegeben habe. Dadurch bestehe zusätzlicher Spielraum für Preissenkungen. Nach Auffassung des Clubs müsse die Steuerentlastung deshalb vollständig bei den Verbrauchern ankommen.

Kritik aus der Politik

Kritik kam auch von der Linken. Die wirtschaftspolitische Sprecherin im Bundestag, Janine Wissler, warf vielen Tankstellen vor, ihre Preise kurz vor Inkrafttreten des Tankrabatts nochmals deutlich angehoben zu haben. Die Abzocke an der Zapfsäule gehe bislang weiter, erklärte sie. Wissler bekräftigte ihre Forderung nach einem Krisengeld von 150 Euro für alle sowie nach einer Neuauflage des 9-Euro-Tickets für Bus und Bahn. Finanziert werden könne dies aus abgeschöpften Übergewinnen der Mineralölkonzerne.

Branche verweist auf Verzögerungseffekte

Der Branchenverband Fuels und Energie hatte zum Start des Tankrabatts angekündigt, dass die komplette Steuersenkung an die Kunden weitergereicht werden solle. Gleichzeitig verwies die Branche darauf, dass sich anfangs in vielen Tanks noch Kraftstoff befinde, der zu den alten Steuersätzen abgerechnet worden sei. Entscheidend für die Steuerentlastung ist demnach nicht der Verkauf an der Zapfsäule, sondern der Zeitpunkt, zu dem der Kraftstoff Tanklager oder Raffinerie verlassen hat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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