DWD: Bayerns Frühjahr so trocken wie nie seit 1881 – Bauern, Gemeinden und Tourismus unter Druck
Das vergangene Frühjahr war in Bayern nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) das trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Zwischen März und Mai fielen im Freistaat im Mittel nur rund 104 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Damit wurde der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 1934 unterboten. Damals waren im Frühjahr etwa 110 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Zugleich gab es deutlich mehr Sonnenstunden als üblich. Vor allem Ende Mai sorgte das vielerorts für ideales Ausflugs- und Badewetter – gleichzeitig wächst in vielen Regionen die Sehnsucht nach dringend benötigtem Regen.
Deutliche regionale Unterschiede
Innerhalb Bayerns zeigte sich ein sehr unterschiedliches Bild. Am trockensten blieb es im nördlichen Niederbayern und in der südlichen Oberpfalz. Dort kamen teils nur 40 bis 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zusammen. Das entspricht etwa einem Viertel der üblichen Menge für diese Jahreszeit.
In weiten Teilen des übrigen Freistaats wurden 60 bis 70 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das sind etwa 40 bis 50 Prozent des langjährigen Durchschnitts. Deutlich mehr Regen fiel an den Alpen: Dort registrierte der DWD zwischen 150 und 250 Liter pro Quadratmeter, was stellenweise bis zu 60 Prozent des langjährigen Mittels entspricht.
DWD: Trockenphasen gab es auch früher
Der Wetterdienst betont, dass sehr trockene Frühjahre kein völlig neues Phänomen sind. Das zeigt sich besonders beim Blick auf einzelne Messreihen, die weiter zurückreichen als die flächendeckenden Aufzeichnungen seit 1881.
So wurden in Regensburg im Frühjahr 1841 lediglich 29 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen – also nur etwas mehr als die Hälfte des diesjährigen Werts. In Augsburg fiel im Frühjahr 1870 ähnlich wenig Regen wie in diesem Jahr.
"Extremjahr": Bauern und Winzer bangen um Erträge
Für die Landwirtschaft hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft. Nach Einschätzung des Bauernverbands entwickelt sich 2026 erneut zu einem Extremjahr für Bayerns Ackerbauern. Viele Betriebe hätten ihre Ernteerwartungen bereits deutlich nach unten korrigieren müssen.
Besonders schwierig ist die Situation demnach für Kulturen, die erst im Frühjahr gesät wurden, etwa Mais, Zuckerrüben und Braugerste. Ihre Wurzelsysteme seien noch nicht ausreichend entwickelt, um die Trockenheit gut abzufangen.
Auch in Franken wächst die Sorge der Winzer. Gerade rund um die bereits begonnene Rebblüte ist der Wasserbedarf der Reben besonders hoch.
Gemeinden rufen zum Wassersparen auf
Die Trockenheit macht sich bereits zu Beginn des Sommers auch bei der Trinkwasserversorgung bemerkbar – vor allem in Orten, die auf einzelne Quellen angewiesen sind. In Bad Hindelang im Oberallgäu rief die Gemeinde ihre Bewohner schon Ende Mai dazu auf, sparsamer mit Wasser umzugehen.
Wegen der anhaltenden Trockenheit wurden dort zudem mehrere öffentliche Brunnen stillgelegt, damit unter anderem die Wasserversorgung des Friedhofs gesichert bleibt.
Akute Engpässe bei der Trinkwasserversorgung gibt es in Bayern nach Angaben des Umweltministeriums derzeit zwar nicht. Dennoch mahnte Umweltminister Thorsten Glauber, wegen Hitze und Trockenheit vorsorglich sparsam mit Wasser umzugehen.
Niedrigwasser belastet Seen, Flüsse und Tourismus
Nach Angaben des bayerischen Landesamts für Umwelt hatte es bereits im Winterhalbjahr zu wenig Regen und Schnee gegeben. Das trockene Frühjahr verschärfte die Lage zusätzlich. An vielen Messstellen an Flüssen und Seen wurde zuletzt Niedrigwasser registriert.
Anfang Juni galten auch die Wasserstände von Starnberger See, Chiemsee und Tegernsee als sehr niedrig. Das hat inzwischen direkte Folgen für Ausflügler und Touristen: Auf dem Chiemsee wird der Anleger Seebruck seit Sonntag nicht mehr von den Schiffen angefahren, weil der Wasserstand zu niedrig ist.
Auch Bootsverleiher klagen über Probleme. Durch den großen Höhenunterschied zwischen Steg und Boot werde das Ein- und Aussteigen zunehmend schwierig. Nach Angaben eines Verleihers braucht es teils fast schon eine Leiter. Kleinere Anbieter könnten teilweise gar nicht mehr ausfahren, weil sie sich das Ausbaggern ihrer Häfen nicht leisten können. Das gefährde mancherorts sogar die wirtschaftliche Existenz.
Hohe Waldbrandgefahr in trockenen Wochen
Schon im April war das Waldbrandrisiko in Bayern zeitweise so hoch, dass in mehreren Regionen vorsorglich Beobachtungsflüge durchgeführt wurden, um mögliche Feuer frühzeitig zu entdecken. Immer wieder kam es zu kleineren Bränden.
Besonders aufwendig war der Einsatz am Saurüsselkopf, wo Hunderte Kräfte über Tage gegen ein Feuer kämpften. Nach Einschätzung von Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber handelte es sich um einen der größten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte. Die jüngsten Niederschläge am Wochenende sorgten dort zumindest vorerst für Entspannung.
Sorge vor Borkenkäfern
Die Trockenheit erhöht auch den Druck auf Bayerns Wälder. Anfang Mai schwärmten Buchdrucker und Kupferstecher bei mildem, trockenem Wetter wieder aus. Je weniger Wasser den Bäumen zur Verfügung steht, desto anfälliger werden sie für Borkenkäferbefall.
Dabei waren die bayerischen Staatsforsten im April zunächst noch davon ausgegangen, dass die Bäume so gut gegen die Schädlinge gewappnet seien wie seit Jahren nicht. Der Bauernverband hatte jedoch bereits Anfang Mai gewarnt, dass vielerorts leere Bodenwasserspeicher vor allem Fichten stark zusetzen. Die Bäume könnten einen Befall deshalb nur eingeschränkt abwehren – anders als im Vorjahr.
Entspannung nur begrenzt in Sicht
Für diese Woche rechnet der DWD zwar immer wieder mit Schauern und Gewittern in Bayern. Das dürfte zumindest die Waldbrandgefahr vorerst nicht weiter ansteigen lassen.
Für Landwirtschaft und Böden reichen einzelne Schauer aber kaum aus. Nötig wären länger anhaltende, ergiebige Regenfälle. Starkregen wäre aus Sicht des Bauernverbands dagegen problematisch, weil ausgetrocknete Böden große Wassermengen oft nicht aufnehmen können. Dann drohen Erosion und zusätzliche Schäden an bereits geschwächten Pflanzen.
Auch beim Grundwasser ist laut Landesamt für Umwelt keine schnelle Entspannung zu erwarten. In vielen Regionen sinken die Pegel in den Sommermonaten üblicherweise weiter. Sollte es auch im Sommer und Herbst erneut zu trocken bleiben, hält die Behörde eine bayernweit anhaltende Niedrigwassersituation beim Grundwasser für wahrscheinlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion