Im Unterschied zum Deutschen Fußball-Bund hat sich offenbar eine sehr große Mehrheit der FIFA-Mitgliedsverbände hinter eine weitere Amtszeit von Gianni Infantino gestellt. Nach Angaben des „Guardian“ soll der Präsident des Weltverbands trotz der Diskussionen um die aufgehobene Rot-Sperre für den US-Profi Folarin Balogun formale Rückendeckung aus mehr als 200 Ländern erhalten haben. Dem Bericht zufolge verweigerten nur wenige der insgesamt 211 Verbände ihre Unterschrift unter ein Unterstützungsschreiben. Diese Größenordnung entspricht auch Informationen der Deutschen Presse-Agentur.
Der DFB hatte zuletzt erklärt, ein solches Unterstützungsschreiben für Infantinos Wiederwahl nicht unterzeichnet zu haben. In einer Mitteilung vom vergangenen Mittwoch hieß es, weitere Schritte sollten im DFB-Präsidium beraten werden.
Wahl im März 2027
Nach aktuellem Stand kann Infantino seiner erneuten Wahl beim FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat gelassen entgegensehen. Zwar waren nach dem Fall Balogun vor allem aus Europa kritische Stimmen zu hören, ein Gegenkandidat ist bislang jedoch nicht in Erscheinung getreten. Die Sperre gegen den US-Angreifer war nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Infantino durch die formal unabhängige Disziplinarkommission aufgehoben worden. Das löste Kritik am FIFA-Chef aus, eine breite Gegenbewegung innerhalb des Weltfußballs ist derzeit aber nicht erkennbar.
Vorschläge für Kandidaten können die Mitgliedsverbände noch bis 18. November einreichen. Infantino hatte bereits beim FIFA-Kongress Ende April in Vancouver angekündigt, 2027 zum vierten Mal für das Präsidentenamt antreten zu wollen. Der 56-Jährige war 2016 Nachfolger von Joseph Blatter geworden und danach zweimal ohne Gegenkandidaten bestätigt worden. Nach den FIFA-Statuten könnte eine weitere Amtszeit bis 2031 seine letzte an der Spitze des Verbands sein.
Kritik von Menschenrechtsorganisation
Schon rund um den Kongress in Vancouver hatten Verbände aus Südamerika, Afrika und Asien geschlossen ihre Unterstützung für Infantino signalisiert. Damit hätte er die notwendige Mehrheit für eine Wiederwahl praktisch bereits sicher.
In dieser Woche legte die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare nach eigenen Angaben Beschwerde gegen Infantino beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein. Sie wirft ihm vor, mehrfach gegen die Regeln des IOC zur politischen Neutralität verstoßen zu haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht die Behauptung, Infantino habe Trump politische Unterstützung zugesichert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber