Tatjana Maria und Jan-Lennard Struff haben zum Auftakt in Wimbledon deutsche Erfolgserlebnisse gefeiert. Maria setzte sich gegen die Kasachin Julia Putinzewa mit 6:4, 6:4 durch und erreichte damit erstmals seit ihrem überraschenden Halbfinaleinzug vor vier Jahren wieder die zweite Runde des Rasenklassikers.
Auch Struff durfte jubeln. Der 36 Jahre alte Sauerländer rang den Argentinier Sebastian Baez nach einem packenden Fünf-Satz-Match mit 6:1, 7:6 (7:4), 4:6, 2:6, 7:5 nieder. Obwohl er bereits mit 2:0 Sätzen geführt hatte, musste er noch in den entscheidenden Durchgang. Dort drehte er einen 1:3-Rückstand und setzte sich nach 2:57 Stunden durch. Danach ließ Struff seine Erleichterung lautstark heraus.
Der Deutsche sprach anschließend von einem "dreckigen Sieg". Vor allem die schwachen dritten und vierten Sätze hätten ihn frustriert, umso größer sei die Freude gewesen, die Partie im fünften Satz doch noch zu drehen.
Als einzige Deutsche aus einem Trio am Eröffnungstag schied Tamara Korpatsch aus. Die Hamburgerin war beim 2:6, 1:6 gegen die US-Amerikanerin Coco Gauff chancenlos. Maria und Struff dürfen dagegen am Mittwoch erneut antreten.
Mit der Familie auf der Tribüne
Nach ihrem starken Auftritt in Eastbourne, wo sie in der vergangenen Woche das Finale erreicht hatte, knüpfte Maria nahtlos an ihre gute Form an. Unterstützt von ihrem Ehemann und Trainer Charles-Édouard sowie ihren Töchtern Charlotte und Cecilia setzte sie Putinzewa mit ihrem variablen Spiel stark unter Druck. Vor allem ihre unterschnittenen Bälle auf Vor- und Rückhand, dazu gezielte Stoppbälle und sichere Abschlüsse am Netz, brachten der Deutschen den Erfolg.
Maria betonte nach der Partie, dass sie Tennis zwar sehr liebe, für sie aber die Rolle als Mutter an erster Stelle stehe. Gerade weil es auch ihren Kindern auf der Tour gefalle, mache ihr das Reisen und Spielen besonders viel Freude. Ihre ältere Tochter Charlotte gilt dabei als großes Talent.
"Es war ein Auf und Ab. Es ging hin und her. Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Performance, dass ich im Kopf klar geblieben bin, dass ich gut aufgeschlagen habe", sagte Maria anschließend.
Blutende Wunde stört Maria nicht
Im ersten Satz erwischte Maria zunächst den besseren Start und ging 3:0 in Führung. Danach verlor sie jedoch vier Spiele nacheinander. Die zweifache Mutter fing sich aber schnell wieder, fand zu ihrem Rhythmus zurück und sicherte sich den Satz noch mit 6:4.
Im zweiten Abschnitt gelang der Rasenspezialistin beim Stand von 2:1 das entscheidende Break. Diesen Vorsprung verteidigte sie konsequent bis zum Ende. Gegen Ende der Partie hatte Maria eine kleine blutige Wunde am Bein. Sie hoffte sogar, dass der Schiedsrichter sie nicht bemerken würde, damit kein Physiotherapeut auf den Platz kommen musste. Ihren Spielfluss wollte sie unbedingt beibehalten – und brachte das Match erfolgreich zu Ende.
Einen ersten Matchball beim Stand von 5:3 konnte Putinzewa noch abwehren, kurz darauf machte Maria den Sieg perfekt. In der zweiten Runde trifft sie als Außenseiterin auf die US-Amerikanerin Iva Jovic.
Struff kämpft sich eindrucksvoll durch
Struff legte gegen Baez mit einem klaren ersten Satz und einem gewonnenen Tiebreak im zweiten Durchgang stark los. Danach kippte die Partie jedoch, Baez glich mit zwei Satzgewinnen aus. Im fünften Satz geriet der Deutsche sogar mit 1:3 in Rückstand, kämpfte sich aber zurück und verwandelte schließlich zum umjubelten Auftaktsieg.
Zverev startet am Dienstag
Insgesamt sind neun deutsche Tennisprofis beim Turnier in Wimbledon am Start. Alexander Zverev beginnt sein Turnier am Dienstag mit seiner Erstrundenpartie gegen den Belgier Alexander Blockx.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber