Die Hitze flirrt über Straßen und Plätze, vielerorts sind die Innenstädte wie ausgestorben. Während in Athen bei mehr als 40 Grad im August oft nur geschlossene Fensterläden und Klimaanlagen helfen, erreichen solche Temperaturen inzwischen auch deutlich nördlichere Regionen Europas. Ein Blick in südliche Metropolen zeigt, wie sich Städte und Bewohner seit Langem an extreme Sommer angepasst haben.
Rom: Abkühlung an Brunnen und in den Abendstunden
In Rom liegen die Temperaturen seit Wochen um die 35 Grad. Wer ans Meer nach Ostia möchte, ist mit der Vorortbahn rund eine Stunde unterwegs; das Ticket ist mit 1,50 Euro günstig, die Fahrt in den vollen Wagen bei Hitze aber schweißtreibend. In der Stadt selbst gibt es nur vergleichsweise wenige Freibäder. Im Tiber badet praktisch niemand, und in berühmten Brunnen wie dem Trevi-Brunnen ist das Planschen untersagt. Am Kolosseum gibt es immerhin stellenweise Sprühnebel zur Erfrischung.
Eine wichtige Hilfe im Alltag sind die mehr als 2.000 "Nasoni", gusseiserne Trinkwasserbrunnen mit gebogenem Auslauf, die kaltes Wasser spenden. Viele halten bei den aktuellen Temperaturen nicht nur Flaschen darunter, sondern auch gleich den Kopf. Seit rund 150 Jahren gehören diese Brunnen zum Stadtbild. Hinzu kommen neuere Wasserspender auf öffentlichen Plätzen, an denen stilles oder sprudelndes Wasser gezapft werden kann; per App lassen sich die Standorte finden.
Die Römer sind an heiße Sommer gewöhnt. Viele verlassen die Stadt im August und fahren ans Meer oder in die Berge. Wer bleibt, meidet lange Wege zu Fuß und verlegt Erledigungen möglichst in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend. Davon können auch Besucher profitieren: Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum oder das Pantheon haben im August oft bis spät in den Abend geöffnet. Der Trevi-Brunnen ist nachts ab 22 Uhr sogar wieder kostenlos zugänglich – baden darf man dort aber auch dann nicht.

Griechenland: Wenig Bewegung, viel Wasser, Schutzregeln für Arbeitende
In griechischen Städten wie Athen sind mehrere Tage mit über 42 Grad keine Ausnahme. Entsprechend hat sich der Alltag angepasst: Mittags gehen viele nur dann hinaus, wenn es unbedingt sein muss. Klimaanlagen gehören in den meisten Wohnungen längst zur Standardausstattung. Tagsüber wird kaum Alkohol getrunken; stattdessen sind günstige Wasserflaschen an fast jedem Kiosk erhältlich. Im August zieht es viele Bewohner außerdem auf die Inseln.
Bei extremer Hitze öffnen die Städte klimatisierte öffentliche Räume für Menschen ohne eigene Kühlung, für Obdachlose oder für alle, die kurz Schutz suchen. Polizei und Hilfsorganisationen verteilen zusätzlich Trinkwasser an Menschen auf der Straße.
Für Beschäftigte im Freien gelten strenge Regeln: Ab angekündigten 40 Grad ist Arbeiten etwa auf Baustellen oder bei Lieferdiensten zwischen 13 und 17 Uhr untersagt. Büroangestellte sollen an solchen Tagen möglichst im Homeoffice arbeiten. Wo das nicht möglich ist, müssen Arbeitgeber kaltes Trinkwasser bereitstellen, Pausen ermöglichen und schattige oder idealerweise klimatisierte Arbeitsplätze schaffen.
Bukarest: Kühle Zufluchtsorte und Duschen auf öffentlichen Plätzen
In Bukarest steigen die Temperaturen im Hochsommer regelmäßig auf bis zu 40 Grad im Schatten. Besonders belastend ist, dass die Hitze nachts oft kaum nachlässt. Zwischen Beton und Asphalt staut sich die Luft, Wind bringt nur selten Entlastung.
Wer nicht in die weniger als 100 Kilometer entfernten Karpaten oder ans rund 200 Kilometer entfernte Schwarze Meer entkommen kann, findet inzwischen innerhalb der Stadt mehr Hilfsangebote. Auf Initiative der Stadtverwaltung stellen 71 öffentliche Einrichtungen und 200 Apotheken kostenlos klimatisierte Räume sowie Trinkwasser bereit. Dazu kommen Wassernebelanlagen an wichtigen Plätzen, die unterwegs zumindest kurz Abkühlung verschaffen. Der Fluss Dâmbovița durchquert zwar die Stadt, doch wegen der schlechten Wasserqualität ist Baden dort verboten.
Budapest: Donau, Trinkbrunnen und gekühlte Straßen
In Budapest gibt es mehr Möglichkeiten zur Erfrischung als in vielen anderen Hauptstädten. An bestimmten Abschnitten der Donau ist Baden erlaubt, und die berühmten Bäder der Stadt verlängern während besonders heißer Phasen im Sommer ihre Öffnungszeiten. Zudem hat die Stadtverwaltung hunderte Trinkbrunnen eingerichtet, und an verschiedenen Orten sorgen Sprühnebelanlagen für Abkühlung.
Das Baden in gewöhnlichen Springbrunnen bleibt allerdings auch hier verboten. Stattdessen setzt die Stadt auf gezielte Maßnahmen gegen überhitzte Flächen: Mithilfe von Satellitendaten werden besonders stark aufgeheizte Straßenabschnitte ohne ausreichend Grün identifiziert. Dort wird abends gezielt Wasser versprüht, um Asphalt und Umgebung herunterzukühlen.
Spanien: Klimaräume, Schatten und ein angepasster Tagesrhythmus
In Barcelona und anderen spanischen Großstädten gehört der Kampf gegen die Sommerhitze längst zur Stadtplanung. Barcelona verfügt über ein Netz von mehr als 500 sogenannten Klimaschutzräumen. Dabei handelt es sich um klimatisierte öffentliche Gebäude wie Bibliotheken, Museen, Schulen, Pfarrhäuser oder Bürgerzentren, die Menschen als Rückzugsorte dienen.
Außerdem setzt die katalanische Metropole auf ihre Superblocks: verkehrsberuhigte Quartiere mit mehr Grün, schattenspendenden Bäumen und zusätzlichen Sitzmöglichkeiten. Ziel ist es, Hitzeinseln zu entschärfen und Aufenthaltsqualität zu schaffen.
Auch Madrid baut sein Angebot an klimatisierten Aufenthaltsorten, Trinkwasserstellen, Wasserspielen und Sprühnebelanlagen weiter aus, vor allem auf stark genutzten Plätzen. Während Hitzeperioden bleiben öffentliche Einrichtungen teilweise länger geöffnet, um insbesondere älteren Menschen und anderen gefährdeten Gruppen Schutz zu bieten.
Im Alltag ist die Anpassung an die Hitze in Spanien traditionell fest verankert. Vor allem im Süden, etwa in Sevilla, verlagert sich das Leben in die kühleren Morgen- und Abendstunden. Doch auch in Madrid, Barcelona und anderen Städten schließen viele Geschäfte mittags für mehrere Stunden. Straßencafés arbeiten oft mit Wasserverneblern, große Sonnensegel spenden Schatten.
Auch beim Essen zeigt sich die Anpassung: Im Sommer kommen häufig leichte, kalte Speisen auf den Tisch – etwa Gazpacho, eine kalte Suppe aus Tomaten, Gurken, Paprika und Olivenöl, oder Salmorejo, eine dickere kalte Tomatencreme. Das ist zugleich eine Lehre für Mittel- und Nordeuropa: Leichte Kost kann heiße Tage erträglicher machen.
Was andere Städte daraus lernen können
Die Beispiele aus Südeuropa zeigen, dass Anpassung an extreme Hitze viele Ebenen umfasst: leicht zugängliches Trinkwasser, öffentliche Kühlräume, mehr Grün, Schatten, weniger versiegelte Flächen, flexible Arbeitszeiten und einen Tagesrhythmus, der die Mittagshitze meidet. Was in Rom, Athen, Bukarest, Budapest oder Barcelona längst Alltag ist, dürfte für viele Städte weiter nördlich künftig ebenfalls an Bedeutung gewinnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber