Manuel Neuer will den Frust über das enttäuschende WM-Aus mit dem FC Bayern möglichst schnell hinter sich lassen. Beim Trainingsauftakt in Rottach-Egern rückte der Kapitän des Rekordmeisters den Fokus klar auf die neue Saison. Es sei auch eine Erleichterung, wenn es wieder losgehe, neue Ziele anstünden und man mit dem Verein viel erreichen könne, sagte der langjährige Nationaltorhüter.
Besondere Unterstützung hatte Neuer bei seiner Rückkehr auf den Platz ebenfalls dabei: Sohn Luca und seine schwangere Ehefrau Anika verfolgten die Einheit als Zuschauer. Gemeinsam mit anderen WM-Rückkehrern wie Joshua Kimmich stieg der 40-Jährige rund einen Monat nach dem großen Turnierfrust wieder ins Mannschaftstraining ein.
Neuer spricht offen über mögliches Karriereende
Für Neuer könnte es die emotionalste und wohl auch letzte Spielzeit seiner Karriere werden. Der Torwart, der nach dem K.o. gegen Paraguay auch sein Nationalmannschafts-Aus bestätigt hatte, erklärte, es sehe stark danach aus, dass er nach der Saison aufhöre. Für den Routinier ist es bereits die 21. Profi-Saison – nach sechs Jahren beim FC Schalke 04 und inzwischen weit mehr als 15 Jahren in München.
Dass Neuer seinen Vertrag dennoch noch einmal verlängerte, lag auch an der großen Lust auf weitere Erfolge mit dem Doublesieger. Nach Meisterschaft und DFB-Pokal soll im Idealfall sogar noch einmal die Champions League folgen. Zudem fühlt sich der Keeper im Umfeld von Trainer Vincent Kompany, Mannschaft und Staff offenbar weiter sehr wohl.
Urbig als designierter Nachfolger
Eine zusätzliche Motivation ist für Neuer auch die Entwicklung seines möglichen Nachfolgers Jonas Urbig. Der 22-Jährige gilt als künftige Nummer eins beim FC Bayern. Beide verstehen sich gut, was sich auch im Training in Rottach-Egern zeigte. Schon in der vergangenen Saison kam Urbig auf 20 Pflichtspieleinsätze, vor allem dann, wenn Neuer verletzungsbedingt fehlte.
Auch in der neuen Saison rechnet Neuer mit einem ähnlichen Miteinander im Torwartteam. Neben Urbig gehören dazu weiter Sven Ulreich und die jungen Keeper. Für Urbig dürfte es erneut um mehr Einsatzzeit gehen, während Neuer betonte, dass man sich gegenseitig unterstütze.
Kader wächst vor Asien-Tour weiter an
Neben Neuer und Kimmich kehrten in dieser Woche auch Neuzugang Nathaniel Brown, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic und Jonas Urbig aus dem deutschen Aufgebot in die Vorbereitung zurück. Hinzu kamen Hiroki Ito aus Japan, Minjae Kim aus Südkorea, Alphonso Davies aus Kanada und Bara Ndiaye aus dem Senegal.
Ebenfalls eingeplant für die Sommertour nach Asien, zu der die Münchner am Samstag aufbrechen, sind die erwarteten WM-Rückkehrer Konrad Laimer aus Österreich, Luis Díaz aus Kolumbien und Josip Stanisic aus Kroatien. Als letzte stoßen danach Harry Kane sowie die Franzosen Michael Olise und Dayot Upamecano wieder zur Mannschaft. Das gilt auch für die Profis, die aktuell ihr Reha-Programm absolvieren.
Dreesen erleichtert, Neuer lobt Transfers
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen zog mit Blick auf die WM-Auftritte der Bayern-Profis ein insgesamt positives Fazit. Er sei vor allem froh, dass bis auf Lennart Karl die meisten Spieler ohne größere Blessuren zurückgekehrt seien oder bald zurückkehren würden. Karl hatte sich bereits vor dem Turnier verletzt. In München arbeiten außerdem Serge Gnabry, Jamal Musiala und Neuzugang Ismael Saibari weiter an ihrem Reha-Plan.
Mit dem Kader und den Neuzugängen zeigte sich Neuer sehr zufrieden. Besonders wichtig sei, dass kein Leistungsträger aus der ersten Elf abgegeben worden sei. Zugleich trauten die Bayern ihren neuen Spielern zu, zusätzliche Energie und Qualität einzubringen. Entsprechend positiv fiel sein Urteil über den aktuellen Stand des Kaders aus.
Neuer: Karriereverlängerung nicht wegen der Familie
Dass Sohn Luca nun bewusster miterlebt, was sein Vater als Profi macht, war nach Neuers Worten nicht der Grund für die Fortsetzung seiner Laufbahn. Er spiele weiter, weil er der Mannschaft aus seiner Sicht noch helfen könne. Die Unterstützung aus Familie und Freundeskreis sei dabei selbstverständlich ein wichtiger Rückhalt.
Für den FC Bayern beginnt die Pflichtspielsaison am 22. August mit dem Franz-Beckenbauer-Supercup bei Borussia Dortmund. Bis dahin will Neuer mit dem Verein den WM-Frust endgültig abschütteln und noch einmal voll angreifen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber