Die Unterstützung für eine mögliche Kandidatur von Ilse Aigner für das Amt der Bundespräsidentin nimmt weiter zu. Bis Donnerstagnachmittag sprachen sich in der CDU sieben von 17 Landesvorsitzenden für die Präsidentin des Bayerischen Landtags aus. Zu den Unterstützern zählen neben mehreren ostdeutschen CDU-Regierungschefs inzwischen auch der baden-württembergische Landeschef Manuel Hagel sowie Hamburgs CDU-Vorsitzender Dennis Thering.
Auch aus anderen Parteien kommt Rückendeckung. Aus der SPD hatte sich bereits Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke positiv über Aigner geäußert. Inzwischen werben nach Angaben aus dem politischen Umfeld mehrere SPD-Ministerpräsidenten für sie. Zudem stellte sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir von den Grünen hinter die CSU-Politikerin.
CDU-Unterstützung wächst, Merz und Wüst bleiben zurückhaltend
Hagel sagte, Aigners Ansehen reiche deutlich über die eigenen Reihen hinaus. Sie verbinde Klarheit mit Herzlichkeit, begegne Menschen auf Augenhöhe und stehe für Empathie. Gerade in einer Zeit, in der der Ton in der Politik schärfer werde und viele Bürger Verunsicherung spürten, brauche Deutschland an der Spitze des Staates eine Persönlichkeit, die zusammenführen könne.
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hält sich in der Personalfrage weiterhin bedeckt. Er hat bislang lediglich deutlich gemacht, dass er sich eine Frau für Schloss Bellevue vorstellen kann und von einer „Kandidatin der Mitte“ gesprochen. Auch Nordrhein-Westfalens CDU-Landeschef Hendrik Wüst nannte keinen Namen. Er sagte lediglich, es gebe viele ausgesprochen geeignete Persönlichkeiten für das Amt.
Eine Entscheidung wird voraussichtlich am Montag erwartet, wenn CDU-Präsidium und Bundesvorstand in Berlin zusammenkommen.
Ost-Ministerpräsidenten gaben den Anstoß
Innerhalb der Union hatte zunächst die CSU den Weg klar vorgegeben: Auf ihrem Parteitag vor zwei Wochen stellte sie sich deutlich hinter die 61-jährige Aigner. Danach gewann ihre mögliche Kandidatur auch in der CDU sichtbar an Fahrt.
Als erste prominente Unterstützer aus der CDU hatten sich die drei ostdeutschen Ministerpräsidenten Mario Voigt aus Thüringen, Michael Kretschmer aus Sachsen und Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt hinter Aigner gestellt. Hinzu kamen die CDU-Landeschefs aus Berlin und Brandenburg. Mit Hagel und Thering unterstützen nun auch zwei westdeutsche Landesvorsitzende offen die CSU-Politikerin.
Allerdings halten sich mehrere einflussreiche CDU-Landeschefs weiterhin zurück. Dazu zählen neben Wüst auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder und Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther.
CSU verweist auf gute Chancen in der Bundesversammlung
Am 30. Januar 2027 tritt die Bundesversammlung in Berlin zusammen, um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu wählen. Union und SPD verfügen dort zusammen nach derzeitiger Rechnung über eine Mehrheit von rund 50 Stimmen und wollen sich auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen.
CSU-Generalsekretär Martin Huber hatte bereits erklärt, der wachsende Rückhalt zeige, wie hoch die Akzeptanz für eine Kandidatin sei, die schon im ersten Wahlgang ein starkes Ergebnis erzielen könnte. Ein solcher Erfolg wäre aus seiner Sicht auch ein wichtiges Signal für die demokratische Mitte.
Dass Merz von einer „Kandidatin der Mitte“ spricht, wird zudem als Hinweis gewertet, dass neben Union und SPD womöglich auch die Grünen in eine breitere Verständigung einbezogen werden könnten.
Zuspruch auch aus SPD und von den Grünen
Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke hatte Aigner bereits als die „perfekte Kandidatin“ bezeichnet. Er lobte ihre politische Erfahrung, ihre genaue Kenntnis der Berliner Abläufe sowie ihr bodenständiges und nahbares Auftreten.
Nun bekommt Aigner auch offene Unterstützung von Cem Özdemir. Der baden-württembergische Ministerpräsident erklärte, gerade wenn die Gräben im Land tiefer würden, brauche es eine Persönlichkeit, die Brücken baue und Menschen zusammenführe. Aigner sei bodenständig, habe ein Gespür für die Sorgen der Menschen und spreche ihre Sprache.
Frei sieht breite Zustimmung über Parteigrenzen hinweg
Unionsfraktionschef Thorsten Frei ließ ebenfalls Sympathien für Aigner erkennen. Er sagte, sie habe über viele Jahrzehnte in Bayern und in der Bundespolitik bewiesen, dass sie eine hervorragende Personalie sei. Zugleich ließ er offen, wen die Union am Ende offiziell nominieren wird.
Frei betonte zugleich, dass neben Aigner auch andere Frauen für das Amt infrage kämen. Aus der CDU werden dabei unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sowie die hessische Fraktionschefin Ines Claus genannt. Allerdings hat sich bislang kein prominenter CDU-Politiker öffentlich für eine dieser Kandidatinnen ausgesprochen.
Nach Einschätzung Freis dürfte der gemeinsame Vorschlag von CDU und CSU nicht nur in der Union, sondern auch darüber hinaus auf Zustimmung stoßen. Am Ende, so sein Tenor, könne Deutschland eine sehr gute Bundespräsidentin bekommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber