Politik

US-Midterms 2026: Diese Wahl schreibt Geschichte

US-Wahl mit Paukenschlag: Erste schwarze Gouverneurin, erste indigene Senatorin – und blaue Siege in roten Bastionen.

04.11.2026, 09:29 Uhr

Knapp zwei Jahre nach dem Start von Donald Trumps zweiter Amtszeit haben die Republikaner bei den US-Zwischenwahlen einen deutlichen Denkzettel erhalten. Die Resultate bringen eine Reihe historischer Besonderheiten mit sich: von der ersten schwarzen Gouverneurin in der Geschichte der USA über die erste indigene Frau im Senat bis hin zu demokratischen Erfolgen in Staaten, die lange als sichere republikanische Hochburgen galten. Mit der Rückeroberung von Senat und Repräsentantenhaus verschiebt sich das politische Kräfteverhältnis in den Vereinigten Staaten spürbar.

In mindestens sechs Bundesstaaten wurden erstmals seit Jahrzehnten wieder Demokraten in den US-Senat gewählt, berichtet die New York Times. Besonders hervorsticht Kansas: Dort gewann mit Adam Hamilton erstmals seit 1932 wieder ein Demokrat eine Senatswahl.

Demokraten knacken langjährige republikanische Bastionen

Auch in Texas und Maine entschieden die Demokraten erstmals seit 1988 wieder eine Senatswahl für sich. In Texas setzte sich James Talarico gegen Ken Paxton durch, der von Präsident Trump unterstützt worden war. In Maine besiegte Troy Jackson die langjährige republikanische Senatorin Susan Collins.

In South Carolina gelang Annie Andrews der erste demokratische Senatssieg seit 1998. In Iowa und North Carolina hatte zuletzt 2008 jeweils ein Demokrat eine Senatswahl gewonnen.

Besonders tiefgreifend ist der Wandel in Texas: Dort verlieren die Republikaner nicht nur einen Sitz im Senat, sondern auch das Gouverneursamt. Die Demokratin Gina Hinojosa schlug Amtsinhaber Greg Abbott und wird damit die erste Gouverneurin mit lateinamerikanischen Wurzeln in der Geschichte des Bundesstaates. Zugleich ist sie die erste Demokratin seit Ann Richards 1990, die in Texas eine Gouverneurswahl gewinnt. Mehr als 30 Jahre lang hatten die Republikaner den Staat politisch geprägt.

Erste schwarze Gouverneurin in der Geschichte der USA

Im Bundesstaat Georgia wird mit Keisha Lance Bottoms erstmals eine schwarze Frau zur Gouverneurin gewählt. Sie ist außerdem die erste Frau überhaupt an der Spitze des Staates. Für die Demokraten ist es dort der erste Erfolg bei einer Gouverneurswahl seit 1998. Mit dem Wahlsieg von Juliana Stratton in Illinois werden zudem erstmals drei schwarze Frauen gleichzeitig dem Senat angehören.

Auch in anderen Staaten gibt es Premieren: In Florida wird der Republikaner Byron Donalds erster schwarzer Gouverneur des Bundesstaates. In Wisconsin schafft David Crowley als erster Schwarzer den Sprung ins Gouverneursamt. Gemeinsam mit dem in Maryland wiedergewählten Wes Moore werden damit zum ersten Mal mehrere gewählte schwarze Gouverneure zeitgleich im Amt sein, wie NBC News berichtet.

In Minnesota wird Amy Klobuchar zur ersten Gouverneurin des Staates, in Tennessee gelingt Marsha Blackburn dasselbe für die Republikaner. In Kalifornien wird Xavier Becerra der erste Latino, der direkt zum Gouverneur gewählt wird.

Historische Erfolge für indigene Politikerinnen

Zwei indigene Demokratinnen erreichen ebenfalls Meilensteine: In New Mexico wird Deb Haaland die erste indigene Gouverneurin in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In Minnesota zieht Peggy Flanagan als erste indigene Frau überhaupt in den US-Senat ein.

Auch in Alaska könnte Geschichte geschrieben werden: Dort hat die indigene Demokratin Mary Peltola Chancen auf einen Senatssitz. Wegen des besonderen Wahlsystems des Bundesstaates dürfte das endgültige Ergebnis jedoch erst in einigen Tagen oder sogar Wochen feststehen.

In New Hampshire wurde mit Chris Pappas zudem erstmals ein offen homosexueller Mann in den Senat gewählt. In Michigan gelang Abdul El-Sayed als erstem Muslim in der US-Geschichte der Einzug in die Kongresskammer.

Frauen auf Rekordkurs im Repräsentantenhaus

Auch im Repräsentantenhaus zeichnet sich ein neuer Höchststand ab. Nach Angaben der New York Times sind die Demokraten auf dem Weg, erstmals mehr als 100 Frauen in ihre Fraktion zu entsenden. Das entspräche einem Zuwachs von über 60 Prozent binnen zehn Jahren. Wegen noch ausstehender Ergebnisse ist die endgültige Zahl allerdings noch offen.

Mit dem Machtwechsel im Repräsentantenhaus könnte zudem ein weiterer historischer Schritt folgen: Sollte der bisherige Minderheitsführer Hakeem Jeffries im Januar zum Vorsitzenden gewählt werden, wäre er der erste Schwarze in diesem einflussreichen Amt.

Wie stark sich die politische Karte der USA verändert hat, zeigt ein ungewöhnlicher Vergleich der New York Times: Künftig wäre es möglich, die Vereinigten Staaten vom Atlantik bis an den Pazifik nahezu vollständig durch Bundesstaaten zu durchqueren, die mindestens einen demokratischen Senator stellen. Unterbrochen würde diese Route nur von einem etwa 75 Kilometer langen Abschnitt durch das republikanisch dominierte Nebraska.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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