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Teure Tickets? Festivals boomen weiter

Warum Festivals für junge Fans mehr als Musik sind – und wieso Live-Shows für Stars plötzlich überlebenswichtig werden.

22.05.2026, 05:20 Uhr

Festival-Sommer in Deutschland: Mehr Auswahl, höhere Kosten, neue Chancen

Die Festivalzeit ist zurück – und sie wächst weiter. In Deutschland finden über das Jahr verteilt mehr als 1.800 Musikfestivals statt. Ob Elektro, Rock, Jazz, Folk oder Schlager: Für nahezu jeden Geschmack gibt es passende Veranstaltungen. Nach Angaben von Johannes Everke, Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, ist die Zahl der Festivals inzwischen etwa ein Fünftel höher als vor der Corona-Pandemie.

Festivals verändern sich mit ihrer Zielgruppe

Dass ständig neue Formate entstehen und andere verschwinden, ist laut Everke kein ungewöhnlicher Vorgang. Die Festival-Szene reagiere stark auf gesellschaftliche Trends und auf das, was junge Menschen gerade anspricht. Erfolgreich seien oft Veranstaltungen, die mit neuen Konzepten, ungewöhnlichen Kooperationen oder einer klaren eigenen Identität überzeugen. Als Beispiele nannte er unter anderem San Hejmo, Parookaville, Heimliche Liebe und Glücksgefühle.

Im Vergleich zu anderen Kulturformen sind Festivals in Deutschland noch relativ jung. Erst seit rund sechs Jahrzehnten spielen sie hierzulande überhaupt eine größere Rolle. Die meisten dieser Veranstaltungen sind eher klein. Gerade diese Vielzahl an kleineren Formaten sei aber Ausdruck einer breit aufgestellten und vielfältigen Kulturlandschaft. Ähnlich wie bei Konzerten insgesamt dominieren auch hier nicht die riesigen Events, sondern die kleineren Angebote.

Eintrittspreise steigen – die Kosten aber noch stärker

Für Besucherinnen und Besucher ist der Festival- und Konzertbesuch in den vergangenen Jahren teurer geworden. Nach Einschätzung der Branche sind Ticketpreise über alle Größenordnungen hinweg im Schnitt um rund 30 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die Produktionskosten sogar um etwa 50 Prozent erhöht. Diese Entwicklung gilt als problematisch, weil ein größeres Angebot auf steigende Preise trifft.

Festival Sonne, Mond und Sterne
Auf Festivals können Musikfans auch neue Künstlerinnen und Künstler entdecken. (Archivbild) Quelle: Bodo Schackow/dpa

Hinzu kommt, dass Musikerinnen und Musiker heute stärker denn je auf Einnahmen aus Live-Auftritten angewiesen sind. Laut Everke stammen nur ungefähr fünf Prozent ihrer Erlöse aus dem Streaming. Konzerte und Festivals dagegen machen etwa die Hälfte ihrer Einnahmen aus. Der Live-Bereich ist damit wirtschaftlich besonders wichtig.

Auch Veranstalter sind auf große Namen angewiesen. Erfolgreiche Shows mit bekannten Acts sorgen dafür, dass kleinere Konzerte und Clubtermine mit weniger etablierten Künstlerinnen und Künstlern überhaupt finanziert werden können.

Kleine Bühnen als Basis für künftige Stars

In der Branche spricht man dabei vom "Circle of Life": Kleine Auftritte sind entscheidend, damit neue Acts wachsen und später größere Hallen oder Festival-Hauptbühnen füllen können. Doch genau dieses Aufbaugeschäft ist schwieriger geworden, weil die Kosten steigen und die Gewinnspannen sinken.

Gerade Festivals spielen für Nachwuchsmusiker eine zentrale Rolle. Während bekannte Acts wie Mark Forster, SDP oder Zartmann das große Publikum anziehen, entdecken viele Besucherinnen und Besucher dort auch weniger bekannte Künstler, die früher am Tag oder auf kleineren Bühnen auftreten. Auf diese Weise gewinnen Newcomer Reichweite und möglicherweise neue Fans.

Auch Frehn Hawel, Sprecher der Karsten Jahnke Konzertdirektion in Hamburg, betont die Bedeutung solcher Veranstaltungen. Festivals seien für viele Menschen ein Ort, an dem sie neue Musik kennenlernen und ihren Geschmack weiterentwickeln. Nicht selten seien die kleineren Namen im Line-up die Headliner von morgen.

Junge Menschen setzen stärker auf Erlebnisse

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen blickt die Branche wieder optimistischer nach vorn. Ein Grund dafür ist, dass insbesondere junge Menschen Konsum offenbar stärker auf Erlebnisse ausrichten. Studien wie die des Allensbach-Instituts oder die Shell-Jugendstudie 2024 deuten darauf hin, dass Besitz für viele an Bedeutung verliert, während gemeinsame Erfahrungen wichtiger werden.

Nach Beobachtung der Branche wird nicht grundsätzlich weniger Geld ausgegeben, sondern gezielter. Wer Geld für Kultur ausgibt, entscheidet sich bewusster – und Festivals profitieren davon besonders.

Ein weiterer positiver Faktor: Immer mehr Menschen besuchen wieder regelmäßig Konzerte. Laut einer Allensbach-Erhebung zählen rund 5,4 Millionen Menschen in Deutschland zu den wiederkehrenden Konzertgängerinnen und Konzertgängern. Das liegt nach Angaben von Everke sogar über dem Niveau vor der Pandemie.

Festivals bieten mehr als nur Musik

Der anhaltende Reiz von Festivals liegt nicht allein im Programm. Sie schaffen gemeinsame Erinnerungen, stärken Freundschaften und bieten Erlebnisse, auf die sich viele Menschen lange im Voraus freuen. Für Hawel sind genau diese verbindenden Momente ein wesentlicher Teil des Festivalgefühls.

Auch Everke verweist darauf, dass Veranstalter nicht einfach nur Musik verkaufen. Musik sei heute über Streamingdienste jederzeit verfügbar. Was Live-Events besonders mache, sei das Gemeinschaftsgefühl – der Moment, in dem zwischen Publikum und Künstlern eine echte Verbindung entsteht. Genau darin liegt für viele Fans der eigentliche Wert eines Festivals.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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