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Stallone in «Tulsa King»: «Dieser Schock trifft eiskalt»

Nicht Rocky, nicht Rambo: Warum ausgerechnet dieser Gangster Stallone am nächsten kommt, verrät er zum Start von «Tulsa King».

16.10.2026, 09:00 Uhr

Sylvester Stallone sieht sich in «Tulsa King» so nah wie nie

Sylvester Stallone hat in seiner Laufbahn zahlreiche ikonische Figuren verkörpert – vom Boxer bis zum Actionkämpfer. Am stärksten erkennt er sich nach eigener Aussage aber in Dwight Manfredi aus der Serie «Tulsa King» wieder. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London sagte der 80-Jährige, keine andere Rolle habe so viel mit seiner eigenen Persönlichkeit zu tun. Die vierte Staffel ist ab sofort bei Paramount+ zu sehen, neue Episoden erscheinen im Wochentakt.

Stallone betont, dass er weder Rocky noch Rambo persönlich gleiche. Bei Dwight Manfredi sei das anders. In diese Figur habe er erstmals sein eigenes Wesen, seinen Rhythmus und seine persönliche Art so unmittelbar einfließen lassen.

Ein Mafioso mit ungewöhnlichen Zügen

Gerade das mache Manfredi für ihn besonders: Anders als viele klassische Gangsterfiguren sei dieser Charakter nicht nur düster und kalt, sondern offen gegenüber anderen Menschen. Stallone erklärt den Zuspruch des Publikums damit, dass Manfredi höflich auftrete und Außenseiter in seinen Kreis aufnehme. Zwar könne er brutal sein, zugleich bringe er aber Humor mit – eine Mischung, die Zuschauer so kaum von Gangsterrollen kennen würden.

In der Serie kommt Manfredi nach 25 Jahren Gefängnis frei und merkt schnell, dass sich die Welt verändert hat. Seine Treue zählt bei den neuen Bossebenen nichts mehr, stattdessen wird er nach Tulsa in Oklahoma abgeschoben. Dort baut er sich mit einer Gruppe von Randfiguren ein eigenes kriminelles Netzwerk auf und gerät sowohl mit neuen Gegnern als auch mit alten Bekannten aneinander.

Mehr Verletzlichkeit in der neuen Staffel

In den neuen Folgen versucht Manfredi, seine Geschäfte zu legalisieren. Doch korrupte Politiker und neue Feinde machen ihm das schwer. Dazu kommt ein schwerer persönlicher Verlust, der ihn aus der Bahn wirft. Je größer der Druck wird, desto stärker greift er wieder auf alte Überlebensmuster aus seiner New Yorker Vergangenheit zurück.

Stallone war es wichtig, diesmal nicht nur die harte, sondern auch die verletzliche Seite der Figur zu zeigen. Manfredi habe geglaubt, alles im Griff zu haben und unantastbar zu sein. Dann treffe ihn das Leben unerwartet mit voller Härte – genau diesen Schock habe er darstellen wollen.

Tochter Scarlet steht wieder mit vor der Kamera

Zum Ensemble gehören erneut unter anderem Frank Grillo, Dana Delany und Garrett Hedlund. Neu dabei ist Gretchen Mol, bekannt aus «Boardwalk Empire», als Politikerin Amanda Clark.

Auch Stallones Tochter Scarlet Rose ist wieder zu sehen. Sie spielt Spencer, einst Pferdepflegerin, inzwischen Barkeeperin. Stallone erzählte mit einem Lachen, dass seine 24-jährige Tochter ihm am Set regelmäßig Vorschläge mache. Umgekehrt seien väterliche Ratschläge bei ihr allerdings weniger gefragt. Dennoch lobt er ihre Entwicklung und meint, sie werde immer besser.

Viele unterschätzten Stallone lange

Stallone sagt, er sei über Jahre deutlich unterschätzt worden – ganz ähnlich wie manche seiner Filmfiguren. Viele hätten in ihm nur den muskulösen Actionstar gesehen, nicht aber den Schauspieler, Regisseur und Autor. Dabei schrieb er als damals kaum bekannter Darsteller das Drehbuch zu «Rocky», das später für den Oscar nominiert wurde; der Film selbst gewann drei Academy Awards.

Über diesen Weg berichtet Stallone auch in seinen neuen Memoiren «The Steps». Darin schildert er die Zeit von seiner Ankunft in New York im Jahr 1969 bis zum Oscar-Erfolg von «Rocky» 1977.

Er kritisiert dabei das verbreitete Vorurteil, Menschen mit Muskeln seien automatisch nicht besonders klug. Dieses Denken verschwinde zwar langsam, sei aber lange präsent gewesen. Dass Stallone weit mehr kann als Action, zeigte er auch in Filmen wie «Cop Land», «Rocky Balboa» und «Creed». In «Tulsa King» bekommt er dafür nun besonders viel Raum.

Serienuniversum wächst weiter

Die von Taylor Sheridan geschaffene Serie entwickelt sich inzwischen weiter zu einem größeren Franchise. Das erste Spin-off mit dem Titel «Frisco King» ist bereits abgedreht. Die Hauptrolle übernimmt Samuel L. Jackson, der seine Figur Russell Lee Washington Jr. in Staffel drei von «Tulsa King» eingeführt hat. Ein Veröffentlichungstermin steht noch aus.

Auch die Hauptserie geht weiter: Paramount+ hat bereits eine fünfte Staffel bestellt. Gedreht wird diesmal nicht mehr in Atlanta, sondern in New York – also in der Heimat von Dwight Manfredi.

Stallone spricht von einem Wunder

Dass er mit 80 Jahren noch die Hauptfigur einer erfolgreichen Serie spielt, genießt Stallone sichtbar. Als junger Mann habe er sich eine solche Karriere kaum vorstellen können. Neben harter Arbeit habe er dabei auch großes Glück gehabt. Man könne alles geben und trotzdem scheitern, sagt er. Dass sein eigener Weg so verlaufen sei, empfinde er deshalb als ein echtes Wunder – und als etwas, das heute kaum noch möglich wäre.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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