Caine-Preis-Gewinner weist KI-Vorwürfe zurück
Der diesjährige Gewinner des Caine-Preises für afrikanische Literatur sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, seine ausgezeichnete Kurzgeschichte vollständig von Künstlicher Intelligenz erstellen lassen zu haben. Für die Erzählung „The Blue Fighter“ war der Simbabwer Simbarashe Kundizeza erst in der vergangenen Woche mit dem mit 10.000 US-Dollar dotierten Preis geehrt worden. Die Anschuldigungen bestreitet er jedoch entschieden.
Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Bericht des US-Magazins The Atlantic. Demnach soll das KI-Erkennungstool Pangram zu dem Ergebnis gekommen sein, dass nahezu der gesamte Text von einer KI verfasst worden sei. Lediglich ein in der Geschichte zitierter Abschnitt aus einem Gedicht eines anderen Autors sei davon ausgenommen.
Autor verweist auf persönliche Erfahrungen
Kundizeza reagierte auf die Vorwürfe mit einer Stellungnahme auf X. Darin betonte er, die Geschichte sei keineswegs willkürlich entstanden, sondern habe eine klar belegbare Entstehungsgeschichte. Nach seinen Angaben beruht die Erzählung auf Erlebnissen seiner Familie in Simbabwe. So greife sie unter anderem die Entscheidung seines Vaters auf, den Beruf als Buchhalter aufzugeben, sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die Familie danach durchleben musste.
Auch weitere Elemente wie Figuren und Schauplätze stützten sich auf Erfahrungen aus seinem eigenen Leben, erklärte Kundizeza. Zudem könne er den Entstehungsprozess der Geschichte zeitlich nachvollziehbar belegen.
Die Organisatoren des Caine-Preises erklärten, dass die Vorwürfe derzeit geprüft würden. In einer Mitteilung des Komitees hieß es, man sei verpflichtet, solchen Hinweisen nachzugehen. Zugleich wolle man dabei einen menschenorientierten Ansatz verfolgen, der sicherstelle, dass betroffene Autorinnen und Autoren während des Verfahrens unterstützt würden.
Wachsende Unsicherheit im Literaturbetrieb
The Atlantic sprach in einem Beitrag auf X von einem weiteren prominenten Literaturpreis, der offenbar an eine Autorin oder einen Autor gegangen sei, bei dem KI im Spiel gewesen sein könnte. Der Kommentar verweist auf die zunehmend angespannte Diskussion in der Buchbranche darüber, wie weit der Einsatz von KI in literarischen Werken reichen darf.
Bereits im September war der Roman „C’était ça ou mourir“ des kanadisch-haitianischen Schriftstellers Thélyson Orélien unter ähnlichem Verdacht aus dem Wettbewerb um den renommierten französischen Prix Goncourt genommen worden. Als Grundlage dienten damals Analysen von Textpassagen mit derselben US-Software Pangram. In den Tagen danach griffen mehrere Medien den Fall auf und nahmen eigene Prüfungen vor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber