Stars

Richter in Katar: Dieser Pavillon sorgt für Wirbel

Richters Bilder brechen Rekorde – jetzt plant der Kunst-Star mit 94 ein spektakuläres Projekt. Warum ausgerechnet Katar?

10.09.2026, 14:12 Uhr

Gerhard Richter entwirft Ausstellungspavillon in Katar

Der deutsche Künstler Gerhard Richter gestaltet im Golfstaat Katar einen neuen Ausstellungspavillon. Die Eröffnung des Gebäudes ist für November vorgesehen. Vorgestellt wurden die Pläne in der Neuen Nationalgalerie in Berlin von al-Majassa bint Hamad Al Thani, der Chefin von Katars Museumsbehörde und Schwester des Emirs. Sie würdigte Richter als herausragenden Künstler.

Richter, der aus Dresden stammt und seit vielen Jahren in Köln lebt, zählt international zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern. Seine Arbeiten erzielen seit Langem Spitzenpreise auf dem Kunstmarkt. Als gestalterische Grundlage für den neuen Bau dienten seine bekannten „Strip Paintings“ mit ihren langgezogenen Farbstreifen.

Nach Angaben der Organisatoren ist der Pavillon als eigenständiges Werk zwischen Kunst und Architektur konzipiert. In dem freistehenden, sechseckigen Bau sollen eigens ausgewählte Gemälde und Skulpturen gezeigt werden. Geplant ist der Standort im Park des Museums für Islamische Kunst in Doha. Angaben zu den Kosten wurden nicht gemacht. Die Eröffnung soll im Rahmen der Kunstausstellung Quadriennale stattfinden.

Katar setzt weiter auf kulturelle Präsenz

Katar liegt auf der Arabischen Halbinsel und gehört wegen seiner großen Erdgas- und Erdölvorkommen zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Das Land ist eine absolut regierte Monarchie unter der Herrscherfamilie Al Thani, zu der auch Emir Tamim bin Hamad Al Thani gehört. Trotz seiner vergleichsweise kleinen Fläche hat Katar seit den 1990er Jahren seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss deutlich ausgebaut.

al-Majassa bint Hamad Al Thani
Die Vorsitzende von Katars Museumsbehörde: al-Majassa bint Hamad Al Thani. Quelle: Jens Kalaene/dpa

Wie auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate investiert Katar stark in moderne und zeitgenössische Kunst. Das Land arbeitete bereits mit namhaften Künstlern wie dem verstorbenen Bildhauer Richard Serra, Damien Hirst und Jeff Koons zusammen. Mehrere Museen wurden eröffnet oder befinden sich im Bau. Zudem fand die bekannte Kunstmesse Art Basel im Februar erstmals in Doha statt.

Milliarden für Kunstankäufe

Als zentrale Figur hinter dieser Kulturstrategie gilt al-Majassa. Über staatliche Mittel, den Staatsfonds QIA und auch mit Unterstützung ihrer Familie wurden enorme Summen für Kunstkäufe eingesetzt – in Größenordnungen, die selbst große Häuser wie das Museum of Modern Art in New York oder die Tate Modern in London kaum erreichen. Zu den erworbenen Werken zählen Arbeiten von Paul Cézanne, Paul Gauguin und Mark Rothko.

Kritik an Katars Kulturpolitik

Katar sieht sich jedoch immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, mit Hilfe von Kunst und Kultur sein internationales Ansehen trotz der problematischen Menschenrechtslage verbessern zu wollen. Ähnliche Debatten gab es bereits rund um die Fußball-WM 2022. Wegen der eingeschränkten Meinungsfreiheit steht Kunst im Land oft im Spannungsfeld zwischen kreativer Freiheit und möglicher Zensur.

Befürworter einer Zusammenarbeit mit Katar argumentieren dagegen, dass Kunst gesellschaftliche Entwicklungen anstoßen und Räume für Dialog schaffen könne. Al-Majassa betonte, Kultur habe stets mit menschlicher Entwicklung, Wissensvermittlung und Austausch zu tun. Zugleich stellte sie die Frage, ob westliche Staaten nicht ebenso Kulturförderung nutzten, um ihr Bild in der Öffentlichkeit zu stärken. Kultur, so ihre Aussage, habe in Katar schon immer einen hohen Stellenwert gehabt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen