Goldener Löwe in Venedig: Diese Filme gelten vor der Preisvergabe als aussichtsreich
Beim 83. Filmfestival von Venedig biegt der Wettbewerb auf die Zielgerade ein. Insgesamt 21 Produktionen kämpfen in diesem Jahr um den Goldenen Löwen. Über die Vergabe entscheidet die Jury unter Vorsitz von Maggie Gyllenhaal am Samstag, 12. September.
Zwar stehen noch nicht alle Vorführungen aus, dennoch haben sich bereits einige Titel als Favoriten herauskristallisiert. Ob sie am Ende auch die Jury überzeugen, bleibt allerdings offen. Ein Blick auf die bislang meistdiskutierten Wettbewerbsbeiträge:
„Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh
Martin McDonaghs Tragikomödie folgt den seit Jahren für die CIA tätigen Agenten Chris, gespielt von John Malkovich, und Lee, verkörpert von Sam Rockwell. Die Handlung spielt im Chile des Jahres 1973, wo beide in die Vorbereitungen des Militärputsches verstrickt sind.
Kurz vor dem Umbruch führt sie eine rätselhafte Reise auf die Osterinsel. Dort werden sie nicht nur mit persönlichen Verlusten, sondern auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Als Chris zwei oppositionelle Studierende kennenlernt, droht er mit seinem undurchsichtigen Verhalten die geheimen Machenschaften der CIA auffliegen zu lassen.
Der Film punktet mit starken Darstellern, bissigen Dialogen und überraschenden Wendungen. Beobachter rechnen John Malkovich bereits gute Chancen auf eine Oscar-Nominierung aus. Neben seiner satirischen Auseinandersetzung mit früheren US-Geheimdienstoperationen ist der Film vor allem auch eine Erzählung über Freundschaft.

„Possible Love“ von Lee Chang-dong
Im Zentrum des südkoreanischen Dramas stehen zwei Ehepaare aus völlig verschiedenen Lebenswelten. Der arbeitslos gewordene Ho-seok und seine Frau Mi-ok begegnen der erfolgreichen Regisseurin Ye-ji und ihrem Mann Sang-woo während der Arbeiten an einem Dokumentarfilm.
Je länger die Dreharbeiten dauern, desto instabiler wird das Verhältnis zwischen den vier Figuren. Unterdrückte Gefühle brechen auf beiden Seiten der Kamera hervor. Bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Ferienhaus entladen sich die Spannungen schließlich.
Lee Chang-dong erzählt von gesellschaftlichen Gegensätzen, aber auch von Nähe, Liebe und Freundschaft. Der ruhig und präzise inszenierte Film wurde besonders für seine psychologische Tiefe gelobt und erhielt viel Zuspruch von Kritikern.
„Bunker“ von Florian Zeller
Kaum ein Film wurde in diesem Jahr in Venedig so begeistert gefeiert wie „Bunker“: Mehr als 15 Minuten spendete das Publikum stehenden Applaus. Zu den Stars des Films zählen Javier Bardem und Penélope Cruz, die auch im Film ein Ehepaar spielen.
Im Mittelpunkt stehen der erfolgreiche Architekt Miguel und seine Frau Sofia. Ihr geordnetes Leben gerät ins Wanken, als Miguel erwägt, den Auftrag eines Tech-Milliardärs anzunehmen: Er soll einen luxuriösen Schutzbunker bauen. Florian Zeller, Oscar-Preisträger für „The Father“, inszeniert die Geschichte als intensives Kammerspiel mit bedrückender Stimmung.
Während das Publikum den Film begeistert aufnahm, fiel die Resonanz der Kritiker zurückhaltender aus.
„Look Back“ von Hirokazu Koreeda
Hirokazu Koreedas Coming-of-Age-Drama erzählt von zwei Mädchen auf dem japanischen Land, die ihre Begeisterung für Manga-Zeichnungen verbindet. Fujino gilt als gefeierter Star der Schülerzeitung, bis plötzlich die Werke der äußerst zurückhaltenden Kyomoto auftauchen. Aus Konkurrenz entwickelt sich nach und nach eine enge Freundschaft.
Die Vorlage stammt aus einem Manga von Tatsuki Fujimoto, zudem existiert bereits eine Anime-Adaption. Koreeda, bekannt unter anderem durch „Shoplifters“, wurde für den sensiblen und genauen Blick seines Films besonders gelobt.
„Kvinde Ukendt“ von May el-Toukhy
Das historische Drama von May el-Toukhy ist einer von nur zwei Filmen von Regisseurinnen im diesjährigen Wettbewerb. Erzählt wird die Geschichte der jungen Dänin Marie, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kurz davorsteht, ihren wohlhabenden Arbeitgeber zu heiraten.
Doch ihre Zukunft ist bedroht: Während der deutschen Besatzung hatte sie eine Beziehung mit einem deutschen Soldaten. In der von Misstrauen und Vergeltung geprägten Nachkriegszeit versucht sie mit aller Kraft zu verhindern, dass dieses Geheimnis ans Licht kommt.
Viele Festivalbesucher hoben die elegante Bildsprache und die dichte, beklemmende Atmosphäre des Films hervor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber