Leslie Mandoki blickt mit Sorge auf Europa
Musiker Leslie Mandoki sieht die aktuelle Entwicklung in Europa mit großer Besorgnis. Gesellschaftliche Spannungen, der Einfluss sozialer Netzwerke und bewaffnete Konflikte seien Themen, die ihn stark beschäftigten, sagte der 73-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Besonders bedrücke ihn, dass Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer erneut Krieg auf europäischem Boden herrsche.
Mit seinem neuen Projekt „Sehnsucht nach Freiheit“ erinnert Mandoki an den ungarischen Volksaufstand von 1956, der von sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen wurde. Neben dem nun erschienenen Buch sind auch ein Film und Konzerte geplant. Darin kommen Zeitzeugen, enge Wegbegleiter und prominente Unterstützer zu Wort, darunter Christian Wulff, Peter Maffay und Michail Gorbatschow.
Erinnerungen an 1956 prägen ihn bis heute
Mandoki berichtet, sein Vater László habe sich damals den Aufständischen angeschlossen. Als kleines Kind habe er miterlebt, wie verletzte Studenten, die von sowjetischen Soldaten angeschossen worden waren, in der Wohnung der Familie starben. Diese Erfahrungen hätten sich tief eingeprägt.
Noch heute steht in seinem Haus am Starnberger See der Schreibtisch seines Vaters. Er sei damals beschädigt worden, als sowjetische Offiziere mit Gewehrkolben Türen und Möbel bearbeiteten. Reparieren ließ Mandoki das Stück nie – als bleibende Erinnerung an jene Zeit.
Flucht aus Ungarn
Auch nach dem niedergeschlagenen Aufstand seien Überwachung und Zensur in Ungarn geblieben. Für junge Künstler sei die Atmosphäre immer bedrückender geworden. 1975 floh Mandoki eigenen Angaben zufolge mit zwei Freunden zu Fuß durch den Karawankentunnel nach Österreich. Ohne Deutschkenntnisse kam er danach als Asylbewerber nach Deutschland.

Heute beschreibt er sich als Teil einer „glücklichen Flüchtlingsgeneration“. Er habe damals keine besondere Betreuung erhalten, sagt er, dafür aber die Chance, sich selbst zu beweisen. Rückblickend wertet er das als entscheidend für seinen Weg.
Vom Flüchtling zum erfolgreichen Musiker
Schon in seinem Asylantrag habe er, so erzählt Mandoki, den Wunsch formuliert, später mit Ian Anderson, Jack Bruce und Al Di Meola Musik zu machen. Ein anwesender CIA-Beamter habe darauf nur ungläubig reagiert. Anfang der 1990er Jahre wurde diese Vision mit den Mandoki Soulmates tatsächlich Wirklichkeit.
Einem breiten Publikum wurde Mandoki Ende der 1970er Jahre mit Dschinghis Khan bekannt. Später machte er sich auch als Produzent einen Namen und arbeitete mit internationalen Stars wie Phil Collins, Lionel Richie und Jennifer Rush zusammen.
Klare Haltung zu Integration und Deutschland
Mandoki besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und bezeichnet sich ausdrücklich als Deutscher, auch wenn sein Herz, wie er sagt, mitunter noch ungarisch empfinde. Zugleich betont er, Integration sei vor allem eine Verpflichtung derjenigen, die in ein Land einwandern.
Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland beurteilt er jedoch kritisch. Seiner Ansicht nach müsse ein Einwanderungsland allen Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – faire Startbedingungen bieten. Talente müssten sich frei entfalten können. Wenn Menschen zu stark eingeengt würden, bestehe die Gefahr, dass gerade besonders Begabte das Land verließen.
Kritik an Medien und sozialen Netzwerken
Sorgen macht Mandoki auch die Lage der Medien. Der wirtschaftliche Druck führe aus seiner Sicht dazu, dass immer mehr Inhalte in immer kürzerer Zeit produziert würden, während sorgfältige Recherche leide. Wenn klassische Medien sich an die Mechanismen sozialer Netzwerke anpassten, sei das aus seiner Sicht eine gefährliche Entwicklung.
Appell an die junge Generation
Mit „Sehnsucht nach Freiheit“ möchte Mandoki bewusst auch jüngere Menschen ansprechen. Er lehne die Vorstellung ab, eine ganze Generation sei an Instagram verloren. Vielmehr müsse man lernen, ihre Sprache und ihre Kommunikationsformen zu verstehen.
Das Buchcover zeigt ein junges Mädchen, das 1956 bewaffnet kämpfte und später von sowjetischen Soldaten erschossen wurde. Für Mandoki ist das ein Symbol dafür, dass Freiheitsbewegungen oft von sehr jungen Menschen getragen werden. Das gelte sowohl für den Aufstand in Ungarn als auch für die Ereignisse von 1989.
Er sieht darin auch eine Verbindung zur Gegenwart: Junge Menschen in der Ukraine verlören heute ihr Leben im Krieg. Daraus ergebe sich die Verantwortung, alles zu tun, um das Töten zu beenden.
Song gegen das „Labyrinth der Krisen“
Diese Gedanken greift Mandoki auch in seinem Lied „The Torch“ auf. Den Song habe er aus Enttäuschung über die eigene Generation geschrieben. Aus seiner Sicht hinterlasse sie den heutigen 17-Jährigen eine Welt voller Krisen und Orientierungslosigkeit.
Clubtour für mehr Dialog
Ab Ende April 2027 will Mandoki deshalb auf Clubtour gehen. Ihm gehe es dabei nicht nur um Musik, sondern auch um direkten Austausch. Er wolle bewusst nah am Publikum auftreten, damit Gespräche auf Augenhöhe möglich würden.
In Buch, Film und bei den Konzerten wolle er die Menschen immer wieder mit derselben Frage konfrontieren: Was bedeutet Freiheit für jeden Einzelnen? Sein Ziel sei es, den Dialog wieder zu stärken – jenseits von Echokammern und Polarisierung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber