"Emma" prägte Debatten weit über die eigene Leserschaft hinaus
Als Alice Schwarzer 1977 die Zeitschrift „Emma“ ins Leben rief, war Feminismus in Deutschland noch stark umkämpft. Wer sich für die Rechte und Selbstbestimmung von Frauen einsetzte, wurde häufig als Feindbild dargestellt und als Bedrohung für Ehe und Familie wahrgenommen. Sexistische Sprüche gehörten damals zum Alltag, und Frauen, die sich dagegen wehrten, wurden schnell abgewertet. In diesem Klima begann das Magazin seine Arbeit – und gewann schon bald gesellschaftlichen Einfluss weit über seine Kernleserschaft hinaus.
Frühe Aufmerksamkeit für sexuellen Missbrauch an Kindern
Zu den Themen, die „Emma“ früh aufgriff, gehörte der sexuelle Missbrauch von Kindern. Das Magazin verweist darauf, zu den ersten Medien in Deutschland gezählt zu haben, die diese Verbrechen öffentlich thematisierten. 1978 erschien ein Dossier unter der Überschrift „Das Verbrechen, über das niemand spricht“. Bemerkenswert war damals vor allem, dass die Veröffentlichung zunächst kaum Resonanz auslöste. Nach Erinnerungen Schwarzers blieb jede öffentliche Reaktion aus – ein Zeichen für die damalige gesellschaftliche Verdrängung. Das Blatt blieb dennoch an dem Thema dran und veröffentlichte weitere Beiträge.
Die Kampagne „PorNO!“ gegen Pornografie
1988 legte „Emma“ mit der Aktion „PorNO!“ einen Entwurf für ein Gesetz gegen Pornografie vor. Die Redaktion verstand pornografische Darstellungen als Ausdruck von Macht und Erniedrigung gegenüber Frauen. Ziel war es, Betroffenen rechtliche Möglichkeiten zu geben, gegen solche Inhalte vorzugehen. Zwar wurde der Vorschlag nie umgesetzt, doch die Debatte erhielt große Aufmerksamkeit. In späteren Jahren wuchs allerdings auch Widerspruch, besonders aus jüngeren feministischen Kreisen. Dort wurde vertreten, dass Pornografie akzeptabel sein könne, sofern sie freiwillig, selbstbestimmt und ohne Ausbeutung entstehe.

Islamismus als dauerhafter Schwerpunkt
Bereits 1979 berichtete „Emma“ nach der Machtübernahme von Ajatollah Chomeini im Iran über Islamismus. 1993 folgte mit „Mitten unter uns“ ein Dossier über islamistische Agitation in Deutschland. Seither kritisierte das Magazin immer wieder patriarchale und frauenfeindliche Strukturen im Islam und forderte, diese ebenso entschieden zu benennen wie andere Formen von Unterdrückung. Kritiker aus der Islamwissenschaft warfen der Zeitschrift dabei jedoch teils Pauschalisierung und mangelnde Differenzierung vor. Auch nach Schwarzers Einordnung der Täter der Kölner Silvesternacht als Anhänger eines Scharia-Islams wurde ihr heftig widersprochen; viele sahen den Hintergrund der Übergriffe nicht primär in religiöser Ideologie.
Einsatz für bessere Brustkrebs-Vorsorge
Mitte der 1990er Jahre nahm „Emma“ auch das Thema Brustkrebs stärker in den Blick. Auslöser war laut Schwarzer ein Gespräch mit einem Arzt, der die Zustände in der deutschen Brustkrebsforschung und -behandlung scharf kritisierte. In der Folge startete das Magazin eine Kampagne für bessere Früherkennung und modernere Therapien. Dieser Einsatz trug nach Darstellung des Blatts dazu bei, dass 2005 ein flächendeckendes Mammografie-Screening eingeführt wurde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber