Bill Kaulitz’ angekündigter Männerdetox hält offenbar nur kurz. In der dritten Staffel von „Kaulitz & Kaulitz“, die seit 23. Juli bei Netflix zu sehen ist, sitzen Bill und Tom Kaulitz an Bills Pool in Los Angeles und zeigen sich ungewöhnlich offen. Einer der skurrilsten Momente: Tom schenkt seinem Bruder einen Keuschheitsgürtel für Männer, also einen sogenannten Peniskäfig. Mit viel Ironie soll der Bill dabei helfen, sich beim Dating etwas mehr zurückzunehmen – ganz nach dem Motto: „Nur gucken und nicht anfassen.“
Luxusleben mit sehr privaten Momenten
Die Tokio-Hotel-Zwillinge haben sich längst ein Leben aufgebaut, das mit dem Alltag der meisten wenig zu tun hat. In der Serie wird nebenbei ein Ferrari bei einer Auktion in Arizona gekauft oder gleich das Haus nebenan. Zu sehen ist auch Bills stylisches Anwesen in Los Angeles, das er bereits im Architekturmagazin „AD“ vorgestellt hat. Das Zuhause von Tom und seiner Frau Heidi Klum bleibt dagegen weiter außen vor.
Trotz Glamour setzt die neue Staffel diesmal einen stärkeren Fokus auf die Beziehung der Brüder. Dabei holen sich die beiden Unterstützung von einem Lifecoach namens Karin. Bill erzählt, sie habe ihm klargemacht, dass seine dramatische, divenhafte Art zu ihm gehöre – und dass Tom genau das akzeptieren müsse. Tom wiederum bekommt den Rat, sich klarer von Bills Entscheidungen abzugrenzen und auch selbst besser auf sich zu achten.
Tom sagt rückblickend, er habe gelernt, dass nicht automatisch jedes Problem seines Bruders auch sein eigenes sei. Er müsse Bill nicht ständig beschützen, selbst wenn dessen Datingleben wieder einmal in Herzschmerz ende.
Poolparty, Familienausflug und Konzertstress
Auch in den neuen Folgen bleibt die Serie ein schneller Mix aus Party, Familienmomenten und schrägen Anekdoten. Bill flirtet bei einer Poolparty mit Realitystar Jannik Kontalis. Bandkollege Georg Listing heiratet seine Susanne in Südfrankreich – für Bill ein emotionaler Moment, weil er dort ohne Begleitung auftaucht. Außerdem reisen die Zwillinge mit ihrer Mutter Charlotte und deren Partner auf eine Burg in Cochem an der Mosel.
Dazu kommen ein Gesundheitscheck, Vorbereitungen für das Jubiläumskonzert in Berlin und eine Technikpanne vor Ort. Es wird Champagner getrunken, viel gelacht und über Kindheitserinnerungen gesprochen – etwa über die Frage, ob Tom heimlich Bills Seepferdchen-Abzeichen erschwommen haben könnte. Mutter Charlotte kann diese Geschichte allerdings nicht bestätigen.
Bewegende Rückblicke auf Kindheit und Herkunft
Besonders eindringlich wird die Staffel, wenn Bill und Tom über ihre Jugend sprechen: über die schwierige Beziehung zum Vater, ihre frühere Heimat Loitsche nördlich von Magdeburg und das Gefühl, eingeengt gewesen zu sein. Tom nennt den Ort an einer Stelle sogar ein Gefängnis. Freiheit habe damals bedeutet, einfach mit der S-Bahn nach Magdeburg zu fahren.
Bill erinnert sich an belastende Situationen in der Schulzeit, unter anderem an Konflikte im Schulbus. Mutter Charlotte erzählt, dass sie sich damals oft gefragt habe, wie sicher ihre Kinder überhaupt seien. Wenn es dunkel wurde, habe sie die beiden mit Hund, Baseballschläger und Schreckschusspistole vom S-Bahnhof abgeholt.
Nach ihren Worten waren in der Gegend viele Rechtsextreme unterwegs. Ihre auffällig bunten, anders wirkenden Söhne seien deshalb immer wieder angegriffen worden.
Auch die finanziell schwierige Lage der Familie wird thematisiert. Die Brüder berichten, dass sie sich früher das Badewasser teilen mussten und am Wochenende manchmal nur eine Tüte Chips da war. Bill erinnert sich außerdem daran, ohne Ticket vor Kontrolleuren davongelaufen zu sein. Erst später kam mit Tokio Hotel der plötzliche Durchbruch.
Rückkehr nach Loitsche
In der neuen Staffel kehrt zunächst Bill allein in die alte Heimat zurück. Dort lässt er sich für die deutsche „Vogue“ fotografieren und wird mit dem Shooting zum ersten deutschen Künstler auf dem Cover der deutschen Ausgabe. Später folgt auch Tom, denn gemeinsam organisieren die Brüder ein Wiedersehen mit Menschen aus ihrer früheren Heimat.
Gerade diese Szenen zählen zu den emotionalsten Momenten der Staffel. Bill erinnert sich etwa daran, dass ihm eine Mitschülerin im Schwimmbad einst zwischen die Beine fasste, um zu prüfen, ob er „wirklich ein Junge“ sei. Beim Wiedersehen begegnen sich die beiden erneut. Bewegend ist auch der Moment, in dem eine frühere Freundin erzählt, wie sehr sie die Zwillinge vermisst habe.
Versöhnliche Begegnungen und ein voller Kalender
Für Bill hatte die Reise zurück auch etwas Heilendes. Er sagt, er wolle keinen Groll mit sich herumtragen. Für ihn und Tom sei es wichtig gewesen zu sehen, was aus den Menschen von damals geworden ist, wie sie heute auf die Brüder blicken und ob sie noch an sie denken – denn umgekehrt sei das sehr wohl so.
Tom sieht in den schwierigen Erfahrungen ihrer Jugend auch etwas Prägendes. Weil sie früh mit brenzligen Situationen konfrontiert gewesen seien, hätten sie schnell erwachsen werden müssen. Daraus sei auch ihr Gespür dafür entstanden, echte Freunde von falschen zu unterscheiden. Loyalität habe deshalb schon sehr früh einen hohen Stellenwert gehabt.
Und wie steht es nun um Bills Vorsatz, beim Dating kürzerzutreten? Eher schlecht. Zwar plant er demnächst einen allgemeinen Detox, um fit für die kommende Tokio-Hotel-Tour zu werden. Beim Männerentzug aber ist das Kapitel laut Bill schon wieder beendet: Der Männerdetox ist vorbei – und der Männerkalender wieder voll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber