Knapp neun Jahre nach der Ermordung der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia ist der Unternehmer Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen worden, hinter dem Anschlag zu stehen. In Valletta erklärte eine Jury den 44-Jährigen sowohl in Bezug auf Beihilfe zum Mord als auch auf eine kriminelle Verschwörung für nicht schuldig.
Das Urteil fiel deutlich aus: Die Geschworenen entschieden mit 8 zu 1 für einen Freispruch. Zuvor hatten sie sich am Vormittag zu Beratungen zurückgezogen. Fenech zählt zu den wohlhabendsten Männern Maltas.
Der Fall, der als einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle in der Geschichte des kleinen EU-Mitgliedstaats gilt, nimmt damit eine überraschende Wendung. Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in der Nähe ihres Wohnhauses getötet worden, als ihr Auto durch eine Bombe zerstört wurde. Die damals 53-Jährige zählte zu den bekanntesten Investigativjournalistinnen Maltas und hatte zu Korruption in Politik und Wirtschaft recherchiert.
Mit dem Urteil endet zugleich einer der langwierigsten Mordprozesse des Landes. Bereits vor einigen Jahren hatten drei Auftragskiller, darunter zwei Brüder, ihre Beteiligung eingeräumt; sie verbüßen Freiheitsstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer, die wegen der Beschaffung beziehungsweise Lieferung des Sprengsatzes schuldig gesprochen wurden, erhielten lebenslange Haftstrafen.
Fenech war im November 2019 festgenommen worden, als er mit seiner Jacht aus einem ihm gehörenden Jachthafen im wohlhabenden Stadtteil St. Julian’s auslaufen wollte. Die Anklage stützte sich vor allem auf Aussagen seines Chauffeurs Melvin Theuma. Dieser hatte eingeräumt, als Vermittler bei dem Mord fungiert zu haben, und bekam im Gegenzug für seine Aussage eine Begnadigung.
Die Festnahme Fenechs und der Verdacht, dass auch hochrangige Regierungsvertreter in den Fall verwickelt gewesen sein könnten, lösten Ende 2019 landesweite Proteste aus. In der Folge trat der damalige Ministerpräsident Joseph Muscat zurück.
Vor seiner Festnahme war Fenech auch wegen seiner geschäftlichen Verbindungen in den Fokus geraten. Der Spross einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien Maltas war Direktor eines Kraftwerkskonsortiums, zu dem Caruana Galizia intensiv recherchiert hatte. Theuma sagte aus, er habe als Mittelsmann zwischen den Tätern und Fenech fungiert; demnach soll Fenech ihm 150.000 Euro gezahlt haben. Nach Angaben der Ermittler untermauerte Theuma seine Aussagen mit Aufzeichnungen und Textnachrichten über die mutmaßlichen Täter und die Mordermittlungen.
Fenech räumte ein, von den Mordplänen gewusst zu haben. Zugleich wies er die Rolle als Drahtzieher zurück und machte seinen früheren Freund Keith Schembri verantwortlich, den damaligen Stabschef von Regierungschef Muscat.
Die Familie von Caruana Galizia reagierte enttäuscht auf den Freispruch. Dieser verwehre der Journalistin die Gerechtigkeit, die sie verdient habe, erklärte sie. Zudem seien die institutionellen Versäumnisse, die den Mord ermöglicht hätten, bis heute nicht aufgearbeitet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber