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Eklat um Nacktszene: Filmakademie zieht Konsequenzen

Brisante Wende um Wenders' Kultfilm: Wegen der Kinski-Szene greift er durch – jetzt mischt sich die Filmakademie ein.

04.06.2026, 10:29 Uhr

Die Deutsche Filmakademie will sich nach der Entscheidung von Wim Wenders, seinen Film „Falsche Bewegung“ vorläufig nicht weiter zu zeigen, intensiver mit dem Umgang mit problematischen Werken befassen. Das teilten die Präsidenten der Akademie, Vicky Krieps und Florian Gallenberger, mit. Inzwischen mehren sich auch aus der Filmbranche die Reaktionen auf den Fall.

Nach Angaben der Filmakademie hat die von Wenders angestoßene Frage, ob Filme oder andere Kunstwerke nachträglich verändert werden sollten, dürften oder sogar müssten, nicht nur öffentlich, sondern auch innerhalb der Akademie intensive Debatten ausgelöst.

Die Akademie betonte, dass die Diskussion mehrere Ebenen zugleich berühre: juristische, ethische, künstlerische und kulturwissenschaftliche. Man wolle sich dem Thema gemeinsam, offen und differenziert widmen. Für eine fundierte Vorbereitung brauche es jedoch Zeit, deshalb sei für September eine eigene Veranstaltung geplant.

Dabei könnte frühestens ab Herbst auch eine Entscheidung näher rücken, wie mit dem Film weiter verfahren werden soll. Die Deutsche Filmakademie vereint nach eigenen Angaben mehr als 2.400 Mitglieder aus allen künstlerischen Bereichen des deutschen Films.

Julia von Heinz sieht in Wenders‘ Schritt eine „riesige Chance“

Regisseurin Julia von Heinz bezeichnete die Entscheidung von Wenders in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ als eine „riesige Chance“. Ihrer Ansicht nach könne Wenders nun entweder Kinskis Bitte nachkommen und den Film verändern oder eine mildere Form der Wiedergutmachung schaffen.

Als mögliche Wege nannte sie etwa Begleitmaterial, ein Interview mit Nastassja Kinski oder einen Essay, der dem Film an die Seite gestellt wird. Von Heinz kritisierte zudem die Vorstellung, ein Film sei in jeder einzelnen Einstellung unantastbar. Filme seien häufig auch Produkte von Umständen und Zufällen.

Wenders zieht den Film vorerst aus dem Verkehr

Auslöser der Debatte ist eine Szene aus dem Jahr 1975 in „Falsche Bewegung“, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. In der rund zweiminütigen Szene wird sie zunächst von einem Mann geohrfeigt und anschließend berührt.

Wegen des Streits um diese Passage hatte Wenders angekündigt, den Film vorerst aus dem Verkehr zu ziehen. Wie die Wim Wenders Stiftung mitteilte, soll das Werk in keiner aktuellen Auswertungsform mehr angeboten werden. Streamingdienste, Fernsehsender und Vertriebspartner seien aufgefordert worden, den Film nicht weiter öffentlich zugänglich zu machen.

In seiner Erklärung bat Wenders Kinski ausdrücklich um Entschuldigung. Er erklärte, als letzter noch lebender Verantwortlicher des Films sehe er heute, dass Kinski damals besser hätte geschützt werden müssen. Zugleich schrieb er, die vielen Reaktionen und Gespräche der vergangenen Tage hätten seinen Blick auf die damaligen Ereignisse weiter geschärft.

Wenders betonte außerdem, dass die Gesellschaft einen angemessenen Umgang mit umstrittenen Filmwerken des 20. Jahrhunderts finden müsse und neue Lernprozesse sowie Perspektiven zulassen solle. Dafür solle ein breiter Austausch stattfinden, auch gemeinsam mit der Deutschen Filmakademie. Der Film soll erst dann wieder freigegeben werden, wenn eine einvernehmliche Lösung vorliegt – ausdrücklich auch in Absprache mit Nastassja Kinski.

Kinski drängt seit Jahren auf Entfernung der Szene

Nach Angaben von Nastassja Kinski bittet sie Wenders bereits seit Jahren darum, die betreffende Szene aus dem Film zu entfernen. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte sie, sie habe schon mit 13 Jahren gespürt, dass das Geschehen nicht in Ordnung gewesen sei.

Ihr Anwalt Christian Schertz erklärte, Wenders habe ein persönliches Gespräch mit Kinski über die Szene seit Jahren verweigert. Vor der aktuellen Mitteilung des Regisseurs habe man deshalb bereits den Übergang zu formalen juristischen Schritten angekündigt.

Schertz begrüßte Wenders‘ jetzige Entscheidung, nannte sie aber zugleich längst überfällig. Er kritisierte, dass dieser Schritt erst unter öffentlichem Druck erfolgt sei. Zudem warf er Wenders vor, bei seiner Rede auf dem Deutschen Filmpreis zunächst versucht zu haben, Verantwortung abzugeben und Kinskis Anliegen indirekt als Zensur darzustellen.

Debatte reicht über den Einzelfall hinaus

Wenders hatte beim Deutschen Filmpreis gesagt, er würde die Szene heute nicht mehr so drehen. Zugleich stellte er die grundsätzliche Frage, wie mit dem Filmerbe umzugehen sei: ob und unter welchen Bedingungen ein Film nachträglich gekürzt oder verändert werden könne, wenn eine Schauspielerin unter einer Szene leide.

Gerade diese Frage hat inzwischen weit über den konkreten Fall hinaus eine Debatte in der Filmbranche und in der Öffentlichkeit ausgelöst. Die Filmakademie will dafür im Herbst einen eigenen Rahmen schaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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