Gitte Hænning wird 80 – und denkt noch lange nicht ans Aufhören
Mit dem Schlager „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ gelang Gitte Hænning 1963 in Deutschland der große Durchbruch. Der Song machte die damals noch jugendliche Sängerin zum Star und führte sie bis an die Spitze der Charts. An diesem Montag (29. Juni) feiert die Dänin ihren 80. Geburtstag – und schaut dabei weiterhin nach vorn, inklusive eines Jubiläumsprogramms.
Seit mehr als 70 Jahren auf der Bühne
Hænnings Karriere begann außergewöhnlich früh. Bereits als Achtjährige stand sie in Dänemark zusammen mit ihrem Vater, dem Liedermacher Otto Johansson, auf der Bühne. Nach ihren Anfängen als Kinderstar etablierte sie sich später im Schlager und wurde in den 1960er Jahren auch durch Duette mit Rex Gildo bekannt. Gemeinsam begeisterten sie das Publikum mit Liedern wie „Vorm Stadtpark die Laternen“ – privat waren die beiden jedoch kein Paar.
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte Hænning zu ihrem runden Geburtstag, sie sei wohl ein Typ Frau, in den Männer sich verlieben könnten. Auch das deutsche Publikum gewann schnell eine besondere Sympathie für die Sängerin mit ihrem markanten dänischen Akzent. 1973 vertrat sie Deutschland beim Eurovision Song Contest in Luxemburg und erreichte mit „Junger Tag“ den achten Platz.
Immer wieder neu erfunden
Stillstand war für Hænning nie eine Option. Über die Jahrzehnte wechselte sie vom Schlager zu Pop und Jazz, stand als Musicaldarstellerin auf der Bühne und war auch als Schauspielerin tätig. In Berlin, ihrer Wahlheimat, wirkte sie etwa in „Shakespeare & Rock’n’Roll“ mit. Nach der Jahrtausendwende feierte sie zudem mit der Show „Gitte, Wencke, Siw“ zusammen mit Wencke Myhre und Siw Malmkvist große Erfolge.

Höhen, Tiefen – und kein Gedanke an Ruhestand
Rückblickend spricht Hænning offen darüber, dass ihre lange Laufbahn nicht nur Erfolge gebracht habe. Doch genau das gehöre für sie dazu. „Man kann nicht immer erste Klasse fliegen“, sagte sie der dpa. Trotz zahlreicher Termine und Proben wirkt sie weiterhin energiegeladen und zugewandt. Ihr Leben beschreibt sie als Entdeckungsreise.
An einen Rückzug aus dem Berufsleben denkt sie nicht. Schon vor einigen Jahren hatte sie betont, dass Arbeit etwas Schönes sei und ihr zudem guttue – eine Haltung, die sie sich bis heute bewahrt hat.
Die Liebe als zentrale Kraft
Besonders wichtig sei ihr immer die Liebe gewesen, sagte Hænning. Der Wunsch, Menschen und das Leben wirklich zu erfahren, habe sie über all die Jahre geprägt. Genau das müsse sich auch in ihrer Musik zeigen: Wenn sie arbeite, wolle sie dabei etwas fühlen.
Bei den Proben zu ihrem Jubiläumsprogramm wird genau das deutlich. Hænning singt mal sanft, mal kraftvoll, aber stets mit großer Emotionalität. Zwischen den Liedern richtet sie eine Botschaft ans Publikum: „Wir sind stark. Was wir nicht sind, können wir noch werden.“
Glückwünsche vom Bundespräsidenten
Zu Hænnings 80. Geburtstag gratulierte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Laut Mitteilung schrieb er, ihre Musik begleite ihn nahezu sein ganzes Leben. Zugleich hob er hervor, dass sie bei allen Erfolgen im Schlager, in der Popmusik und im Musical einem Genre immer treu geblieben sei: dem Jazz.
Steinmeier erinnerte außerdem daran, dass Hænning bereits Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland zog. Aus seiner Sicht sei das nicht nur ein wichtiger Schritt für ihre Karriere gewesen, sondern auch ein mutiges Zeichen der Annäherung und Verständigung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber