Lena Schätte gewinnt Ingeborg-Bachmann-Preis und Publikumspreis in Klagenfurt
Die Autorin Lena Schätte hat das 50. Wettlesen um den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gewonnen. Das gab die Jury am Sonntag bekannt. Die 32-jährige Schriftstellerin aus Nordrhein-Westfalen setzte sich bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur gegen 13 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch.
Der Hauptpreis der Stadt Klagenfurt ist mit 30.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet wurde Schätte für ihren Text „Was wir tragen“, in dem sie sensibel und schonungslos von zwei übergewichtigen Freundinnen erzählt, die sich als soziale Außenseiterinnen durch den Hauptschulalltag schlagen. Neben dem Hauptpreis erhielt sie auch den Publikumspreis, der mit einem Schreibstipendium verbunden ist.
„Es ist ein Fiebertraum“
Juror Thomas Strässle würdigte den Text in seiner Laudatio als Werk von „existenzieller Wucht“. Schätte erzähle von Ausgrenzung weder anklagend noch belehrend, sondern mit einer Sprache, „die in ihrer Schönheit und Schlichtheit unübertrefflich ist“, sagte der Literaturwissenschaftler. Er nannte den Text „wichtig und gewichtig“ sowie literarisch bedeutend. Auch in der live übertragenen Jurydiskussion bei 3sat hatte Schättes Beitrag große Zustimmung gefunden.
Die Autorin selbst reagierte überwältigt auf ihren Erfolg. „Es ist ein Fiebertraum“, sagte sie nach der Preisvergabe. Später betonte sie, wie wichtig ihr die Aufmerksamkeit für das Thema sei: Viele übergewichtige Menschen seien von der Gesellschaft betroffen und zugleich übersehen, obwohl sie doch sichtbar seien.
Im vergangenen Jahr stand Schätte mit ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Sie stammt aus Lüdenscheid und lebt in Altena. Bevor sie 2020 ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig begann, arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester.
Die weiteren Preise
Der mit 15.000 Euro dotierte Kelag-Preis ging an die ungarische Poetin und Performancekünstlerin Kinga Toth. Sie wurde für ihren Text „OstblockMädl“ ausgezeichnet, in dem sie sich mit Arbeitsmigrantinnen, Macht und Identität auseinandersetzt.
Den 3sat-Preis in Höhe von 7.500 Euro erhielt die österreichische Theaterautorin Magdalena Schrefel für „Kirschen, Herz mit Verband“. Darin ringt eine Ich-Erzählerin damit, über ihre Brustkrebserkrankung zu sprechen.
Der Deutschlandfunk-Preis über 12.500 Euro ging an Ozan Zakariya Keskinkilic. In seinem Text „Vater ohne Sohn“ schildert der deutsche Autor und Politikwissenschaftler die komplizierte Beziehungswelt eines schwulen Mannes, der seinem Sohn deutlich weniger Aufmerksamkeit widmet als seinem jungen Liebhaber.
Angst vor der Jury
Insgesamt traten 14 Literaturtalente in Klagenfurt an. Über mehrere Tage lasen sie ihre Texte vor und stellten sich anschließend der öffentlichen Analyse durch die Jury. Schätte sagte im 3sat-Interview, sie habe ursprünglich großen Respekt vor dieser Situation gehabt. Sie habe sich „aufs Schlimmste vorbereitet“, erklärte sie – doch dazu sei es nicht gekommen.
Wettlesen mit langer Tradition
Das mehrtägige Wettlesen wird seit 1977 veranstaltet. Zu den früheren Gewinnerinnen und Gewinnern des Hauptpreises zählen unter anderem Sten Nadolny, Sibylle Lewitscharoff, Uwe Tellkamp und Helga Schubert. Schubert, die den Wettbewerb 2020 im Alter von 80 Jahren gewann, hielt in diesem Jahr die Eröffnungsrede. Kurz vor Beginn des 50. Wettlesens sagte sie der dpa, der Bachmann-Preis bedeute eine fundamentale Veränderung für die berufliche Laufbahn.
Der Preis erinnert an die österreichische Lyrikerin und Prosaautorin Ingeborg Bachmann, die am 25. Juni 100 Jahre alt geworden wäre. Mit Werken wie „Die gestundete Zeit“ und „Malina“ gilt sie als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.
Quelle: dpa/bearbeitet
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber