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Caroline Wahl: «Beim Schreiben wurde ich richtig dreist»

Ihre neue Figur ist eine Hochstaplerin – und zog Caroline Wahl mit: Roman kommt Ende August, Tickets für die Tour sind da.

29.05.2026, 06:07 Uhr

Caroline Wahl: Neue Romanfigur machte die Autorin nach eigener Aussage mutiger

Bestsellerautorin Caroline Wahl hat beim Schreiben ihres neuen Romans nach eigenen Angaben selbst etwas von ihrer Hauptfigur übernommen: deren Unverfrorenheit. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte die Schriftstellerin, sie sei während der Arbeit an dem Buch "parallel auch dreister" geworden. Das Spiel mit der Kühnheit ihrer Protagonistin und das Hineinfinden in deren Rolle habe sich auch auf ihren Alltag ausgewirkt.

Neuer Roman erscheint Ende August

Wahls neues Buch „1999 Meter über dem Meer“ kommt am 28. August im Rowohlt Verlag heraus. Im Zentrum steht Samara, eine junge Frau, die nach dem Studium nach Berlin zieht, sich dort aber fremd fühlt und spontan in die Berge weiterreist. In St. Moritz beginnt die frühere Vorzeigeschülerin, zu tricksen, zu lügen und schließlich in andere Identitäten zu schlüpfen. Für Wahl ist klar: Es ist die Geschichte einer Hochstaplerin.

Anregungen holte sich die 30-Jährige unter anderem bei Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“ und Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Sie habe diese Figuren faszinierend gefunden, weil sie irgendwann beschließen, sich nicht länger an Regeln zu halten, ohne Schuldgefühle andere täuschen und damit Erfolg haben.

Neben dem Thema Täuschung gehe es in dem Roman auch stark um Freiheit, erklärte Wahl. Gerade dieser Wunsch nach Freiheit beschäftige sie selbst ebenfalls, auch wegen ihres Berufs. Als Selbstständige verfüge sie zwar über ein Höchstmaß an Unabhängigkeit, doch genau das könne auch Angst auslösen.

Lesereise startet in Berlin

Ihr viertes Buch wird Wahl auf einer Lesetour vorstellen. Los geht es am Erscheinungstag in Berlin, anschließend liest sie am 5. September in Kiel, ihrer Wahlheimat. Bis Ende November stehen Termine in zahlreichen Städten in ganz Deutschland auf dem Programm. Der Vorverkauf läuft bereits.

Begegnungen mit ihrem Publikum seien für sie immer wieder überwältigend, sagte die Autorin. Besonders bewegend sei es, wenn Leserinnen und Leser nach den Veranstaltungen zum Signieren kämen und erzählten, was ihnen ihre Figuren bedeutet hätten. Darüber freue sie sich sehr.

Auch wenn solche Reisen kräftezehrend seien, wolle sie sie nicht missen. Für sie gehöre das einfach dazu. Schreiben sei eine eher zurückgezogene, introvertierte Arbeit, bei der sie viel allein sei. Umso mehr genieße sie es, auf der Bühne zu stehen. Zudem lerne sie auf diese Weise Städte, Menschen und verschiedene Regionen Deutschlands kennen.

Hörbuch diesmal nicht selbst gelesen

Anders als früher möchte Wahl ihr neues Buch nicht selbst als Hörbuch einsprechen. Die von ihr gelesene Fassung von „Die Assistentin“ sei sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Deshalb wolle sie diese Aufgabe nun lieber einer professionellen Sprecherin überlassen.

Nach Kritik im Netz heute gelassener

Obwohl Wahls Bücher über Monate die Bestsellerlisten anführten und ein großes Publikum fanden, musste sie nach ihrem jüngsten Roman auch viel Kritik und Spott aushalten. In den sozialen Netzwerken schlug ihr ein Shitstorm entgegen. Anfangs sei das belastend gewesen und habe wehgetan, sagte sie. Zudem habe sie zunächst kaum gewusst, wie sie darauf reagieren solle.

Mit etwas Abstand blickt die Autorin dennoch positiv auf diese Erfahrung zurück. Sie fühle sich dadurch heute freier und sicherer, weil sie erkannt habe, dass sich ohnehin nicht kontrollieren lasse, was im Netz plötzlich entstehen könne. Viele Dynamiken in sozialen Medien seien derart unberechenbar, dass man am Ende nur auf den eigenen moralischen Kompass vertrauen könne. Entscheidend sei für sie deshalb vor allem, anständig zu handeln und ein guter Mensch zu bleiben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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