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Cannes lockt mit Stars – doch Hollywood fehlt

Cannes lockt wieder mit Glamour und Stars – doch ausgerechnet Hollywood bleibt fern. Warum selbst Travolta & Sandra Hüller das nicht ändern

11.05.2026, 05:37 Uhr

Cannes startet mit viel Prominenz – und einer späten Wettbewerbs-Ergänzung

Dass das Krimidrama „Paper Tiger“ mit Scarlett Johansson, Adam Driver und Miles Teller in Cannes zu sehen sein würde, galt lange als wahrscheinlich. Erst später wurde jedoch offiziell bestätigt, dass der Film sogar noch in den Wettbewerb um die Goldene Palme aufgenommen wurde. Damit gehört er zum wohl prominentesten Beitrag im Rennen des Festivals, das vom 12. bis 23. Mai stattfindet.

Zum Auftakt des Filmfests an der Côte d’Azur setzt Cannes erneut stark auf bekannte Namen. Auf der Gästeliste und in den Filmen finden sich unter anderem Penélope Cruz, Glenn Close, Brendan Fraser, Bill Murray, Dustin Hoffman, Rami Malek und Sandra Hüller. Auch John Travolta ist vertreten – mit seiner ersten Regiearbeit. Zudem sollen Barbra Streisand und Peter Jackson mit einer Ehrenpalme ausgezeichnet werden.

Viel Glanz, aber auffällig wenige große US-Studios

Trotz des Staraufgebots ist in diesem Jahr auffällig, dass sich die großen Hollywood-Studios in Cannes eher zurückhalten. Im Wettbewerb sind zwar zwei Regisseure aus den USA vertreten, beide aber eher aus dem Arthouse- und Independentbereich: James Gray mit „Paper Tiger“ sowie Ira Sachs mit „The Man I Love“, in dem Oscarpreisträger Rami Malek mitspielt.

Große Studioproduktionen fehlen dagegen weitgehend. Ein Beispiel ist „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ mit Tom Cruise, der 2025 zwar in Cannes gezeigt wurde, allerdings außerhalb des Wettbewerbs.

Festivalchef Thierry Frémaux begründet die Zurückhaltung mit der schwierigen Lage in der US-Filmbranche. Gegenüber Screen Daily verwies er auf die Nachwirkungen der Pandemie, die Streiks in Hollywood, die Brände in Los Angeles, politische Unsicherheit und laufende Übernahmen in der Studio-Landschaft. Unter solchen Bedingungen, so Frémaux, fehle vielen Verantwortlichen die nötige Ruhe für weitreichende Entscheidungen und teure Filmproduktionen.

Scarlett Johansson
Scarlett Johansson ist im Film «Paper Tiger» zu sehen. (Archivbild) Quelle: Annette Riedl/dpa

Autorenkino aus aller Welt rückt stärker in den Fokus

Auch ohne die großen Studios bleibt Cannes ein Magnet für internationale Stars. So wird Sebastian Stan gemeinsam mit Renate Reinsve im Drama „Fjord“ des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu erwartet. In „Diamond“ von Andy Garcia stehen Brendan Fraser, Bill Murray, Dustin Hoffman und Vicky Krieps vor der Kamera. Für Quentin Dupieux’ Komödie „Full Phil“ werden Kristen Stewart und Woody Harrelson angekündigt.

Die diesjährige Auswahl zeigt zugleich, wie wichtig das internationale Autorenkino inzwischen geworden ist. Cannes hat sich damit in den vergangenen Jahren als besonders treffsicher erwiesen. Bei den jüngsten Oscars liefen vier der fünf nominierten Filme in der Kategorie Bester internationaler Film zuvor an der Croisette – darunter auch der spätere Gewinner „Sentimental Value“. Frühere Cannes-Erfolge wie „Parasite“ und „Anora“ wurden sogar bei den Oscars als Bester Film ausgezeichnet.

Große Regienamen im Wettbewerb

Im Wettbewerb treten erneut mehrere renommierte Filmemacher gegeneinander an. Der iranische Regisseur Asghar Farhadi kehrt mit „Parallel Tales“, das in Paris entstand, nach Cannes zurück. Auch Pedro Almodóvar ist mit seinem neuen Werk „Bitter Christmas“ vertreten.

Der japanische Regisseur Hirokazu Koreeda, der 2018 mit „Shoplifters“ die Goldene Palme gewann, präsentiert „Sheep in the Box“. Der Film erzählt von einem Paar, das einen humanoiden Roboter wie ein eigenes Kind erzieht.

Über die Vergabe der Goldenen Palme entscheidet in diesem Jahr eine Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook. Ebenfalls in der Jury sitzen unter anderem Demi Moore und Stellan Skarsgård.

Deutsche Filmschaffende mit mehreren Beiträgen vertreten

Auch aus Deutschland gibt es Hoffnungen auf eine Auszeichnung. Die Regisseurin Valeska Grisebach ist mit „Das geträumte Abenteuer“ im Wettbewerb vertreten. Der Film spielt im Grenzgebiet zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei und erzählt von einer Frau, die sich auf einen fragwürdigen Handel einlässt, um einem alten Freund zu helfen.

Darüber hinaus sind weitere deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler in Cannes präsent. Sandra Hüller übernimmt in Pawel Pawlikowskis Kalter-Krieg-Drama „Vaterland“ die Rolle von Erika Mann, der Tochter von Thomas Mann. Jella Haase ist in „Gentle Monster“ von Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux und Catherine Deneuve zu sehen.

Besonders stark vertreten ist Lars Eidinger: Im Wettbewerbsfilm „Moulin“ von László Nemes spielt er den Gestapo-Funktionär Klaus Barbie. Außerdem gehört er zur Besetzung von „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, dem neuen Film von Volker Schlöndorff nach dem Roman von Jenny Erpenbeck. Dieser läuft in der Sektion „Cannes Première“.

Ebenfalls dort stellt John Travolta sein Regiedebüt „Propeller One-Way Night Coach“ vor – einen Film, der von seiner Begeisterung für die Fliegerei inspiriert ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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