Nach Monaten mit Ersatzbussen statt Zügen ist die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg zum Start der bayerischen Sommerferien wieder in Betrieb. Damit fahren auf der wichtigen Verbindung erstmals seit Februar wieder regulär Züge. Die Bilanz der ersten Korridorsanierung in Bayern fällt jedoch gemischt aus: Vieles wurde modernisiert, die Sperrung dauerte aber länger als geplant.
Kosten wohl niedriger als zunächst erwartet
Die Modernisierung könnte am Ende sogar günstiger werden als zunächst befürchtet. Nach Angaben der DB InfraGO wurde die frühere Kostenprognose von rund 1,4 Milliarden Euro um einen dreistelligen Millionenbetrag nach unten korrigiert. Eine neue Gesamtsumme nannte die Bahn allerdings nicht.
Wie teuer das Projekt am Ende tatsächlich wird, soll erst feststehen, wenn sämtliche Abrechnungen geprüft und mögliche Nachforderungen abgeschlossen sind. Während der Arbeiten wurden laut Bahn zudem mehr Anlagen erneuert als ursprünglich vorgesehen, weil bei weiteren Kontrollen zusätzlicher Sanierungsbedarf entdeckt wurde.
Warum die Strecke monatelang gesperrt war
Die Verbindung gehört zu den am stärksten genutzten Strecken in Bayern. Viele Teile der Infrastruktur waren so stark veraltet, dass einzelne Baustellen über Jahre hinweg aus Sicht der Bahn nicht ausgereicht hätten. Deshalb setzte der Konzern auf eine umfassende Korridorsanierung statt auf viele kleine Einzelmaßnahmen.
Solche Projekte wurden zunächst als Generalsanierungen bezeichnet. Später sprach die Bahn von Korridorsanierungen, weil dabei nicht die komplette Infrastruktur erneuert wird. Das gilt auch für die Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg. Die erste Sanierung dieser Art in Deutschland war 2024 die Verbindung Mannheim–Frankfurt.
Drei Wochen Verzögerung kurz vor der Wiedereröffnung
Ursprünglich sollte die Strecke schon am 10. Juli wieder freigegeben werden. Die Bahn verschob den Termin jedoch kurzfristig um rund drei Wochen. Als Grund nannte sie eine länger als geplant dauernde sicherheitstechnische Prüfung neuer Stellwerkstechnik.
Besonders kritisch: Öffentlich machte die Bahn die Verlängerung der Sperrung erst drei Tage vor dem ursprünglich geplanten Freigabetermin. Seit Montag fuhren zunächst wieder einzelne S-Bahnen zwischen Nürnberg und Neumarkt in der Oberpfalz. Nun läuft der Zugverkehr auf der gesamten Strecke wieder regulär an.
Einige Restarbeiten wie Rückbauten und der Abbau von Baustelleneinrichtungen stehen zwar noch aus, den laufenden Zugverkehr sollen sie aber nicht beeinträchtigen.
Ersatzbusse: Anfangs Probleme, später sehr pünktlich
Während der Sperrung waren Reisende auf einen großen Ersatzverkehr angewiesen. Nach Bahnangaben gab es zu Beginn Schwierigkeiten, zudem mussten einige Verbindungen nachjustiert werden. Später seien mehr als 90 Busse auf acht Linien aber weitgehend zuverlässig unterwegs gewesen.
Zum Schluss meldete die Bahn für den Ersatzverkehr eine Pünktlichkeitsquote von rund 96 Prozent – nach eigenen Angaben höher als bei vielen Regionalzuglinien.
Für den Güterverkehr war die Sperrung deutlich problematischer. Güterzüge konnten nicht auf Busse ausweichen und mussten umgeleitet werden, was längere Fahrzeiten bedeutete. Der Verband Die Güterbahnen sprach zwar nicht von einer „ganz großen Katastrophe“, verwies aber auch auf von vornherein niedrige Erwartungen und forderte Verbesserungen etwa bei Umleitungskapazitäten und der Kommunikation.
Was auf der Strecke erneuert wurde
Nach Bahnangaben wurden unter anderem mehr als 100 Kilometer Gleise und Oberleitungen, 1.300 Masten, 74 Weichen, 20 Bahnhöfe, eine Brücke, Bahndämme, Signale sowie die Technik in acht Stellwerken erneuert. Zeitweise waren demnach täglich bis zu 2.000 Menschen auf der Baustelle im Einsatz.
Trotz des großen Umfangs ist die Modernisierung noch nicht vollständig abgeschlossen. Drei zusätzliche Überholgleise sollen erst später gebaut werden, damit schnellere Züge langsamere überholen können. Dafür sind eigene Planungsverfahren nötig.
Auch die Einführung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS wurde nicht im Zuge dieser Sanierung umgesetzt. Sie soll bis 2030 erfolgen. Das gilt als besonders wichtig, weil die Strecke Teil der europäischen Güterverkehrsachse Rhein-Donau ist.
Ob Fahrgäste nun dauerhaft profitieren, muss sich erst zeigen
Viele Verspätungen und Ausfälle auf der Route hingen zuletzt mit der überalterten Infrastruktur zusammen. Ob der Verkehr dort nun spürbar stabiler läuft, wird sich aber erst im Alltag zeigen.
Die Bahn selbst weist darauf hin, dass sich trotz intensiver Prüfungen manche Mängel oder verdeckte Fehler erst im Realbetrieb unter Belastung zeigen könnten. Entlang der Strecke seien Fachteams unterwegs, um mögliche Störungen schnell zu beseitigen.
Zudem könnten auch die noch ausstehenden Arbeiten in den kommenden Monaten und Jahren erneut Einschränkungen mit sich bringen.
Bedeutung für weitere Sanierungen in Bayern
Die Strecke Nürnberg–Regensburg war die erste von sieben Korridorsanierungen im Freistaat. Bereits bis Mitte Dezember ist die Verbindung zwischen Obertraubling im Landkreis Regensburg und Passau komplett gesperrt. Im kommenden Jahr soll die Strecke Rosenheim–Salzburg folgen. Ab 2028 sind die Abschnitte München–Rosenheim, Würzburg–Treuchtlingen, Würzburg–Nürnberg sowie Ulm–Augsburg vorgesehen.
Wie belastbar diese Zeitpläne sind, bleibt nach der jüngsten Verzögerung offen. Die Bahn betont, aus den Problemen Erkenntnisse ziehen zu wollen. Konkrete Schlüsse nannte sie zunächst nicht. Nach ihren Angaben wird gemeinsam mit dem Bund überprüft, wie solche Korridorsanierungen umgesetzt werden – nicht ob sie stattfinden. Die Ergebnisse sollen anschließend transparent vorgestellt werden.
Der Fahrgastverband Pro Bahn drängt ebenfalls auf Konsequenzen. Verzögerungen bei der Abnahme der Leit- und Sicherungstechnik wiederholten sich „bei jeder Generalsanierung“, kritisierte Bundesvorsitzender Lukas Iffländer. Aus seiner Sicht braucht es deutlich mehr Prüfexpertinnen und -experten – bei Herstellern, bei der Bahn selbst und in Planungsbüros.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber