Seit 1986 hat sich die Welt grundlegend gewandelt: Deutschland ist wiedervereinigt, das Internet prägt den Alltag, und Schallplatten sind längst zum Liebhaberstück geworden. Eine Konstante blieb jedoch bestehen: der ZDF-Fernsehgarten. Die traditionsreiche Unterhaltungssendung, von manchen geliebt und von anderen kritisch beäugt, feiert nun ihr 40-jähriges Bestehen.
Die erste Ausgabe lief am 29. Juni 1986 über die Bildschirme. Nun startet die Show in eine neue Saison. Nach ZDF-Angaben kamen in vier Jahrzehnten mehr als 1.300 Stunden Live-Fernsehen zusammen. Pro Saison verfolgen rund 100.000 Menschen die Sendung direkt vor Ort, bei jeder Ausgabe sind etwa 5.000 bis 6.000 Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Gelände dabei.
Von Ilona Christen bis Andrea Kiewel
In den Anfangsjahren bis 1992 prägte Ilona Christen das Format. Die Moderatorin, die 2009 mit nur 58 Jahren starb, fiel durch spektakuläre Aktionen auf: Sie landete per Fallschirm auf dem Gelände, flog Hubschrauber-Loopings oder moderierte sogar auf dem Hochseil. Danach übernahm Ramona Leiß. Der bislang einzige männliche Gastgeber war Ernst-Marcus Thomas, der 2008 für eine Saison durch die Sendung führte.
Damals trat er im Quotenduell gegen Stefan Mross an, der in der ARD mit "Immer wieder sonntags" Volksmusik und Schlager präsentierte. Während die ARD-Show, produziert auf einer Freiluftbühne im Europa-Park Rust, 2026 mit Mross in ihre letzte Saison geht, ist beim Fernsehgarten ein Abschied bislang nicht in Sicht.

Besonders eng ist die Sendung mit Andrea Kiewel verbunden. Sie moderierte zunächst von 2000 bis 2007 und steht seit 2009 wieder ohne Unterbrechung vor der Kamera. Damit beginnt sie nun ihre 26. Saison. Noch länger dabei ist Fernsehkoch Armin Roßmeier, der seit der ersten Sendung zum Team gehört. Die meisten Auftritte verbucht allerdings Sänger Bernhard Brink mit beeindruckenden 41 Besuchen.
Kiewel: "Es ist wie Magie"
Warum der Fernsehgarten seit Jahrzehnten funktioniert, kann Andrea Kiewel selbst nur schwer erklären. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, ihre Zuneigung zur Sendung lasse sich nicht einfach in Worte fassen. Für sie sei es "wie Magie". Das Format und sie passten gut zusammen, weil beides nur begrenzt planbar sei und manchmal auch aus dem Ruder laufe. Für Kiewel ist der Fernsehgarten sonnig, fröhlich und wild.
Zum Konzept gehört, zwei Stunden lang gute Laune und Unbeschwertheit zu vermitteln – auch in schwierigen Zeiten. Sogar während der Corona-Pandemie lief die Show weiter, wenn auch 2020 zeitweise ohne Publikum.
Rund um das TV-Spektakel werden Geburtstage gefeiert und Junggesellenabschiede begangen. Vielleicht erklärt gerade das, warum die Sendung trotz teils heftiger Debatten in sozialen Netzwerken seit Jahren ein generationenübergreifendes Publikum anspricht.
Der TV-Experte Christian Richter beschrieb den Fernsehgarten einst als Ausdruck eines Lebensgefühls nach dem Motto "Na wenn schon!". Die Sendung inszeniere sich als "zum Leben erweckter Mainstream" und greife Themen, Trends und Musik auf, die eher auf dem Jahrmarkt als im Feuilleton zu Hause seien. Gerade darin lägen ihre Ehrlichkeit und Schlichtheit. ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke verbindet mit dem Format vor allem Lebensfreude, Musik, Unterhaltung und emotionale Augenblicke – und betont, dass es seit vier Jahrzehnten Generationen zusammenbringe.
Zwischen Extremen, Rekorden und Pannen
Immer wieder sorgte der Fernsehgarten mit ungewöhnlichen Aktionen für Aufmerksamkeit: So trafen sich dort einmal mehr als 100 Zwillingspaare, Sänger Joey Kelly lief 24 Stunden lang auf einem Laufband, für den guten Zweck wurde stundenlang gerutscht, und sogar eine Live-Schalte zur ISS gehörte zum Programm.
Im Juni 2025 wirkte sich auch die Weltpolitik direkt auf die Produktion aus. Andrea Kiewel, die in Tel Aviv lebt, konnte wegen des gesperrten Luftraums über Israel nicht nach Mainz reisen. Deshalb sprangen Joachim Llambi und Lutz van der Horst als Vertretung ein.
Auch das Wetter machte der Show mehrfach zu schaffen. Zwei Mal musste der Fernsehgarten bereits wegen Unwettern abgebrochen werden. Im Juli des vergangenen Jahres wurde das Gelände schon nach rund 15 Minuten wegen eines Gewitters geräumt. Betroffen war ausgerechnet die beliebte Mallorca-Ausgabe, in der sonst Stars von der Ferieninsel mit Party-Hits für Stimmung sorgen. Kiewel, die damals gemeinsam mit Rudi Cerne moderierte, sprach von einem regelrechten Fluch über dieser Spezialfolge. Schon 2019 hatte schlechtes Wetter eine solche Ausgabe ins Studio gezwungen.
Selfies statt Autogrammkarten
Kiewel erinnerte sich daran, wie leid ihr der Abbruch der Mallorca-Sendungen für das Publikum getan habe. Gleichzeitig seien daraus einige der stärksten Live-Momente entstanden. Improvisation und Spontaneität hätten diese Ausgaben unvergesslich gemacht. Hinter den Kulissen sei selten so viel gerannt worden – und das mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
Überhaupt habe sich beim Fernsehgarten in den vergangenen Jahrzehnten fast alles verändert, sagt die Moderatorin. Autogrammkarten schreibe sie heute kaum noch, stattdessen wollten die meisten Menschen Selfies. Zugleich sei die Sendung mutiger geworden. Streamingdienste und soziale Netzwerke hätten die Grenzen dessen verschoben, was im Fernsehen möglich sei. Davon profitiere natürlich auch der Fernsehgarten.
Schon vor dem Start der Jubiläumssaison kündigte Kiewel in den sozialen Medien einen "mega durchgeknallten, verrückten Sommer" an. Dazu gehört im August sogar eine "Xmas Party" – also eine Weihnachtsfeier mitten im Hochsommer.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion