Sport

Nach Evenepoel-Zoff um Lipowitz: Team greift ein

Schon nach sechs Tour-Tagen knallt es zwischen Evenepoel und Lipowitz. Ist der Streit wirklich vorbei – oder droht der nächste Eklat?

10.07.2026, 11:34 Uhr

Red Bull-Team legt Streit zwischen Evenepoel und Lipowitz schnell ad acta

Am Tag nach dem ersten öffentlichen Zwist zwischen Remco Evenepoel und Florian Lipowitz war beim Tour-de-France-Team von Red Bull-Bora-hansgrohe von Unruhe kaum noch etwas zu merken. Vor dem Hotel bereitete sich die Mannschaft in entspannter Atmosphäre auf die Weiterfahrt zur nächsten Etappe mit Ziel in Bordeaux vor. Auch Jai Hindley bewegte sich gelassen über das Gelände der Unterkunft, in der ebenfalls das Team von Tour-Spitzenreiter Tadej Pogacar untergebracht war.

Teammanager Ralph Denk bemühte sich, den Vorfall nicht überzubewerten. Im Podcast „Inside Red Bull-Bora-Hansgrohe“ erklärte er, die Angelegenheit sei intern bereits geklärt. Nach seinen Worten hätten die beiden Fahrer miteinander gesprochen, zusammen gegessen und sogar wieder gelacht. Auch aus dem Umfeld des Teams ist zu hören, dass der Disput inzwischen kein großes Thema mehr ist. Evenepoel gilt ohnehin als Fahrer, der direkt nach belastenden Etappen emotional reagiert, sich später jedoch wieder beruhigt.

„Das Thema wird im Moment größer gemacht, als es tatsächlich war“, sagte Denk.

Nach Einschätzung des Teamchefs spielten bei dem Missverständnis auch sprachliche Hürden eine Rolle. Zudem sei die Situation im Eifer des Gefechts nach einer besonders kräftezehrenden Bergetappe über mehr als 180 Kilometer entstanden.

Trotzdem bleibt die Konstellation spannend

Obwohl die Lage derzeit beruhigt wirkt, dürfte das Zusammenspiel der beiden Co-Kapitäne in den kommenden Wochen genau beobachtet werden. Offen ist, wie der eher zurückhaltende Lipowitz mit der direkten und bisweilen fordernden Art Evenepoels umgeht. Ebenso stellt sich die Frage, wie der Belgier reagiert, falls sich in den Alpen der Eindruck verfestigt, dass sein deutscher Teamkollege im Hochgebirge stärker ist.

Tour de France 2026
Der Olympiasieger liegt in der Gesamtwertung vor dem Deutschen. (Archivbild) Quelle: Thibault Camus/AP/dpa

Evenepoel äußerte deutlich seinen Ärger

Auslöser des Streits war die Bergankunft in Gavarnie-Gédre. Dort kritisierte Evenepoel seinen Teamkollegen offen. In belgischen Medien wurde er mit den Worten zitiert, er sei zu Recht verärgert gewesen. Er erinnerte dabei an die Katalonien-Rundfahrt, bei der er Lipowitz lange unterstützt habe. Nun habe er selbst um Hilfe gebeten, diese aber nicht bekommen.

Hintergrund war die Situation auf der sechsten Etappe nach der Abfahrt vom Tourmalet. Evenepoel und Lipowitz befanden sich in einer achtköpfigen Verfolgergruppe hinter Tagessieger Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. Vingegaard schien zeitweise noch erreichbar, am Ende fehlten jedoch 19 Sekunden auf den Dänen. Pogacar hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich abgesetzt.

Nach Beobachtung des Rennverlaufs übernahm Evenepoel in der Gruppe den Großteil der Führungsarbeit. Offenbar hatte er vor allem darauf gehofft, dass Lipowitz ihm im Finale den Sprint um Bonussekunden vorbereitet. Laut dem belgischen Portal „Sporza“ bemängelte Evenepoel genau das: Er habe um einen Lead-out gebeten, diesen aber nicht erhalten.

Lipowitz selbst hatte die Lage unmittelbar nach dem Ziel zunächst deutlich entspannter eingeschätzt. Der 25-Jährige sagte, die Zusammenarbeit mit Evenepoel habe funktioniert, und zeigte sich grundsätzlich optimistisch.

Beide liegen in der Gesamtwertung aussichtsreich

In der Gesamtwertung befinden sich beide Fahrer weiterhin in aussichtsreicher Position. Evenepoel ist Vierter mit 3:30 Minuten Rückstand auf Pogacar. Lipowitz folgt auf Rang sieben und liegt vier Minuten hinter dem Slowenen. Für beide bleibt damit ein Platz auf dem Podium weiterhin realistisch.

Das ungleiche Duo steht vor weiteren Bewährungsproben

Schon vor dem Start der Tour hatte Ralph Denk Bedenken über mögliches Konfliktpotenzial heruntergespielt. Evenepoel reagierte damals allerdings bereits genervt auf Fragen zur Dynamik zwischen ihm und Lipowitz.

Am Tourmalet zeigte sich nun erstmals deutlicher, wie unterschiedlich die Stärken verteilt sein könnten: Lipowitz konnte seinen prominenten Teamkollegen am Berg zunächst distanzieren, bevor Evenepoel die Lücke in der Abfahrt wieder schloss. Das war dennoch ein Hinweis darauf, dass der Deutsche in den ganz schweren Anstiegen derzeit womöglich die besseren Beine hat.

In den nächsten Tagen stehen zunächst keine extremen Bergetappen an. Doch spätestens am französischen Nationalfeiertag könnte das Duo erneut gefordert werden. Auf dem Abschnitt zwischen Aurillac und Le Lioran warten rund 3.800 Höhenmeter sowie zwei Anstiege der ersten Kategorie — eine Strecke, auf der sich das Kräfteverhältnis innerhalb des Teams erneut zeigen dürfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen