Sport

Wimbledon-Coup? Zverev jagt Sinner – «Auf Augenhöhe»

9 Pleiten am Stück gegen Sinner: Platzt Zverev ausgerechnet im ersten Wimbledon-Finale der Mega-Coup?

11.07.2026, 12:40 Uhr

Zverev vor Wimbledon-Finale gegen Sinner: Fokus auf den größten Tag

Alexander Zverev geht ausgeruht in das Wimbledon-Endspiel. Im Idealfall startet der beste deutsche Tennisspieler nach rund zehn Stunden Schlaf in den Tag – nach eigener Aussage für ihn völlig normal. An dieser Routine wollte er auch vor dem Finale am Sonntag in London festhalten, wenn er am späten Nachmittag auf Titelverteidiger Jannik Sinner trifft.

Der French-Open-Champion betont, dass er sich gegen jeden Gegner auf Augenhöhe sieht – auch gegen Sinner. Vor einem Jahr habe der Italiener noch deutlich vor ihm gelegen, sagte Zverev. Doch im Spitzensport könne sich das Kräfteverhältnis schnell verändern.

Historische Chance trotz schwacher Bilanz

Die Zahlen sprechen zunächst gegen den Hamburger: Neun Niederlagen in Serie gegen Sinner, dazu sechs Matches nacheinander ohne Satzgewinn. Dennoch bietet sich Zverev die Chance, Tennis-Geschichte aus deutscher Sicht zu schreiben.

Sollte er die Serie beenden, wäre er der erste deutsche Wimbledon-Sieger bei den Männern seit Michael Stich vor 35 Jahren. Zuletzt hatte mit Boris Becker vor 31 Jahren ein Deutscher ein Wimbledon-Finale erreicht. Für das Endspiel wird sogar Bundeskanzler Friedrich Merz in London erwartet. Boris Becker sprach bereits von einem historischen Tag für Zverev und das deutsche Tennis.

Ein weiterer Erfolg hätte auch darüber hinaus Seltenheitswert: In der Profi-Ära seit 1968 wäre Zverev der erste Spieler, der nach seinem ersten Grand-Slam-Titel direkt beim nächsten Major den zweiten folgen lässt. Das Double aus Paris und Wimbledon in einem Jahr gelang bislang nur sechs Profis.

Wimbledon 2026
Alexander Zverev spielt deutlich offensiver als in der Vergangenheit. Quelle: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Andere Voraussetzungen als in Paris

Beim Finale der French Open hatte Sinner nach klarer Führung gegen Zverev körperlich nachgelassen und das Match noch verloren. Dadurch rückte Zverev in Paris in die Favoritenrolle, hielt dem Druck stand und holte den Titel. Die Ausgangslage in Wimbledon ist jedoch eine andere.

Zwar wirkte Sinner im Viertelfinale gegen Jan-Lennard Struff nicht unantastbar, doch im Halbfinale gegen Novak Djokovic zeigte der Weltranglistenerste wieder seine ganze Klasse. Anders als bei der Hitze in Paris werden in Wimbledon am Finaltag Temperaturen von maximal 29 Grad erwartet.

Sinner erwartet ein völlig anderes Match

Auch Sinner rechnet mit einem besonderen Endspiel. Dieses Finale werde sich deutlich von allen bisherigen Duellen unterscheiden, sagte der Italiener. Dabei hob er vor allem Zverevs Entwicklung seit dem Triumph in Paris hervor. Der Grand-Slam-Sieg habe ihm sichtbar Selbstvertrauen gegeben. Das aktuelle Niveau des Deutschen mache die Aufgabe entsprechend schwierig.

Seit den US Open 2023 ist Zverev kein Sieg mehr gegen Sinner gelungen. Nach dem verlorenen Finale bei den Australian Open 2025 hatte Zverev selbst eingeräumt, Sinner bewege sich derzeit in einer eigenen Liga. Nun treffen beide erstmals auf Rasen aufeinander – einem Belag, auf dem Aufschlag und kurze Ballwechsel eine besonders große Rolle spielen.

Voller Fokus auf das Endspiel

Vor dem Höhepunkt des Turniers schirmt sich Zverev bewusst ab. Wie bei Grand Slams üblich hat er sein Handy ausgeschaltet. Selbst Freundin Sophia Thomalla, die wie schon in Paris nicht vor Ort ist, kann ihn nach eigener Aussage derzeit nicht erreichen. Auch die Freude über den erstmaligen Finaleinzug in Wimbledon hält er im Hintergrund – für ihn zählt ausschließlich das Match.

Wimbledon war für Zverev lange eher ein Ort der Enttäuschungen. Meist war spätestens im Achtelfinale Schluss. 2024 stoppte ihn eine Knieverletzung in starker Form, 2025 schied er nach offen angesprochenen mentalen Problemen bereits in Runde eins aus. Innerhalb eines Jahres hat sich die Lage nun komplett verändert.

Zverev will sich davon jedoch nicht ablenken lassen. Rückblicke auf das vergangene Jahr seien für ihn momentan unwichtig, sagte er. Entscheidend sei nur, im Finale sein bestmögliches Tennis zu zeigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen