Fußball

FIFA-Beben: Top-Funktionär spricht von Erpressung

Die Kritik an FIFA-Chef Infantino eskaliert: Ein asiatischer Top-Funktionär erhebt jetzt einen brisanten Erpressungsvorwurf.

05.08.2026, 05:45 Uhr

Notfallsitzung in Rabat

Inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit gerät FIFA-Präsident Gianni Infantino weiter unter Druck. Nach übereinstimmenden britischen Medienberichten und Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der FIFA-Chef wichtige Mitarbeiter für eine kurzfristige Notfallsitzung in die marokkanische Hauptstadt Rabat beordert. Worum es bei dem Treffen im Detail geht und welche Ergebnisse es bringen soll, war zunächst offen.

Laut BBC sollen unter anderem FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und Finanzchef Thomas Peyer an der Sitzung teilnehmen. Grafström hatte zuletzt in einer internen Mitteilung an die FIFA-Belegschaft von einer „traurigen und tadelnswerten Reihe von Ereignissen“ und einem „Aufruhr“ gesprochen.

Krise nach gescheitertem Vermarktungsplan

Infantino steht derzeit massiv in der Kritik. Auslöser war der inzwischen wieder verworfene Plan, Teile der Vermarktungsrechte an Weltmeisterschaften an Investoren zu verkaufen, um Milliardeneinnahmen zu erzielen. Zwar nahm der FIFA-Präsident die Idee zurück, doch vor allem in Europa formiert sich weiter erheblicher Widerstand gegen ihn.

Die aktuelle Krise könnte sogar das Ende von Infantinos inzwischen zehnjähriger Amtszeit als FIFA-Präsident einläuten. Noch kurz nach dem Ende der WM in den USA, Mexiko und Kanada vor zweieinhalb Wochen schien eine weitere Wiederwahl beim nächsten FIFA-Kongress Mitte März 2027 in Rabat kaum ernsthaft gefährdet.

Rabat rückt in den Mittelpunkt

Rabat spielt in der aktuellen Lage eine besondere Rolle: In der marokkanischen Hauptstadt befindet sich der Afrika-Sitz der FIFA. Zudem soll dort auch der nächste FIFA-Kongress stattfinden. Erst in der vergangenen Woche war Infantino dort öffentlich als Gast von König Mohammed VI. aufgetreten.

Erpressungsvorwürfe aus Jordanien

Nun stehen auch Erpressungsvorwürfe im Raum. Der Präsident des jordanischen Fußballverbands, Prinz Ali bin al-Hussein, erklärte, seinem Verband beziehungsweise den Nationalspielern seien in den vergangenen Monaten FIFA-Gelder vorenthalten worden. Auf der Plattform X schrieb er, ihm sei während der Weltmeisterschaft mündlich signalisiert worden, dass es dem jordanischen Verband sehr helfen würde, wenn er Infantino unterstütze.

Ali bin al-Hussein betonte zugleich, dass er Infantino bislang nicht unterstützt habe und dies auch künftig ganz sicher nicht tun werde. Aus seiner Sicht komme das Vorgehen einer Erpressung gleich. Der jordanische Funktionär machte deutlich, dass sein Verband sich darauf nicht einlassen wolle. Eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen lag auf Anfrage zunächst nicht vor.

Früherer Rivale von Infantino

Prinz Ali bin al-Hussein ist im Weltfußball kein Unbekannter. Bereits 2016 trat er bei der Wahl des FIFA-Präsidenten gegen Infantino an, blieb dabei jedoch chancenlos. Schon 2015 hatte er sich im Rennen um das Amt dem damaligen FIFA-Chef Sepp Blatter geschlagen geben müssen. Zwischen 2011 und 2015 gehörte er als Vizepräsident dem einflussreichen FIFA-Exekutivkomitee an.

Jordanien wartet weiter auf Preisgeld

Konkret wirft Al-Hussein der FIFA vor, ausstehende Gelder an Jordanien nicht überwiesen zu haben. Nach dem zweiten Platz beim FIFA Arab Cup im Dezember 2025 stehe der jordanischen Mannschaft noch ein Preisgeld zu. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um 4,2 Millionen US-Dollar, also umgerechnet gut 3,6 Millionen Euro.

Auf X schrieb der jordanische Verbandschef, dass die Prämie für den Finaleinzug seines Teams bis heute nicht ausgezahlt worden sei. Das sei umso bemerkenswerter, als die FIFA gleichzeitig öffentlich auf ihre Milliardenreserven verweise.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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