Sport

Welthandballer packt über Kollaps aus: «Habe geweint»

Zwei Stimmen im Kopf, Tränen in der Wohnung: Warum Mathias Gidsel heimlich Hilfe brauchte – und was ihn heute antreibt.

15.05.2026, 05:21 Uhr

Mathias Gidsel spricht offen über mentale Krise nach seinem Durchbruch

Handball-Weltstar Mathias Gidsel hat einen seelischen Zusammenbruch vor rund fünf Jahren als entscheidenden Wendepunkt seines Lebens bezeichnet. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schilderte der Spieler der Füchse Berlin, wie belastend der plötzliche öffentliche Druck nach seinem WM-Einstand 2021 für ihn war.

Nach seinem rasanten Aufstieg sei er regelrecht überrollt worden. Plötzlich habe ihn jeder gekannt, viele Menschen wollten etwas von ihm, und er selbst habe kaum Grenzen gesetzt. Eigentlich hätte es die glücklichste Phase seiner Karriere sein sollen, sagte der Olympiasieger. Stattdessen sei er irgendwann zusammengebrochen. Abends habe er sich schon sehr früh ins Bett gelegt, allein in seiner Wohnung gesessen und geweint.

Hilfe erst nach anfänglichem Zögern

Inzwischen nimmt mentale Gesundheit für den Dänen einen festen Platz in seinem Leben ein. Zwar hätten ihm viele schon früh geraten, sich Unterstützung zu holen, doch zunächst habe er geglaubt, alles alleine bewältigen zu können. Erst nach einigen Wochen habe er sich doch für Hilfe entschieden – im Rückblick ein wichtiger Schritt. Heute arbeitet Gidsel mit einem Mentaltrainer zusammen, den er jederzeit kontaktieren kann.

Ein anderer Blick auf Leistung

Mittlerweile habe er, wie er selbst sagt, eine andere Haltung als viele andere Spieler. Für ihn gehe es im Handball vor allem darum, mit Freude auf die Platte zu gehen. Wenn er selbst gut spiele, sei es für Gegner schwer, ihn und seine Mannschaft zu schlagen. Das reine Ergebnis versuche er dabei bewusst nicht in den Mittelpunkt zu stellen.

Am Abend bestreitet Gidsel mit Dänemark um 19.30 Uhr ein Testspiel gegen Deutschland.

Der innere Dialog auf dem Spielfeld

Ein wichtiger Teil seiner mentalen Arbeit ist für Gidsel das Gespräch mit sich selbst. Dabei unterscheidet er zwischen zwei inneren Stimmen: Die eine handelt instinktiv, frei und scheinbar mühelos. Die andere denkt zu viel nach, bewertet jede Situation und lässt sich auch von äußeren Einflüssen verunsichern. Er habe gelernt, diese zweite Stimme besser zu kontrollieren und klein zu halten.

Freude, Aggressivität, Energie

Während eines Spiels überprüfe er regelmäßig, ob bestimmte Grundelemente noch vorhanden seien: Spaß, Aggressivität und Energie. Wenn er merke, dass einer dieser Punkte fehle, müsse er aktiv gegensteuern und etwas verändern, erklärte Gidsel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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