Eine unscheinbare Liste mit 17 Namen hat die Diskussionen in der Ski-Szene neu entfacht: Steht Lindsey Vonn vor einer weiteren Rückkehr in den alpinen Weltcup? Im Kader des US-Teams für die kommende Saison taucht ihr Name jedenfalls auf. Große Rückkehrssignale sendet das zwar noch nicht aus, doch allein die Erwähnung reicht, um neues Interesse zu wecken. Ähnlich verhält es sich mit Marcel Hirscher. Beide Namen erzeugen nach wie vor Aufmerksamkeit – und genau das zeigt, wie sehr der alpine Skisport aktuell nach Strahlkraft sucht.
Vonn und Hirscher gehören zu den prägenden Figuren ihrer Ära: frühere Olympiasieger, Weltcup-Ikonen, inzwischen 41 und 37 Jahre alt. Sobald es Neuigkeiten über sie gibt, wächst das öffentliche Interesse. Für den Weltverband Fis, der zuletzt häufig wegen der Klimabelastung des Sports kritisiert wurde und nur noch wenige absolute Zugpferde im Alpinbereich hat, dürfte das durchaus willkommen sein.
Beide haben den Skisport über Jahre mit Erfolgen und Geschichten bereichert. Die Frage ist nun: Können sie noch einmal für Schlagzeilen auf der Piste sorgen? Bei Hirscher könnte die Antwort schon bald folgen. Der Österreicher, der inzwischen für die Niederlande startet, könnte bereits in gut zwei Wochen beim Auftakt in Sölden wieder an den Start gehen.
Hirschers Wildcard sorgt für Diskussionen
Hirscher selbst zeigte sich zuletzt nach einem Trainingslager in Argentinien optimistisch. Die Bedingungen seien ideal gewesen, und um diese Jahreszeit habe er selten so gut trainiert, ließ er wissen. Auch mit Blick auf Material und Fitness klang er zuversichtlich: Die Entwicklung stimme, das Knie wirke stabil. Seine Einblicke aus Ushuaia legen nahe, dass er mehr im Sinn hat, als lediglich für seine Ausrüstung zu werben.

Bereits 2024 hatte der achtfache Gesamtweltcupsieger nach über fünf Jahren Pause sein Comeback gegeben, ehe ihn ein Kreuzbandriss kurz darauf erneut stoppte. Schon damals wurde lange darüber spekuliert, ob er beim Saisonstart auf dem Rettenbachferner in Sölden antreten würde. Auch diesmal steht für den Routinier wieder eine Wildcard bereit – ein Umstand, der nicht überall auf Begeisterung stößt.
Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbands, sagte im Gespräch mit WEB.de news, dass diese Sonderregelung durchaus kritisch gesehen werde. Viele Athleten fragten sich, warum Hirscher immer wieder eine Ausnahme erhalte. Dank der Wildcard müsse er nicht erst über niedriger eingestufte Rennen den Weg zurück in den Weltcup nehmen. Letztlich, so Maier, liege die Entscheidung aber bei Hirscher selbst – ebenso wie die Verantwortung für das, was er damit bezwecke.
Vonn nach schwerem Olympia-Sturz weiter auf dem Weg zurück
Auch für Lindsey Vonn ist vom Weltverband für die kommende Saison eine Wildcard vorgesehen. Anders als Hirscher verfügt die Amerikanerin grundsätzlich noch über genügend Weltcup-Punkte, um starten zu können. Nach ihrem schweren Sturz bei den Olympischen Spielen im Februar ist der Weg zurück jedoch deutlich länger. Noch im April hatte Vonn erklärt, ein Comeback sei frühestens in der Saison 2027/2028 realistisch. Dass sie nun bereits im US-Kader für diesen Winter auftaucht, dürfte daher vor allem formalen Charakter haben – zumal sie ihr Karriereende bislang nicht offiziell verkündet hat.
Bei den Winterspielen in Cortina d’Ampezzo erlitt Vonn vor acht Monaten einen komplizierten Bruch des linken Schienbeins. Später berichtete sie, dass eine Notoperation sogar eine drohende Amputation verhindert habe. Die 84-malige Weltcup-Siegerin, die 2024 aus dem Ruhestand zurückgekehrt war und vor Olympia starke Leistungen gezeigt hatte, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Im November ist ein weiterer Eingriff geplant, bei dem Schrauben entfernt werden sollen. Außerdem muss auch das Kreuzband behandelt werden. Ein Start im Weltcup in diesem Winter ist daher praktisch ausgeschlossen.
Kurz nach dem dramatischen Unfall hatte ihr Vater Alan Kildow erklärt, dies sei das Ende ihrer Karriere. Solange er mitzureden habe, werde Lindsey Vonn keine Rennen mehr bestreiten, sagte er damals. Doch endgültig entschieden scheint die Sache weiterhin nicht zu sein. Und so reicht schon eine kleine Namensliste aus, um die Spekulationen erneut anzuheizen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber