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Dahlmeier: Diese Erinnerung rührt ganz Deutschland

Ihr letztes Telefonat, ein unerfüllter Traum, eine Kette voller Erinnerungen: So kämpft Maren Hammerschmidt mit Laura Dahlmeiers Tod.

22.07.2026, 09:15 Uhr

Maren Hammerschmidt erinnert an Laura Dahlmeier: Verlust bleibt spürbar

In einer anderen Wirklichkeit hätte Maren Hammerschmidt im vergangenen September gemeinsam mit Laura Dahlmeier lachend am Gipfelkreuz der Zugspitze gestanden. Dieser Plan war längst gefasst. Anfang Juli steigt Hammerschmidt nun über die traditionelle Eisenzeitroute auf Deutschlands höchsten Berg – doch ihre engste Freundin aus Biathlon-Tagen fehlt.

„Es wäre wunderschön gewesen, das mit ihr zu erleben. In ihrer Heimat hätte sie mir jeden Winkel zeigen können“, sagte Hammerschmidt der Deutschen Presse-Agentur.

Vor etwas mehr als einem Jahr hatten die beiden noch am Telefon über die gemeinsame Bergtour gesprochen. In diesem Gespräch berichtete Dahlmeier auch von ihrer bevorstehenden Reise nach Pakistan. Dort wollte sie ihren Sehnsuchtsberg, den Laila Peak, besteigen. Es blieb ihr letztes Telefonat.

„Ich sehe die Situation noch ganz genau vor mir, weil ich abends zu Hause im Garten unterwegs war und gegossen habe“, erzählt Hammerschmidt. Auch ein Jahr nach dem tödlichen Unglück sei der Schmerz über den Verlust noch immer sehr präsent.

„Laura war für mich wie eine unzerstörbare Naturkraft“

Die frühere Biathletin, die heute als Pressesprecherin des deutschen Biathlon-Teams arbeitet, beschreibt ihre Trauer als etwas, das noch immer in Wellen zurückkehrt – auch wenn es langsam leichter werde. Direkt nach dem Tod ihrer Freundin habe sie vieles in sich hineingefressen. Fotos und Videos der gemeinsamen Zeit konnte sie zunächst nicht ansehen, über Dahlmeier sprach sie kaum.

Maren Hammerschmidt (2.vl.) und Laura Dahlmeier (r)
WM-Gold gemeinsam im Team: Maren Hammerschmidt (2.vl.) und Laura Dahlmeier (r). (Archivbild) Quelle: picture alliance / Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

„Das hat mir beim Trauern natürlich nicht geholfen, weil es für mich einfach unfassbar war. Laura war für mich eine Naturgewalt, etwas Unzerstörbares. Ich habe immer gedacht, dass ihr nie etwas passieren würde.“

Doch genau das geschah am 28. Juli 2025. Dahlmeier war mit einer Seilpartnerin am Laila Peak unterwegs – jenem Berg, den sie ursprünglich mit ihrem früheren Lebensgefährten besteigen wollte, der im Januar 2022 bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen war. Wegen schwieriger Wetterverhältnisse brach die zweimalige Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin den Gipfelversuch ab. Beim Abstieg wurde sie auf rund 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag am Kopf getroffen und starb vermutlich sofort. Ihre Begleiterin überlebte.

Letzte Ruhe in den Bergen

Dahlmeier blieb an dem Berg, mit dem sie so eng verbunden war. Ihre Mutter Susi Dahlmeier sagte einmal, es sei „der schönste Friedhof für Laura“ – eins mit dem Herzen der Berge. Zunächst fiel es Hammerschmidt schwer, diesen Gedanken anzunehmen. Inzwischen empfindet sie ähnlich: Wenn es einen Ort gab, an dem Laura Dahlmeier ihre letzte Ruhe gefunden haben könnte, dann in den Bergen.

Für den Ernstfall hatte Dahlmeier vorgesorgt. Als Extremsportlerin hatte sie ein Testament verfasst und sogar ihre Beerdigung geregelt. Trotzdem sprachen die beiden Freundinnen nie konkret über die Möglichkeit, dass auf einer ihrer riskanten Touren etwas passieren könnte – obwohl das angesichts ihrer Leidenschaft naheliegend gewesen wäre.

Viele Fragen bleiben offen

Nach der Trauerfeier am 11. August wurde Hammerschmidt krank. Körper und Psyche reagierten auf das kaum Begreifliche. Hinzu kam das Gefühl, im Alltag zu vieles vertagt zu haben.

„Das hat mich sehr beschäftigt: dass wir uns nicht öfter bewusst Zeit füreinander genommen haben“, sagt sie. „Ich bereue vieles, was wir nicht mehr zusammen gemacht haben. Gespräche, die ich noch mit ihr hätte führen wollen, und Fragen, die offen geblieben sind.“

Seitdem versucht Hammerschmidt, weniger aufzuschieben. Das gelinge nicht immer, sagt sie. Aber sie denke häufiger daran – besonders dann, wenn sie Dinge wagt, die außerhalb ihrer Komfortzone liegen. „Dann denke ich oft: Das hätte Laura gefallen.“

Beginn einer besonderen Freundschaft

Die enge Verbindung zwischen den beiden begann im Dezember 2015 beim Weltcup in Hochfilzen. Damals wurden sie eher zufällig Zimmerkolleginnen. „Wir waren quasi die, die übrig geblieben sind“, erinnert sich Hammerschmidt. Daraus entwickelte sich eine tiefe Freundschaft.

„Wir haben unglaublich viel gelacht, uns fast täglich gegenseitig aufgezogen und einfach wahnsinnig viel Spaß zusammen gehabt.“

Der große Star – ohne Allüren

Dahlmeier, knapp vier Jahre jünger als Hammerschmidt, wurde später zur dominierenden Athletin im Team. Doch trotz all ihrer Erfolge sei sie nie abgehoben.

„Sie hat das nie raushängen lassen. Das habe ich immer sehr an ihr geschätzt. Sie war einfach die Beste.“

Neben den lockeren Momenten hätten die beiden auch über ernste Themen gesprochen. „Laura war immer für mich da und hat mich mit Rat und Tat unterstützt, auch wenn sie ihre eigenen Ziele natürlich konsequent verfolgt hat.“

Rituale und innere Ruhe

Von Dahlmeier übernahm Hammerschmidt auch ein Ritual, das sie bis heute begleitet. Dahlmeier, die sich stark zum Buddhismus hingezogen fühlte und wie ihre Mutter eine spirituelle Seite hatte, reiste häufig mit Palo Santo, also „heiligem Holz“.

„Manchmal hat sie bei uns im Zimmer auch weißen Salbei angezündet, um schlechte Energien zu vertreiben“, erinnert sich Hammerschmidt. Wenn sie heute selbst Palo Santo anzündet, verbinde sie der Geruch sofort mit ihrer Freundin.

Dahlmeier, mit der Hammerschmidt unter anderem WM-Staffelgold gewann, habe fest an inneren Frieden geglaubt und sich ganz bewusst Zeit dafür genommen.

Auch ihre Bergtouren seien für Dahlmeier ein fester Teil dieses Gleichgewichts gewesen – selbst während ihrer aktiven Karriere. „Das war für sie Erholung. Ich fand das immer beeindruckend“, sagt Hammerschmidt.

Als kurz vor den Olympischen Winterspielen 2018 ein enger Freund Dahlmeiers beim Klettern starb, habe sie darüber nachgedacht, ob sie ihre Leidenschaft für die Berge weiterleben könne. Doch schließlich sei ihre Antwort klar gewesen: „Dann wäre ich nicht mehr ich.“ Für Hammerschmidt war das das entscheidende Argument.

Ein Schmuckstück als Erinnerung

Geblieben sind viele gemeinsame Erinnerungen – und ein besonderes Andenken. Susi Dahlmeier, die als Goldschmiedin arbeitet, schenkte Hammerschmidt eine Kette, die sie einst für ihre Tochter gefertigt hatte.

„Diese Kette hat Laura sehr viel bedeutet“, sagt Hammerschmidt. Wenn ihr alles zu viel werde, fasse sie oft den kleinen Buddha an dem Schmuckstück an. „Das gibt mir ein Stück Ruhe und Kraft.“

Der Glaube an ein Wiedersehen

Laura Dahlmeier war überzeugt, dass mit dem Tod nicht alles endet. „Sie glaubte sehr an eine innere Kraft und daran, dass Menschen auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden bleiben können“, sagt Hammerschmidt.

Diesen Gedanken teilt sie inzwischen selbst. Sie glaubt daran, ihre Freundin wiederzusehen. „Ich weiß nicht, wo das sein wird. Aber ich glaube nicht, dass es das Ende ist. Wir haben schließlich noch einige Gespräche nachzuholen.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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