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Drama um Lipowitz: Sturz-Aus, Evenepoel triumphiert

Drama bei der Tour: Lipowitz stürzt im Zeitfahren und muss aufgeben – ausgerechnet Teamkollege Evenepoel triumphiert.

21.07.2026, 17:50 Uhr

Evenepoel gewinnt, Lipowitz muss aufgeben

Remco Evenepoel hat das einzige Einzelzeitfahren der diesjährigen Tour de France gewonnen. Der Olympiasieger und Weltmeister aus Belgien war auf der 16. Etappe über 26,1 Kilometer zwischen Evian-les-Bains und Thonon-les-Bains 28 Sekunden schneller als Gesamtleader Tadej Pogacar.

Für Florian Lipowitz endete der Tag dagegen dramatisch. Der deutsche Hoffnungsträger, als Gesamtfünfter in die Etappe gestartet, stürzte rund acht Kilometer vor dem Ziel in einer Rechtskurve, nachdem ihm das Vorderrad wegrutschte. Der 25-Jährige schlug heftig auf dem Asphalt auf und rutschte bis an den Bordstein.

Von einem Betreuer gestützt und mit schweren Wunden an Schulter und Bein stieg Lipowitz später sichtlich geschockt in den Medical Truck der Tour. Wenig später eilte auch seine Freundin Antonia Weeger hinzu.

Am Abend folgte die Diagnose seines Teams Red Bull: Lipowitz hat sich bei dem Sturz das Schlüsselbein gebrochen. „Super schade, dass er nicht weitermachen kann. Wir werden ihn nicht nur im Kampf um das Podium vermissen, wir werden ihn als Menschen vermissen“, sagte Teamchef Ralph Denk vor dem Teamhotel.

Bis zu seinem Aus hatte Lipowitz ein exzellentes Zeitfahren gezeigt. Nur der spätere Sieger Evenepoel und Pogacar waren klar schneller.

Pogacar bleibt klar vorne

An der Spitze der Gesamtwertung änderte sich trotz des Erfolgs von Evenepoel nichts. Pogacar verteidigt das Gelbe Trikot weiterhin souverän und liegt 4:32 Minuten vor dem Belgier. Rang drei belegt der Mexikaner Isaac del Toro mit 6:51 Minuten Rückstand auf den Slowenen.

Pogacars erste Worte nach dem Rennen galten Lipowitz. Der Slowene berichtete, dass er in derselben Kurve beinahe ebenfalls gestürzt wäre. Tatsächlich rutschte ihm dort wenig später sogar zweimal das Hinterrad weg. „In der Kurve, in der Lipo gestürzt ist, bin ich ebenfalls fast zu Fall gekommen. Ich hoffe, Lipo ist okay“, sagte Pogacar. Sein Fazit: An einem einzigen Tag könne bei der Tour sehr viel passieren.

Mit Lipowitz scheidet nach dem Dänen Jonas Vingegaard bereits der zweite Podiumsfavorit aus dem Rennen aus. Der Schwabe war im vergangenen Jahr noch sensationell auf den dritten Gesamtrang bei der Frankreich-Rundfahrt gefahren.

Unklar ist zunächst, wie sich die Verletzung auf seine weitere Saison auswirken wird. Lipowitz hatte geplant, in diesem Jahr bei der Straßenrad-WM in Montreal vom 20. bis 27. September zu starten.

Gemischte Gefühle bei Red Bull

Dass Evenepoel im Kampf gegen die Uhr Zeit auf Lipowitz gutmachen würde, war erwartet worden – allerdings nicht auf diese Weise. Beide waren bei Red Bull ursprünglich als gleichberechtigte Kapitäne in die Tour gestartet. Im Verlauf des Rennens erwies sich Evenepoel jedoch zunehmend als der stärkere Fahrer.

Nach dem Zeitfahren zeigte sich Evenepoel betroffen vom Aus seines Teamkollegen. „Ich habe gehört, dass Florian gestürzt ist. Das gibt dem Ganzen einen faden Beigeschmack. Ich wünsche ihm gute Besserung“, sagte der Belgier trotz seines Etappensieges.

Auch bei Red Bull überwog neben der Freude über den Erfolg die Enttäuschung über den Verlust von Lipowitz. Sportdirektor Klaas Lodewyck sprach von gemischten Emotionen: Der Sieg von Evenepoel sei großartig, der Ausfall von Lipowitz aber ein schwerer Schlag für das Team.

Nächtliche Dopingkontrolle bei Red Bull

Ungewöhnlich verlief für Evenepoel, Lipowitz und ihre Teamkollegen bereits die Nacht vor dem Zeitfahren. Wie ein Sprecher bestätigte, wurden alle acht Fahrer des Red-Bull-Teams gegen 22.00 Uhr von Dopingkontrolleuren überprüft.

Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine der zuletzt diskutierten Nachtkontrollen mitten im Schlaf. Tadej Pogacar war zuvor um fünf Uhr morgens kontrolliert worden, Jonas Vingegaard sogar gegen zwei Uhr. Red-Bull-Profi Nico Denz schilderte die Kontrolle am Vorabend dagegen als zügig und professionell. Für ihn selbst sei der Termin gegen 22.30 Uhr noch im Rahmen gewesen.

Pogacar-Teamkollege in Zwischenfall mit Auto verwickelt

Schon vor dem Start der 16. Etappe sorgte ein weiterer Vorfall für Aufsehen. Brandon McNulty, Teamkollege von Pogacar und Nils Politt, war nach Angaben seines Teamchefs Mauro Gianetti in eine unangenehme Szene mit einem Autofahrer geraten.

Demnach sei ein Fahrer verärgert hinter McNulty gewesen, habe ihn überholt und sein Auto gestoppt. In der Folge kam es offenbar zu einem Zusammenstoß mit dem Wagen. Größere Folgen hatte der Zwischenfall laut Gianetti aber nicht. Alles sei letztlich glimpflich ausgegangen, auch wenn die Situation „nicht so schön“ gewesen sei.

Letzte Chance für die Sprinter?

Nach drei Etappen, auf denen vor allem die Klassementfahrer im Mittelpunkt standen, könnten am Mittwoch wieder die Sprinter ihre Gelegenheit bekommen. Die 174,7 Kilometer von Chambery nach Voiron verlaufen größtenteils flach.

Zwar sind unterwegs einige kleinere Anstiege zu bewältigen, doch zum Finale scheint ein letzter Massensprint möglich – sofern nicht doch eine Ausreißergruppe den Sieg unter sich ausmacht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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