Bei der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour de France werden die Zuschauer wegen schwerer Waldbrände in Südfrankreich gebeten, nicht an die Strecke zu kommen. Auch an den folgenden Tagen könnte die anhaltende Hitze den Ablauf des Rennens beeinträchtigen. Tour-Direktor Christian Prudhomme sprach von einer "außergewöhnlichen Maßnahme" angesichts eines "außergewöhnlichen Brandes".
Warum greift die Tour zu solchen Maßnahmen?
Im Département Pyrénées-Orientales wütet ein großer Waldbrand rund 70 Kilometer vom Zielort Les Angles entfernt, wo die dritte Etappe am späten Nachmittag enden soll. Nach bisherigen Angaben sind bereits fast 1.500 Hektar betroffen. Das Feuer breitet sich in einem schwer zugänglichen Berggebiet aus und wird durch starken Wind sowie trockenes, heißes Wetter zusätzlich angefacht.
Präfekt Pierre Regnault de la Mothe zufolge bindet der Brand erhebliche Kräfte der Feuerwehr, der Sicherheitsbehörden und weiterer staatlicher Stellen. Deshalb sollen Fans die Strecke meiden. Prudhomme bat die Bevölkerung vorab um Verständnis.
Welche Bedeutung hat die Hitzewelle?
Neben den Bränden bereitet auch die extreme Hitze große Sorgen. Auf der Etappe nach Foix am Dienstag werden Temperaturen von über 40 Grad erwartet. Der technische Leiter der Tour, Thierry Gouvenou, sagte der Zeitung L’Équipe, die Lage sei besonders ernst, weil das Rennen bereits zwei belastende Phasen hinter sich habe.
Schon im Juni hatte Frankreich eine außergewöhnliche Hitzewelle erlebt. Laut vorläufigen Berechnungen kamen dabei etwa 2.000 Menschen ums Leben. Innenminister Laurent Nuñez wandte sich deshalb an die Präfekten entlang der Strecke. In besonderen Fällen seien nach Absprache mit dem Veranstalter sogar Etappenabsagen denkbar.

Wie gehen die Fahrer mit der Hitze um?
Im Peloton halten sich die Sorgen bislang in Grenzen. Der deutsche Fahrer Florian Lipowitz verwies darauf, dass sein Team bereits im Höhentraining in der Sierra unter sehr heißen Bedingungen trainiert habe. Da es zuletzt in ganz Europa sehr warm gewesen sei, rechnet er damit, dass die Fahrer gut vorbereitet sind.
Die Teams setzen auf gezielte Abkühlung mit Eis und Wasser. Bereits am Sonntag war zu sehen, wie sich Profis Eiswürfel unter das Trikot steckten. Im Ziel warten zudem Kühlwesten und Eisbäder.
Auch die Organisatoren haben reagiert. Prudhomme nannte in L’Équipe unter anderem großzügigere Verpflegungszonen, längere Zeitlimits und ein zusätzliches Motorrad zur Versorgung mit Kühlmaterial.
Worauf sollten Zuschauer achten?
Für die Menschen an der Strecke kann die Hitze schnell gefährlich werden, vor allem für Kinder und ältere Personen. Prudhomme riet im Sender Franceinfo dazu, eine Kopfbedeckung zu tragen und ausreichend Wasser mitzunehmen. Die Werbekarawane der Tour verteilt nach seinen Angaben Sonnenhüte, Kappen und alkoholfreie Getränke.
Verschärft sich die Lage durch den Klimawandel?
Eine im Februar in Scientific Reports veröffentlichte Studie des französischen Forschungsinstituts für nachhaltige Entwicklung und weiterer Partner zeigt, dass die Tour de France durch die Klimakrise zunehmend risikoreicher wird. Demnach ist das Risiko für Hitzestress an sämtlichen Austragungsorten des Rennens im Laufe der Zeit deutlich gestiegen.
Die Forschenden empfehlen deshalb, Sicherheitskonzepte, Routen und Zeitpläne langfristig an die wachsende Hitzegefahr anzupassen. Die Morgenstunden gelten demnach als die sicherste Tageszeit. Auch Prudhomme machte deutlich, dass sich die veränderten klimatischen Bedingungen künftig stärker auf die Streckenplanung auswirken werden, etwa durch mehr Anstiege in bewaldeten Regionen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber