Sport

Tennisstars am Limit – nur beim Geld nicht?

Zverev stöhnt über Tennis ohne Pause – doch warum das Chaos bleibt und ein Millionen-Showturnier plötzlich bitter wirkt.

03.11.2026, 08:40 Uhr

Von Perth über Melbourne und Mexiko bis in die USA, quer durch Europa und weiter nach China: Alexander Zverev hat in dieser Saison ein enormes Reisepensum hinter sich. Zwischen seinen bisher 21 Turnierorten liegen in der Luftlinie rund 68.000 Kilometer – mehr als anderthalb Erdumrundungen.

Wie viele Profis auf der Tour ist auch der Weltranglistenerste permanent unterwegs, springt zwischen Kontinenten und Zeitzonen und kritisiert die immer größere Belastung durch den dicht gefüllten Kalender. Zuletzt sagte Zverev in Wien, der Tennissport bewege sich aus Spielersicht in die falsche Richtung. Aus seiner Sicht wären zwei oder drei Wochen weniger Turnierbetrieb sinnvoll, damit sich der Körper erholen könne.

Auch Laura Siegemund sieht im vielen Reisen eine der größten Herausforderungen des Sports. Im ZDF-"Sportstudio" verwies sie neben den Flügen vor allem auf die ständigen Wechsel von Klima und Zeitzonen. Dieses ständige Pendeln zwischen den Kontinenten zehre enorm an den Kräften.

Ein Kalender, der kaum Luft lässt

Der Turnierplan nimmt immer mehr Raum ein. Vor allem die großen Masters-Events wurden in den vergangenen Jahren ausgeweitet. 2022 dauerten nur zwei der neun Masters-Turniere fast zwei Wochen, inzwischen gilt das bereits für sieben Veranstaltungen.

Dass die Profis trotzdem nahezu ohne Pause von Event zu Event reisen, hat auch mit dem System zu tun. Neben hohen Preisgeldern locken wichtige Weltranglistenpunkte. Diese verfallen nach 52 Wochen und müssen durch neue Ergebnisse ersetzt werden. Wer längere Pausen einlegt, riskiert also Einbußen im Ranking.

Carlos Alcaraz
Carlos Alcaraz will sich künftig mehr Pausen nehmen. Quelle: Heinz-Peter Bader/AP/dpa

Rankingdruck und Pflichttermine

Die Position in der Weltrangliste ist entscheidend, weil sie über direkte Startplätze bei großen Turnieren oder den Umweg über die Qualifikation mitbestimmt. Dazu kommt, dass Spitzenspieler bei bestimmten Turnieren antreten müssen. Das macht längere Auszeiten zusätzlich schwierig.

Die ATP hatte diese Entwicklung schon im vergangenen Jahr verteidigt. Präsident Andrea Gaudenzi betonte damals, dass Spieler ihre Turnierplanung grundsätzlich selbst gestalten könnten. Gleichzeitig räumte er die hohe Belastung ein und stellte eine längere Winterpause in Aussicht. Die Verlängerung der Masters-Turniere begründete er mit höheren Einnahmen, von denen auch die Profis profitierten. Zverev hat in diesem Jahr brutto bereits knapp 14 Millionen Euro Preisgeld verdient.

Alcaraz warnt vor dem Verlust der Freude

Trotzdem hält die Kritik seit Jahren an. Carlos Alcaraz sagte bei den US Open, die Entwicklung gehe klar in die falsche Richtung. Besonders problematisch sei, dass unter der Dauerbelastung die Freude am Spiel leide. Wenn man eine so lange Saison habe und Woche für Woche Turniere spiele, komme irgendwann der Punkt, an dem der Spaß auf dem Platz verloren gehe.

Der Spanier erklärte zudem, er wolle Tennis auch einmal vermissen können. Dafür bleibe derzeit jedoch kaum Zeit, weil sich ein Turnier ans nächste reiht.

Mehr Verletzungen durch die Belastung?

Ob die vielen Reisen direkt zu mehr Verletzungen führen, ist nicht eindeutig belegt. Auffällig ist aber, dass zuletzt mehrere Topspieler über Monate pausieren mussten. Jannik Sinner hat wegen Knieproblemen seit Wimbledon kein Match mehr bestritten und seine ATP-Saison vorzeitig beendet. Auch Alcaraz musste über mehrere Monate aussetzen. Jack Draper kämpft seit August 2025 mit hartnäckigen Verletzungen und will seine Planung künftig vorsichtiger angehen.

Draper sagte dem "BAGEL Magazine", viele junge Spieler blickten auf den Kalender und glaubten zunächst, man müsse nicht jede Woche antreten. Wer jedoch die Nummer eins werden wolle, müsse letztlich fast durchgehend spielen.

Zverev und Alcaraz planen mehr Pausen

Zverev reagiert inzwischen auf die Dauerbelastung und verzichtet zum Jahreswechsel auf den Teamwettbewerb in Australien. Er begründete das damit, dass ein Start beim United Cup für ihn schlicht nicht machbar sei, weil er sonst praktisch direkt aus dem Urlaub nach Australien weiterreisen müsste.

Auch Alcaraz hat für sich entschieden, künftig häufiger Pausen einzubauen. Sonst entstehe schnell das Gefühl, bei manchen Turnieren gar nicht optimal vorbereitet an den Start zu gehen.

Für Showevents ist oft doch noch Platz

Auffällig ist allerdings, dass bei lukrativen Einladungsturnieren selbst in vollen Kalendern oft noch Zeit gefunden wird. Beim Showevent Six Kings Slam in Saudi-Arabien treten viele jener Stars an, die den engen Spielplan kritisieren. Jannik Sinner erhielt dort 2025 für lediglich drei Matches insgesamt sechs Millionen Dollar – mehr als für einen Grand-Slam-Sieg.

Brisant daran: Trotz seiner verletzungsbedingten Pause kündigte der fünfmalige Grand-Slam-Champion sein Comeback ausgerechnet für das Showturnier in Riad an. Auch Zverev und Alcaraz stehen auf der Teilnehmerliste. Das Event wurde zudem auf Ende Dezember verlegt – also genau in die ohnehin sehr kurze Winterpause der Profis.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen