Lufthansa federt teures Kerosin mit höheren Ticketpreisen ab und senkt Jahresprognose
Die Lufthansa hat ihre im Sommer stark gestiegenen Treibstoffkosten im dritten Quartal dank höherer Ticketpreise sowie guter Geschäfte in den Bereichen Wartung und Fracht weitgehend ausgeglichen. Obwohl der Konzern für Kerosin im Sommerquartal mehr als eine halbe Milliarde Euro zusätzlich ausgeben musste, stieg der Nettogewinn im Jahresvergleich um 30 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro.
Auch Sondereffekte wirkten sich positiv aus. Das um solche Einflüsse bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) legte von Juli bis September um sechs Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro zu und übertraf damit die Erwartungen vieler Analysten. Dafür brauchte der Konzern allerdings einen Rekordumsatz von 12,2 Milliarden Euro – so viel wie noch nie in einem Quartal.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Lufthansa nun mit Treibstoffkosten von 9,3 Milliarden Euro. Das sind rund 600 Millionen Euro mehr als noch im August erwartet. Konzernchef Carsten Spohr geht zudem davon aus, dass Flugtickets im kommenden Jahr zweistellig teurer werden. Als Hauptgrund nennt er die anhaltend hohen Kerosinpreise infolge des Irankriegs.
Nach Angaben von Finanzvorstand Till Streichert konnte Eurowings die gestiegenen Kosten im Sommer vollständig an die Kundschaft weitergeben. Bei den übrigen Netzwerk-Airlines des Konzerns gelang das demnach zu etwa 85 Prozent. Vor allem auf der Langstrecke blieb die Nachfrage trotz höherer Preise robust, auch wenn viele Passagiere kurzfristiger buchten.
Angesichts der höheren Belastungen senkte der Vorstand die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr erneut. Beim bereinigten operativen Ergebnis erwartet die Lufthansa jetzt nur noch 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro statt bislang 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Bereits im August hatte der Konzern sein Gewinnziel nach unten angepasst. Damit zeichnet sich im Vergleich zu den knapp 2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2025 ein Rückgang ab.
Wie stark das Jahresergebnis am Ende ausfällt, hängt laut Streichert neben den Treibstoffkosten und der Nachfrage auch vom vierten Quartal bei Lufthansa Cargo ab. Die Frachtsparte erzielt zum Jahresende traditionell einen besonders großen Teil ihres Geschäfts.
Zugleich stellt sich der Konzern auf dauerhaft höhere Kosten ein. Für das laufende Jahr ist der Treibstoffbedarf nach Unternehmensangaben zu rund 86 Prozent preislich abgesichert. Für 2027 liegt diese Quote derzeit bei mehr als 60 Prozent. Immerhin sei die Versorgung über das Winterhalbjahr gesichert.
Wegen knapper neuer Flugzeuge und hoher Kosten dünnt die Lufthansa außerdem ihr Streckennetz aus und richtet sich stärker auf zahlungskräftige Kundschaft aus. Laut Spohr wurden bereits bei gut der Hälfte von mehr als 200 europäischen Zielen die Verbindungen zu den Drehkreuzen überprüft und teils gestrichen. So sei Danzig weiter über Frankfurt und Zürich an das Langstreckennetz angebunden, aber nicht mehr über München. Auf diese Weise habe der Konzern in diesem Jahr 23 Flugzeuge eingespart.
Gleichzeitig will Lufthansa ihr Premium-Angebot ausbauen. Mit Boeing laufen Gespräche darüber, die Business Class in künftigen Dreamlinern vom Typ 787 zu vergrößern. Gerade auf Transatlantikstrecken seien Business- und Premium-Economy-Sitze oft stark nachgefragt. Auf größere neue Flugzeuge wie die Boeing 777-9 muss die Airline dagegen weiter warten: Die erste Auslieferung wird nun erst für das zweite Quartal 2027 erwartet – rund sieben Jahre später als ursprünglich geplant.
Insgesamt zeigt sich: Lufthansa kann die Kostensteigerungen bislang noch zu einem großen Teil über höhere Preise und ein starkes Premium- und Wartungsgeschäft auffangen. Für viele Reisende dürfte Fliegen damit jedoch noch teurer werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber