Pünktlich zum Beginn der Weltcup-Saison fiel in Sölden erneut Schnee. Der Rettenbachferner präsentierte sich plötzlich in Weiß statt im sonst dominierenden Grau des Felses – und für einen Moment rückten auch die bekannten Streitfragen in den Hintergrund: Wintersport in Zeiten des Klimawandels, der traditionell frühe Weltcup-Start und die Frage, wie zukunftsfähig das alles noch ist.
Seit Jahren begleiten diese Debatten vor allem das Rennen in Sölden. Anders als viele Alpengletscher werden sie wohl nicht verschwinden. Dennoch stand am vergangenen Wochenende stärker der Sport selbst im Mittelpunkt als zuletzt oft der Fall war. Die Klimadebatte sei zwar weiterhin da, meinte Anton Grammel nach dem Riesenslalom der Männer, doch sie sei etwas leiser geworden.
Wintersport weiter unter Beobachtung
Noch vor drei Jahren hatten Klimaaktivisten die Zufahrt zum Gletscher blockiert. Dieses Mal blieb es in Sölden ruhig. Rund 29.000 Zuschauer kamen nach Angaben der Veranstalter zu den Rennen. Ob das auf eine wachsende Ermüdung beim Thema Klima in der Gesellschaft hindeutet, bleibt offen. DSV-Präsident Jörg Flechtner hatte schon vor dem Saisonauftakt betont, dass sich die Diskussion nicht einfach ausblenden lasse. Entscheidend sei vielmehr der Umgang damit.
Aus seiner Sicht sind Wintersportler nicht die Auslöser der Klimakrise, sondern vielmehr diejenigen, die ihre Folgen direkt zu spüren bekommen. Deshalb geht es vor allem um Anpassung: etwa durch Veränderungen im Weltcup-Kalender, eine stärkere Verlagerung in die eigentliche Wintersaison oder durch möglichst klimafreundliche Veranstaltungen.

Der Skisport möchte seinen Beitrag leisten, will aber nicht länger allein als Symbol eines globalen Problems herhalten.
Bedeutung weit über den Sport hinaus
Für Riesenslalom-Fahrer Anton Grammel ist die seit Jahren geführte Diskussion über den frühen Auftakt in Sölden nur bedingt nachvollziehbar. Aus seiner Sicht funktioniere die Austragung dort jedes Jahr. Wenn ein Rennen einmal gefährdet sei, dann eher wegen zu großer Schneemengen als wegen Schneemangels. Zudem werde ein großer Teil des Schnees aus Depots verwendet, also aus dem vergangenen Winter konserviert. Das sei aus wirtschaftlicher wie auch aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll.
Für viele Beteiligte hat die Saisoneröffnung große Bedeutung. Hersteller präsentieren neue Ski und frisches Material, zugleich bekommt der Wintertourismus früh einen Impuls. Damit wird weit mehr bewegt als nur der Rennsport selbst.
Vorbereitung wird immer aufwendiger
Klar ist aber auch: Die Vorbereitung auf eine Saison wird zunehmend schwieriger. Auf vielen Gletschern ist im Sommer kaum noch verlässliches Training möglich. Deshalb weichen zahlreiche Nationalteams, darunter auch Österreich, für Trainingslager häufiger auf die Südhalbkugel aus. In Ländern wie Argentinien, Chile oder Neuseeland arbeiten sie vor allem an den Speed-Disziplinen.
Das verursacht allerdings hohe Kosten, die im Profibereich noch stemmbar sind, für den Breitensport aber kaum. Gerade der Nachwuchs steht vor Problemen, wenn Gletscher unter heißen Sommern leiden und kleinere Skigebiete immer stärker unter Druck geraten. Die Frage wird damit auch, wo junge Sportler überhaupt noch regelmäßig trainieren können.
Eine Möglichkeit sind Skihallen. In Deutschland und den Niederlanden sind solche Anlagen längst etabliert. Selbst Stars wie Mikaela Shiffrin oder Marcel Hirscher nutzen sie gelegentlich für Trainingseinheiten.
Debatte um Skihalle in Österreich
Auch in Österreich wird inzwischen über den Bau einer Skihalle nachgedacht. Unterstützung kommt dabei unter anderem von Sportdirektor Mario Stecher und Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer vom österreichischen Skiverband. Ein möglicher Standort wäre Wien. Kritische Stimmen gibt es aber ebenfalls: Ski-Ikone Annemarie Moser-Pröll bezeichnete die Idee als völligen Unsinn.
Der Wintersport wird sich unter dem Einfluss des Klimawandels verändern müssen. Und mit ihm wird auch die Diskussion über seine Zukunft weitergehen – selbst dann, wenn frischer Schnee den Gletscher kurzfristig wieder weiß erscheinen lässt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber