Selbst Reid Wiseman, Kommandant der Artemis-2-Mondmission, zeigt sich beeindruckt von Kimi Antonelli. Nach dem Sieg des Italieners beim Großen Preis der USA beschrieb er den 20-Jährigen als außergewöhnlich gelassen: so bescheiden, ruhig und entspannt vor dem Rennen – und mit Nerven aus Stahl trotz seines jungen Alters. Antonelli steuert damit auf einen historischen Meilenstein in der Formel 1 zu. Die spanische Sportzeitung Marca adelte ihn bereits als das große Genie der Saison 2026.
Titelchance in Mexiko
In Mexiko-Stadt fehlen Antonelli nur noch zwei Punkte zum WM-Triumph. Ein neunter Platz würde genügen, um ihn zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte seit Einführung der WM 1950 zu machen. Am liebsten würde er den Titel jedoch mit einem weiteren Sieg perfekt machen.
Der Erfolg in Austin – sein neunter in dieser Saison und zugleich der neunte seiner Karriere – unterstreicht seine Dominanz. Noch im Debütjahr hatte er Rückschläge hinnehmen müssen, doch 2026 gehört ihm. Sollte er auch in Mexiko gewinnen, würde er Sebastian Vettel als bislang jüngsten Weltmeister ablösen. Vettel war 2010 bei seinem ersten Titelgewinn über 23 Jahre alt.
Teamkollegen nur noch Statisten
Antonelli liegt inzwischen 123 Punkte vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell, der nach dem Rennen in Austin offen zugab, dass ihm das Tempo völlig gefehlt habe. Auch Lewis Hamilton, mittlerweile im Ferrari, liegt 124 Punkte hinter dem jungen Italiener.
Russell und Hamilton verhinderten in Austin mit ihren Platzierungen noch knapp, dass Antonelli bereits dort vorzeitig Weltmeister wurde. Die französische Zeitung L’Équipe spottete deshalb, beide seien nur noch auf die Rolle der Helfer reduziert.

Dabei zeigte Antonelli in Texas einmal mehr, warum er kurz vor dem Titel steht: Mit einer sensationellen Runde sicherte er sich die Pole Position, verteidigte die Führung trotz der ungünstigeren Reifen und ging anschließend äußerst kontrolliert mit seinem Material um. Am Ende gewann er mit mehr als 13 Sekunden Vorsprung. Nach dem Zieleinlauf sprang er jubelnd in die Arme seines Teams.
Italien hofft auf den ersten Champion seit 1953
Als die italienische Hymne in Austin erklang, war die Begeisterung groß. Unter dem Podium stand sein Vater Marco sichtlich bewegt, und auch Formel-1-Chef Stefano Domenicali verfolgte die Szene mit Stolz. Seit 1953 hat Italien keinen Weltmeister mehr in der Formel 1 gestellt. Der Corriere dello Sport schrieb daher passend: Die Fans träumen, Antonelli sei ein echtes Spektakel.
Schon beim Sieg in Monza im vergangenen Monat hatten selbst Ferrari-Anhänger ihren traditionellen Farben für einen Moment abgeschworen und den neuen italienischen Hoffnungsträger gefeiert.
Lob von Vettel, Hamilton und Verstappen
Antonelli begeistert nicht nur Wiseman. Sebastian Vettel hatte schon vor Wochen von einem außergewöhnlichen Jahr des Mercedes-Piloten gesprochen. Auch Hamilton, dessen Cockpit Antonelli bei Mercedes übernommen hat, lobte dessen Talent, Ruhe und reife Herangehensweise. Eine persönliche Nachricht, die Hamilton ihm einst hinterließ, bleibt allerdings ihr Geheimnis. In Austin sagte der Rekordweltmeister: Er sei unglaublich stolz auf ihn.
Die neue Generation der Formel 1
Hamilton mit 41 Jahren und sieben Titeln steht für eine ältere Generation, Max Verstappen mit 29 und vier Weltmeisterschaften für die nächste erfolgreiche Ära. Beide waren bei ihrem ersten Titel deutlich älter als Antonelli heute.
Antonelli verkörpert nun den neuen Abschnitt der Formel 1. Auch Verstappen betonte, dass der Italiener den Erfolg absolut verdient habe. Er fahre konstant stark und sei immer dann zur Stelle, wenn es zähle. Sollte er den Titel holen, wäre er aus Verstappens Sicht ein völlig verdienter Champion. Im Cool-down-Raum von Austin spendierte der Niederländer sogar schon symbolisch das Getränk zum Anstoßen: Tequila.
Die Rechnung ist einfach
Viel Rechenarbeit ist vor dem Rennen in Mexiko nicht nötig. Holt Antonelli mindestens Rang neun auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez, ist er unabhängig von Russell und Hamilton Weltmeister.
Wird er Zehnter, darf Russell nicht gewinnen. Bleibt Antonelli ganz ohne Punkte, dürfen weder Russell noch Hamilton siegen. Alles deutet also darauf hin, dass die Mission des jungen Italieners kurz vor ihrem krönenden Abschluss steht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber