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Olympia 2036: Diese sechs Rivalen stoppen München?

München will Olympia 2036 – doch gleich sechs Länder machen Druck. Gegen wen Deutschlands Bewerbung jetzt kämpfen muss

06.10.2026, 12:00 Uhr

München muss auf dem Weg zu Olympia und Paralympics 2036 ein halbes Dutzend internationale Konkurrenten hinter sich lassen. Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zählen dazu aktuell Katar, Indien, Südkorea, Ungarn, die Türkei und Südafrika.

Sollte das IOC die Sommerspiele 2036 wieder nach Europa vergeben wollen, kann sich die bayerische Landeshauptstadt vor allem gegen Istanbul und Budapest gute Chancen ausrechnen. Geht der Zuschlag dagegen an einen Bewerber aus Asien oder nach Südafrika, bliebe München durch die deutsche Bewerbung automatisch auch für 2040 und 2044 im Rennen.

„Wir freuen uns auf den internationalen Wettbewerb und gehen mit viel Selbstvertrauen in die nächste Phase. Wir haben sehr gute Argumente, um uns am Ende auch international durchzusetzen“, sagte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

Die nächsten Schritte

Als Nächstes entscheidet das IOC im März des kommenden Jahres, welche Bewerber in die zweite Phase des Vergabeverfahrens kommen, den sogenannten „Strategischen Dialog“. Vergeben werden Olympia und Paralympics 2036 bei einer IOC-Generalversammlung Mitte 2029.

Bereits im Dezember 2028 will sich das IOC auf eine begrenzte Zahl bevorzugter Gastgeber festlegen, die dann in den „zielgerichteten Dialog“ und damit in die Endauswahl einziehen. Bis Ende Oktober können weitere Interessenten ihr konkretes Interesse anmelden, danach wird die Kandidatenliste geschlossen. Im November sollen alle Bewerber ihre Konzepte der IOC-Auswahlkommission vorstellen.

Deutsche Bewerbung gilt auch für 2040 und 2044

München hatte sich im nationalen Auswahlprozess gegen das Projekt Köln/Rhein-Ruhr durchgesetzt. Die Hamburger Pläne waren zuvor in einem Bürgerentscheid gescheitert. Berlin zog seine Bewerbung kurz vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zurück, nachdem Olympia-Befürworter im Senat bei der Abgeordnetenhauswahl abgewählt worden waren.

Noch ist offen, welche Weltregion das IOC für 2036 bevorzugt. Der DOSB sieht Deutschland nach dem langjährigen Auswahlprozess mit dem Münchner Konzept jedoch gut vorbereitet, falls die Spiele schon in zehn Jahren wieder nach Europa gehen. Zuletzt waren sieben deutsche Bewerbungen um Sommer- oder Winterspiele gescheitert.

Die Rivalen für München

Katar: Nach der Fußball-WM 2022 richtet Doha den Blick auf das nächste große Sportereignis. Finanziell gilt das Emirat als attraktiver Kandidat für das IOC. Kritik an der Menschenrechtslage dürfte aus Sicht des Komitees eher zweitrangig sein. Aktuell wäre die Region wegen des Iran-Kriegs jedoch womöglich eine riskante Wahl. Zudem müsste Olympia wegen der extremen Sommerhitze wohl in kühlere Monate verlegt werden, was den internationalen Sportkalender belasten würde.

Indien: Im Mittelpunkt der indischen Pläne steht die Millionenstadt Ahmedabad. Für das IOC ist Indien als riesiger Markt hochinteressant. Zweifel gibt es aber bei Infrastruktur, Luftverschmutzung und der Frage, ob das Land sportlich und organisatorisch schon stark genug für Sommerspiele aufgestellt ist.

Südkorea: Die Bewerbung aus der Region Jeonbuk gilt auch im eigenen Land als umstritten. Gemeinsame Pläne mit dem rund 200 Kilometer nördlich gelegenen Seoul stießen Berichten zufolge auf Vorbehalte in der Hauptstadt. Zudem soll das koreanische Olympische Komitee dem Sportministerium signalisiert haben, dass Spiele 2036 in Jeonju besser nicht ausgerichtet werden sollten, falls eine ausreichende Vorbereitung nicht garantiert werden kann.

Istanbul: Die türkische Metropole hat bereits mehrfach vergeblich versucht, Olympia zu bekommen. Mit den Europaspielen 2027 will sich Istanbul als Gastgeber eines Multi-Sport-Events empfehlen. Entscheidend dürfte sein, ob das IOC die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan als politisch stabilen Partner ansieht.

Ungarn: Budapest ist ebenfalls seit Jahren ein bekannter Name im olympischen Bewerberfeld. Eine frühere Kandidatur brach 2017 nach wachsendem Widerstand in der Bevölkerung zusammen. Seit der Abwahl von Viktor Orbán ist es ruhiger um die Olympia-Ambitionen geworden. Sein Nachfolger Péter Magyar setzt andere Prioritäten als der sportbegeisterte Orbán.

Südafrika: Olympische Sommerspiele fanden noch nie auf dem afrikanischen Kontinent statt. Im Gespräch ist ein Gemeinschaftsprojekt von Kapstadt, Johannesburg und Durban. Die olympischen Jugendspiele in Dakar Ende Oktober gelten als erster Härtetest dafür, ob Afrika schon bereit für ein Sportgroßereignis dieser Größenordnung ist. Für 2036 könnte ein Zuschlag aber noch zu früh kommen.

Wie es für München weitergeht

Für München und den DOSB geht es nun darum, dem IOC Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Die Vorauswahl soll bis März 2027 abgeschlossen sein.

Die Verantwortlichen der Münchner Bewerbung beziffern die Kosten derzeit auf rund zehn Milliarden Euro. Etwa fünf Milliarden Euro davon entfallen auf die Organisation und sollen vor allem durch Ticketeinnahmen gedeckt werden. Der restliche Betrag betrifft Infrastrukturprojekte. „Wir müssen jetzt eigentlich loslaufen“, mahnte Oberbürgermeister Krause mit Blick auf die notwendigen Bauvorhaben.

Offen ist, ob bis Ende des Monats noch weitere Interessenten in den Wettbewerb einsteigen. Als mögliche zusätzliche Bewerber wurden zuletzt auch Madrid und Santiago de Chile genannt. Bereits vergeben sind die nächsten beiden Sommerausgaben: 2028 finden die Spiele in Los Angeles statt, 2032 in Brisbane.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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