Hamilton inszeniert Ferrari-Auftritt in Monza – mit Schumacher als Leitfigur
Lewis Hamilton hat seine Ankunft in Monza eindrucksvoll inszeniert. Der Formel-1-Rekordweltmeister stieg im schwarzen Maßanzug aus einem aufwendig restaurierten Ferrari F40, nahm einen beigefarbenen Mantel entgegen und posierte für die Kameras. Der Ferrari-Pilot erklärte, er habe diesen Auftritt gewählt, um dem Sport Respekt zu zollen und einen einmaligen Moment bewusst festzuhalten.
Ferrari versteht es seit jeher, rund um das Autodromo Nazionale die Emotionen der Tifosi zu entfachen. In diesem Jahr steht der Italien-Grand-Prix zusätzlich im Zeichen von Michael Schumacher. Vor 30 Jahren feierte der Deutsche in Monza seinen ersten Sieg für Ferrari, vor 20 Jahren seinen letzten Erfolg dort. Eine spezielle Lackierung der Autos von Hamilton und Charles Leclerc erinnert deshalb an Schumachers ersten Ferrari.
Auch auf den Rennanzügen der beiden Fahrer finden sich sieben Sterne – als Verbeugung vor Schumachers sieben Weltmeistertiteln. Hamilton sagte, er habe Schumacher früher stets im roten Ferrari bewundert, ihn in Videospielen gewählt und sich vorgestellt, selbst einmal an seiner Stelle zu sein. Nun dürfe er dieses Erlebnis tatsächlich selbst leben.
Begeisterung in Mailand
Das emotionale Ferrari-Wochenende begann bereits am Mittwoch in Mailand. Auf dem Domplatz wurden Hamilton und Leclerc von Tausenden Fans gefeiert. Später holte Hamilton sogar seine Mutter auf den Balkon des Königlichen Palastes, damit auch sie die besondere Stimmung miterleben konnte. Für ihn sei es ein unbeschreibliches Gefühl, Ferrari-Fahrer zu sein, sagte der Brite.

Ferrari und Monza gelten in Italien beinahe als nationales Kulturgut. Hamilton zeigte sich beeindruckt davon und beschrieb augenzwinkernd, dass für die Italiener offenbar Papst, Ferrari, Pasta, Pizza und Familie besonders wichtig seien.
Der 41-Jährige verstand es dabei einmal mehr, die Fans emotional abzuholen. So erzählte er auch die Geschichte seines mehr als 30 Jahre alten Ferrari F40, den er nach langer Suche in einer Garage entdeckt habe – verstaubt und seit Jahrzehnten unberührt. Der Vorbesitzer sei nach dem Kauf nur 69 Kilometer von Maranello nach Hause gefahren, habe das Auto abgestellt und nie wieder bewegt. Sogar die Beifahrertür sei nie geöffnet worden.
In der Ferrari-Fabrik wurde der Wagen anschließend von Mechanikern restauriert und neu lackiert. Mit genau diesem F40 fuhr Hamilton schließlich zur Rennstrecke. Für ihn sei das Auto ein absoluter Traumwagen. Erst im vergangenen Jahr hatte er seine private Autosammlung komplett verkauft.
Hoffnung auf den großen Monza-Moment
Mit dieser emotionalen Kulisse im Rücken will Hamilton nun auch sportlich den besonderen Augenblick schaffen: als Ferrari-Fahrer in Monza auf dem Siegerpodest zu stehen. Dafür erhalten sowohl er als auch Leclerc eine neue Ausbaustufe des Motors. Hamilton zeigte sich optimistisch und betonte, jedes kleine Leistungsplus könne entscheidend sein. Er sei überzeugt, dass Ferrari alles mitbringe, um gewinnen zu können.
Vor dem zwölften Saisonrennen liegt Hamilton allerdings 59 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli. Der Mercedes-Pilot kämpft in Italien ebenfalls um die Gunst der Fans, muss nach einem nicht erlaubten Motorwechsel jedoch vom Ende des Feldes starten.
Damit steigen Ferraris Chancen auf den 21. Sieg beim Großen Preis von Italien. Für Ferrari sei Monza immer ein besonderer Ort, sagte Vizepräsident Piero Ferrari. Unabhängig vom bisherigen Saisonverlauf gebe es dort stets die Erwartung, Außergewöhnliches zu leisten.
Schumacher bleibt das große Vorbild
Im Endspurt der Weltmeisterschaft orientiert sich die Scuderia auch inhaltlich an Schumacher. Piero Ferrari hob hervor, wie akribisch der Deutsche gearbeitet habe: jedes Detail analysieren, Daten konsequent zur Verbesserung nutzen und sich in jeder Hinsicht sorgfältig vorbereiten – auch abseits der Strecke.
Genau diese kompromisslose Herangehensweise verkörpert auch Hamilton. Seit seinem Wechsel zu Ferrari im vergangenen Jahr habe er zahlreiche Änderungen im Team und am Auto angestoßen. Rückblickend sagte er, man habe im Vorjahr zwar alles gegeben, aber kein klares Zielbild gehabt. Inzwischen gebe es jedoch eine feste Orientierung.
Umso mehr störte ihn, dass Teamkollege Leclerc zuletzt in Zandvoort eine Teamorder ignorierte und dadurch wertvolle Zeit sowie Punkte verloren gingen. Hamilton betonte, Ferrari müsse sich darauf konzentrieren, das Wochenende perfekt zu nutzen und die Energie der Fans mitzunehmen, um möglichst an die Spitze zu kommen.
Für Hamilton steht viel auf dem Spiel. Mitten in der allgegenwärtigen Schumacher-Hommage könnte er ausgerechnet im Ferrari-Kernland einen wichtigen Schritt in Richtung seines ersehnten achten WM-Titels machen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber