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Nacht-Krimi! Zverev wankt, rettet sich weiter

Wieder ein Zverev-Krimi nach Mitternacht: Der Topfavorit wankt bei den US Open bedenklich. Reicht seine Kraft jetzt noch?

04.09.2026, 08:15 Uhr

Zverev kämpft sich nach erneutem Marathon in Runde drei der US Open

Alexander Zverev hat bei den US Open auch seine zweite späte Fünf-Satz-Partie überstanden. Der topgesetzte Deutsche setzte sich in New York nach 4:33 Stunden mit 6:4, 4:6, 7:6 (7:3), 6:7 (3:7), 6:3 gegen den Franzosen Quentin Halys durch und erreichte erst um 2.15 Uhr Ortszeit die dritte Runde.

Danach zeigte sich der Hamburger trotz des Erfolgs selbstkritisch. Seine Leistung bezeichnete er auf dem Platz als „ziemlich scheiße“ und machte klar, dass er sich deutlich steigern müsse. Sollten seine Auftritte so bleiben, werde er das Turnier nicht gewinnen, sagte Zverev später auch in den Katakomben des Arthur Ashe Stadiums. Immerhin wollte er diesmal früher ins Bett als nach seinem Auftaktmatch, nach dem es bereits 6.30 Uhr morgens gewesen war.

Wie schon beim Fünf-Satz-Sieg gegen Lorenzo Sonego musste Zverev in der Nightsession bis an die Grenzen gehen. Bei anfangs rund 27 Grad und drückender Luft zeigte der Favorit lange Zeit kein gutes Tennis, behielt unter dem Flutlicht im Arthur Ashe Stadium aber erneut die Oberhand. Nach nur zwei Matches kommt er damit schon auf neuneinhalb Stunden Spielzeit.

Zverev sprach danach vor allem seine körperliche Stärke als entscheidenden Faktor an. Er sei stolz darauf, physisch so stark zu sein, sagte der 29-Jährige. Gerade dafür trainiere er, um auch dann die Oberhand zu behalten, wenn spielerisch nicht alles zusammenpasse. Dass ein topgesetzter Spieler in der Profi-Ära bei einem Grand-Slam-Turnier seine ersten beiden Runden jeweils erst im fünften Satz gewinnt, hatte es in 58 Jahren zuvor noch nie gegeben.

Kurioser Moment mit Schuhwechsel mitten im Satz

Für die ungewöhnlichste Szene des Abends sorgte Zverev im dritten Satz. Beim Stand von 2:4 und Breakball für den Deutschen unterbrach er plötzlich das Spiel, um neue Schuhe zu verlangen. Schiedsrichter Robert Balmforth genehmigte den Wechsel mit der Begründung, Zverevs Schuhe seien komplett durchnässt und hinterließen nasse Fußabdrücke auf dem Platz. Direkt danach gelang Zverev das Break, und wenig später drehte er den Satz noch.

In der nächsten Runde trifft der 29-Jährige auf den an Nummer 25 gesetzten Chilenen Alejandro Tabilo. Dieser hatte zuvor den Deutschen Yannick Hanfmann in vier Sätzen ausgeschaltet.

Konkurrenz im Tableau patzt – Zverev letzter Deutscher im Feld

Für Zverev hat sich die Lage im Turnier zusätzlich verbessert. In seiner Hälfte des Tableaus schieden mit Félix Auger-Aliassime und Alex de Minaur zwei weitere gesetzte Spieler früh aus. Zuvor war bereits Novak Djokovic überraschend gescheitert, während Weltranglistenerster Jannik Sinner verletzungsbedingt gar nicht am Start ist.

Zudem ist Zverev nun der letzte verbliebene deutsche Tennisprofi im Turnier. Jan-Lennard Struff, Tatjana Maria und Eva Lys schieden am Donnerstag aus, nachdem zuvor bereits die übrigen deutschen Starter die Heimreise antreten mussten.

Vor der Partie hatte Zverev im Training noch Sorgenfalten ausgelöst, weil er sich mehrfach mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Handgelenk und an den Oberschenkel fasste. Im Match selbst waren äußerlich jedoch keine körperlichen Probleme zu erkennen. Nach einem eher ruhigen Beginn erhöhte er den Druck vor allem mit starken Returns, nahm Halys den Aufschlag zum 5:4 ab und holte sich den ersten Satz nach 38 Minuten.

Schwankungen und Diskussionen mit der Box

Zuvor hatte Coco Gauff zum Auftakt der Abendsession mit ihrem Sieg gegen Paula Badosa für Stimmung gesorgt. Im Anschluss fehlte dem Publikum zunächst die ganz große Spannung. Erst ein sehenswerter Lobball von Halys beim Stand von 5:4 brachte Leben in das Stadion. Kurz darauf unterliefen Zverev bei eigenem Service drei Fehler, und der zweite Satz war verloren.

Auch ein frühes Break im dritten Durchgang brachte dem Deutschen keine Ruhe. Eine schwache erste Aufschlagquote, zahlreiche unnötige Fehler und vergebene Breakchancen bauten Halys immer wieder auf. Zverev gab dreimal nacheinander sein Service ab und suchte mehrfach gestikulierend den Austausch mit seinem Team um Vater und Trainer Alexander Zverev Senior auf der Tribüne.

Nach dem Schuhwechsel kippte das Match zunächst wieder zu seinen Gunsten. Zverev agierte entschlossener, übernahm die Kontrolle und setzte sich im Tiebreak nervenstark durch. Der vierte Satz blieb ausgeglichen, doch diesmal behielt Halys in den entscheidenden Momenten die Nerven und erzwang einen fünften Durchgang.

Im Entscheidungssatz behält Zverev die Kontrolle

Dort wurde es noch einmal eng. Halys leistete sich beim Stand von 2:3 aus seiner Sicht einen leichten Fehler und gab damit das entscheidende Break ab. Zverev beschwerte sich zwischenzeitlich zwar noch beim Schiedsrichter darüber, dass seine Schläger zu spät vom Besaiten zurückkämen, ließ sich davon aber nicht mehr aus dem Tritt bringen. Wenig später verwandelte er seinen Matchball, warf den Schläger weg, riss sich das völlig verschwitzte Shirt vom Körper und feierte mit nacktem Oberkörper den hart erkämpften Einzug in die dritte Runde.

Trotz des Weiterkommens blieb seine Bilanz eindeutig: Er gewinne derzeit zwar „hässlich“, sagte Zverev, doch auch das sei eine Fähigkeit. Gleichzeitig hofft der Hamburger darauf, im weiteren Turnierverlauf endlich zu seinem besseren Tennis zu finden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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