Zverev kämpft sich nach erneutem Marathon in Runde drei der US Open
Alexander Zverev hat bei den US Open auch seine zweite späte Fünf-Satz-Partie überstanden. Der topgesetzte Deutsche setzte sich in New York nach 4:33 Stunden mit 6:4, 4:6, 7:6 (7:3), 6:7 (3:7), 6:3 gegen den französischen Außenseiter Quentin Halys durch und erreichte erst um 2.15 Uhr Ortszeit die dritte Runde.
Danach zeigte sich der Hamburger trotz des Erfolgs schonungslos ehrlich. Seine Leistung bezeichnete er auf dem Platz als „ziemlich scheiße“ und stellte klar, dass er aktuell weit von Titelform entfernt sei. Sollte er so weiterspielen, werde er das Turnier nicht gewinnen, sagte Zverev später auch in den Katakomben des Arthur Ashe Stadiums. Immerhin hoffte er diesmal, deutlich früher ins Bett zu kommen als nach seinem Auftaktmatch, als es schon 6.30 Uhr morgens gewesen war.
Wie schon beim Fünf-Satz-Sieg gegen Lorenzo Sonego musste Zverev in der Nightsession bis an die Grenzen gehen. Bei anfangs rund 27 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit zeigte der Favorit lange Zeit schwaches Tennis, behielt unter dem Flutlicht im Arthur Ashe Stadium aber erneut die Oberhand. Nach nur zwei Matches kommt der Weltranglistenzweite damit bereits auf neuneinhalb Stunden Spielzeit.
Zverev sprach danach vor allem seine körperliche Stärke als entscheidenden Faktor an. Er sei stolz darauf, physisch so stark zu sein, sagte der 29-Jährige. Genau dafür trainiere er, um die Oberhand zu behalten, auch wenn spielerisch nicht alles zusammenpasse. Zugleich hofft er darauf, im weiteren Turnierverlauf endlich besseres Tennis zu zeigen. Derzeit gewinne er „hässlich“ – aber auch das sei eine Fähigkeit. Dass ein topgesetzter Spieler in der Profi-Ära bei einem Grand-Slam-Turnier seine ersten beiden Runden jeweils erst im fünften Satz gewinnt, hatte es in 58 Jahren zuvor noch nie gegeben.
Kurioser Moment mit Schuhwechsel mitten im Satz
Für die ungewöhnlichste Szene des Abends sorgte Zverev im dritten Satz. Beim Stand von 2:4 und Breakball für den Deutschen unterbrach er plötzlich das Spiel, um neue Schuhe zu verlangen. Schiedsrichter Robert Balmforth genehmigte den Wechsel mit der Begründung, Zverevs Schuhe seien komplett durchnässt und hinterließen nasse Fußabdrücke auf dem Platz. Direkt danach gelang Zverev das Break, und wenig später drehte er den Satz noch.
In der nächsten Runde trifft der 29-Jährige auf den an Nummer 25 gesetzten Chilenen Alejandro Tabilo. Dieser hatte zuvor den deutschen Davis-Cup-Spieler Yannick Hanfmann in vier Sätzen ausgeschaltet.
Konkurrenz im Tableau patzt – Zverev letzter Deutscher im Feld
Für Zverev hat sich die Lage im Turnier zusätzlich verbessert. In seiner Hälfte des Tableaus schieden mit Félix Auger-Aliassime und Alex de Minaur zwei weitere hochgesetzte Spieler früh aus und kommen damit als mögliche Gegner im weiteren Verlauf nicht mehr infrage. Zuvor war bereits Novak Djokovic überraschend gescheitert, während Weltranglistenerster Jannik Sinner verletzungsbedingt gar nicht erst antrat.
Zudem ist Zverev nun der letzte verbliebene deutsche Tennisprofi im Turnier. Von ursprünglich acht deutschen Startern sind nach den Niederlagen von Jan-Lennard Struff, Tatjana Maria und Eva Lys am Donnerstag alle anderen bereits ausgeschieden.
Vor der Partie hatte Zverev im Training noch Sorgenfalten ausgelöst, weil er sich mehrfach mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Handgelenk und an den Oberschenkel fasste. Im Match selbst waren äußerlich jedoch keine körperlichen Probleme zu erkennen. Nach einem eher ruhigen Beginn erhöhte er den Druck vor allem mit starken Returns, nahm Halys den Aufschlag zum 5:4 ab und holte sich den ersten Satz nach 38 Minuten.
Schwankungen und Diskussionen mit der Box
Zuvor hatte Coco Gauff zum Auftakt der Abendsession mit ihrem Sieg gegen Paula Badosa für Stimmung gesorgt. Im Anschluss fehlte dem Publikum zunächst die ganz große Spannung. Erst ein spektakulärer Lob von Halys beim Stand von 5:4 brachte Leben in das Stadion. Kurz darauf unterliefen Zverev bei eigenem Service drei Fehler, und der zweite Satz war verloren.
Auch ein frühes Break im dritten Durchgang brachte dem Deutschen keine Ruhe. Eine schwache erste Aufschlagquote, zahlreiche unnötige Fehler und erneut ausgelassene Breakchancen bauten Halys immer wieder auf. Zverev gab dreimal nacheinander sein Service ab und suchte mehrfach gestikulierend den Austausch mit seinem Team um Vater und Trainer Alexander Zverev Senior auf der Tribüne.
Nach dem Schuhwechsel kippte das Match zunächst wieder zu seinen Gunsten. Zverev agierte entschlossener, übernahm die Kontrolle und setzte sich im Tiebreak nervenstark durch. Der vierte Satz blieb ausgeglichen, doch diesmal behielt Halys in den entscheidenden Momenten die Nerven und erzwang einen fünften Durchgang.
Im Entscheidungssatz behält Zverev die Kontrolle
Dort wurde es noch einmal dramatisch. Halys leistete sich beim Stand von 2:3 aus seiner Sicht einen leichten Fehler und gab damit das entscheidende Break ab. Zverev beschwerte sich zwischenzeitlich zwar noch beim Schiedsrichter darüber, dass seine Schläger zu langsam vom Besaiten zurückkämen, ließ sich davon aber nicht mehr aus dem Konzept bringen. Wenig später verwandelte er seinen Matchball, warf den Schläger weg, riss sich das völlig verschwitzte Shirt vom Körper und feierte mit nacktem Oberkörper den hart erkämpften Einzug in die dritte Runde.
Trotz des Weiterkommens blieb seine Bilanz eindeutig: Mit dieser Form zählt Zverev zwar weiter zu den Favoriten, doch nach eigener Einschätzung fehlt ihm aktuell noch einiges zu einem Titelauftritt in New York.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber