Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer. Der Deutsche Fußball-Bund hat die Verpflichtung des 59-Jährigen nach dem erneuten WM-Fehlschlag der Nationalmannschaft offiziell bestätigt. Damit folgt Klopp auf Julian Nagelsmann, der nach dem enttäuschenden Turnier zurückgetreten war. Klopp ist der 13. Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft.
Offizieller Arbeitsbeginn ist der 15. August. Nach intensiven Verhandlungen in den vergangenen Wochen band der DFB seinen Wunschkandidaten bis zur WM 2030 an sich. Bei seiner Vorstellung auf dem DFB-Campus in Frankfurt trat Klopp gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFB-Vize Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Rudi Völler auf – und setzte mit einer emotionalen, energischen Rede sofort den Ton.
Klopp beginnt mit Warnung und Appell zur Veränderung
Schon zu Beginn machte Klopp klar, wie er seinen neuen Job versteht. „Wer Jürgen holt, kriegt ihn“, sagte er – als Ansage für einen kompromisslosen Arbeitsstil. Zugleich betonte er: „Ich bin mutig, und ich werde es auch bleiben.“ Schnelle Erfolgsgarantien wollte der neue Bundestrainer aber bewusst nicht abgeben.
Stattdessen verband Klopp seinen Start mit einer deutlichen Forderung nach Veränderung. Fußball könne Menschen in Deutschland verbinden und sogar etwas im Land bewegen, sagte er. Aus seinen Stationen in Mainz, Dortmund und Liverpool habe er gelernt, wie erfolgreicher Fußball das Umfeld verändern könne. Genau diese Kraft des Nationalteams sei einer der Hauptgründe, warum ihn die Aufgabe reize.
Dabei stellte er auch klar, dass er es nicht jedem recht machen wolle. Wer im Team mitziehe und „Gas gebe“, werde mit ihm Freude haben. Klopp kündigte an, die Richtung vorzugeben – mit Energie, klaren Erwartungen und ohne Aktionismus.
Deutliche Botschaft an Medien und Umfeld
Ebenso unmissverständlich fiel seine Warnung aus: Wenn seine Familie nicht in Ruhe gelassen werde oder sich das Umfeld danebenbenehme, sei er wieder weg. Kritik an der sportlichen Arbeit nehme er an, Spielchen wolle er dagegen nicht mitmachen.
An die Medien gerichtet sagte Klopp zudem, dass sie ihm offen sagen sollten, wenn sie ihn nicht mehr wollten – dann gehe er sogar ohne Abfindung. Er mache diesen Job nicht gegen die Menschen, sondern für sie.
Augen zu für den Traum von 2030
Klopp sprach auch über seine große Vision. Wenn er die Augen schließe und sich Deutschland in vier Jahren als Weltmeister vorstelle, sei das ein großartiges Gefühl, sagte er. Möglichst viele Menschen sollten diesen Traum mit ihm teilen.
Dabei spannte er den Bogen bewusst größer als nur bis auf den Fußballplatz. Ein Erfolg der Nationalmannschaft könne Stimmungen im Land verändern, meinte Klopp zugespitzt. Er wolle erreichen, dass Länderspiele wieder besondere Abende werden, über die die Menschen anschließend sagen: „Wow, das war wirklich cool.“
Auf die Frage nach Vorbildern blickte er auch zurück: Franz Beckenbauer habe er „geliebt“, sagte Klopp. Dem Weltmeister-Teamchef von 1990 wolle er nacheifern.
Erfolg nicht nur im Vergleich mit den Supermächten messen
Gleichzeitig warnte Klopp davor, sich ständig mit Spanien, Argentinien, Frankreich oder England zu messen. Andere Nationen hätten vielleicht mehr Top-Spieler, trotzdem könne Deutschland erfolgreich sein. Für Klopp gilt: Erfolg ist Leistung im Verhältnis zur Erwartungshaltung.
Noch keine Personalentscheidungen – aber erste sportliche Leitlinien
Zu konkreten Personalfragen äußerte sich Klopp bei seiner Vorstellung noch nicht. Weder zur künftigen Rolle von Kapitän Joshua Kimmich noch zur nach dem Rücktritt von Manuel Neuer offenen Torwartfrage machte er Angaben.
Er kündigte aber an, relativ zügig den Kontakt zu den Spielern zu suchen. Nach eigenen Angaben hat er bereits 57 Feldspieler auf einer ersten Liste notiert. Darunter seien neue Namen ebenso wie bekannte. Einen wirklichen Eindruck habe er sich bislang allerdings vor allem per Video und YouTube verschafft.
Wie der Klopp-Fußball aussehen soll
Fest steht bereits, in welche Richtung es sportlich gehen soll. Klopp will in der Abwehr an einer Viererkette festhalten. Außerdem setzt er auf Pressing, mehr Intensität und ein schnelles Flügelspiel. Auf den Außenbahnen sieht er die „modernen Spielmacher“.
Sein Anspruch ist klar: Die Nationalmannschaft soll wieder einen Fußball spielen, der den Menschen gefällt, der Freude macht und hinter dem sich das Land versammeln kann.
Nations League als erster Prüfstein
Die ersten Länderspiele stehen für Klopp schon kurz nach dem Start an. Seine Premiere auf der Bank ist für den 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande geplant. Danach folgen drei weitere Nations-League-Partien: am 27. September in Augsburg gegen Griechenland, am 1. Oktober in München gegen Serbien und am 4. Oktober in Thessaloniki erneut gegen Griechenland.
Als erstes großes Turnierziel gilt die EM 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich Deutschland allerdings erst noch qualifizieren. Die Qualifikation beginnt im kommenden Jahr.
DFB setzte früh alles auf Klopp
Der Verband hatte Klopp nach dem WM-Aus früh zur bevorzugten Lösung erklärt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte, Klopp sei von Anfang an die Wunschlösung gewesen. Andere Optionen seien nicht weiter verfolgt worden. Watzke bezeichnete ihn als Trainer, der wie geschaffen für die aktuelle Situation sei.
Neuendorf und Watzke reisten noch während der WM nach New York, um dort mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke zu sprechen. Klopp war beim Turnier als TV-Experte für MagentaTV im Einsatz. Nach DFB-Angaben wurde dort bereits eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines möglichen Vertrags erreicht.
Lösung mit Red Bull: Millionenzahlung und drei Leipzig-Spiele
Ein Hindernis war zunächst Klopps Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull, der ursprünglich bis 2029 lief. Bei Gesprächen mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff fand der DFB schließlich eine Lösung.
Nach DFB-Angaben fließt eine Million Euro an die Stiftung des Unternehmens. Zudem sollen bis 2030 drei Länderspiele in Leipzig stattfinden. Klopp erhält beim DFB einen Vertrag bis zur WM 2030.
Vertrautes Trainerteam steht fest
Auch Klopps künftiges Trainerteam ist bereits beschlossen. Die langjährigen Weggefährten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sollen ihn als Co-Trainer unterstützen. Zum Stab gehört außerdem der frühere Dortmunder Profi Sven Bender. Klopp sprach vom bestmöglichen Trainerteam.
Neu dabei ist auch Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke, der beim DFB als externer Mitarbeiter eine wichtige Rolle übernehmen soll.
Klopp kündigte an, gemeinsam mit seinem Team mit Demut und Geduld arbeiten zu wollen. Leitmotiv seines Starts sei eine „Veränderung ohne Aktionismus“. Ziel sei es, eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, Freude am Fußball ausstrahlt und hinter der sich die Menschen im Land wieder versammeln können.
Wohnort Wiesbaden statt Mallorca
Klopp, der zuletzt seinen Lebensmittelpunkt auf Mallorca hatte, wird für seine neue Aufgabe in Wiesbaden wohnen. Bei seiner Vorstellung scherzte er zudem darüber, dass ihm an der DFB-Zentrale sogar ein Parkplatz zustehe – auf dem wohl gelegentlich trotzdem schon ein anderes Auto stehen werde.
Mertesacker wird ab 2027 Sport-Geschäftsführer
Neben der Entscheidung für Klopp gab der DFB noch eine weitere wichtige Personalie bekannt: Per Mertesacker soll zum 1. Januar 2027 die Nachfolge des scheidenden Sport-Geschäftsführers Andreas Rettig antreten. Der Weltmeister von 2014 soll beim DFB die Bereiche Nationalteams und Akademie verantworten.
Klopp bringt große Vereinserfolge mit
Als Nationaltrainer betritt Klopp Neuland. Im Vereinsfußball zählt der gebürtige Stuttgarter seit Jahren zu den erfolgreichsten Trainern Europas. Mit dem FSV Mainz 05 schaffte er 2004 den Aufstieg in die Bundesliga. Bei Borussia Dortmund gewann er zweimal die deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal.
2015 wechselte Klopp zum FC Liverpool. Dort führte er den Club 2020 zum Meistertitel, gewann 2022 den Pokal und holte 2019 mit dem Triumph in der Champions League seinen größten Vereinserfolg.
Nach seinem Abschied aus Liverpool im Sommer 2024 arbeitete er seit Anfang 2025 für Red Bull. Dass ihm die Energie für den nächsten großen Job fehlen könnte, sieht er inzwischen nicht mehr als Thema. Seine Botschaft bei der Vorstellung fiel entsprechend eindeutig aus: Er habe große Lust auf diese Aufgabe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber