Bayreuther Festspiele bekommen mehr Geld – nach dem Jubiläum folgen neue Produktionen und ein neuer „Parsifal“
Die Bayreuther Festspiele sollen künftig dauerhaft höhere Zuschüsse von Bund und Freistaat Bayern erhalten. Nach Angaben von Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) wird die Förderung von beiden Seiten jeweils um bis zu eine Million Euro pro Jahr erhöht.
Aus dem Umfeld von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hieß es, im Bundeshaushalt für das kommende Jahr seien mehr als 5,2 Millionen Euro für die Festspiele vorgesehen. Zum Vergleich: In diesem Jahr kamen aus Berlin rund 4,2 Millionen Euro, den gleichen Betrag stellte auch Bayern bereit. Zusätzlich gaben beide Seiten jeweils 200.000 Euro für die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen.
Festspielchefin Katharina Wagner hatte in den vergangenen Jahren wiederholt auf den steigenden Finanzbedarf hingewiesen. Vor allem Tarifsteigerungen und höhere Personalkosten müssten aufgefangen werden.
Zu den Gesellschaftern zählen neben Bund und Freistaat auch die Stadt Bayreuth sowie die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, wenn auch mit kleineren Anteilen. Blume zeigte sich zuversichtlich, dass auch diese beiden Partner ihre Unterstützung ausweiten könnten. Zugleich hob er die internationale Strahlkraft des Festivals hervor: Der „Grüne Hügel“ behauptet seine Spitzenstellung auch deshalb, weil er sich immer wieder neu erfindet.
Jubiläum mit Festakt, Beethoven und Open-Air-Auftakt
Bevor die nächste Phase der Festspiele beginnt, steht zunächst das große Jubiläum an: Mit einem Festakt feiern die Bayreuther Festspiele ihre Gründung vor 150 Jahren. Zur Einstimmung versammelten sich bereits am Vorabend der Eröffnung Tausende Besucher bei einem Open-Air-Konzert im Park am Fuß des Festspielhauses.
Zum eigentlichen Auftakt gibt es diesmal keine Operninszenierung. Stattdessen spielt das Orchester unter der Leitung von Christian Thielemann Beethovens 9. Symphonie.
Das Werk hat für Bayreuth besondere Bedeutung: Es erklang bereits bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses am 22. Mai 1872, damals dirigiert von Richard Wagner selbst im Markgräflichen Opernhaus. Den Festvortrag hält Nike Wagner, langjährige Leiterin des Kunstfestes Weimar und des Beethovenfests Bonn sowie Cousine von Katharina Wagner.
Die erste Neuinszenierung der Saison folgt dann am Sonntag: „Rienzi“ wird erstmals überhaupt im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt.
Bewährtes Team für neue „Parsifal“-Inszenierung
Künstlerisch setzen die Festspiele im kommenden Jahr auf ein bekanntes Duo: Neo Rauch und Dirigent Christian Thielemann bringen eine neue Inszenierung von Wagners Oper „Parsifal“ auf die Bühne. Das kündigte Katharina Wagner an.
Rauch und Thielemann hatten bereits bei der viel beachteten, in Blau gehaltenen „Lohengrin“-Produktion zusammengearbeitet, die von 2018 bis 2025 in Bayreuth zu sehen war. Schon damals entwarf Rauch das Bühnenbild. Auch bei „Parsifal“ soll erneut seine Frau Rosa Loy mitwirken.
Rauch beschrieb das Werk als deutlich anders als „Lohengrin“: „Parsifal“ komme in einem ganz anderen Gewand daher, mit etwas Fiebrigem und Überreiztem. Anders als „Lohengrin“ habe die Oper aus seiner Sicht nicht dieselben eingängigen Qualitäten, sondern wirke spröder. Zugleich verwies der 66-Jährige darauf, dass es sich um ein Alterswerk Wagners handle – und auch er selbst inzwischen älter geworden sei.
Weniger Geld pro Produktion
Trotz der höheren Gesamtförderung müssen sich die Künstler nach Angaben der Festspiele auf engere Mittel bei einzelnen Inszenierungen einstellen. Hintergrund ist, dass es künftig zwei neue Produktionen pro Jahr geben soll. Dadurch stehe jeder Produktion nur noch etwa die Hälfte der heutigen Mittel zur Verfügung, sagte Geschäftsführer Hans-Dieter Sense.
Als Begründung verwies Sense darauf, dass Inszenierungen inzwischen eine kürzere Lebensdauer hätten. Die Sehgewohnheiten des Publikums hätten sich verändert – viele wollten ständig etwas Neues sehen.
Katharina Wagner kündigte zudem an, dass Bayreuth versuchen wolle, Produktionen nach ihrem Ende auf dem Grünen Hügel anderweitig zu vermarkten. Damit könnten Bayreuther Inszenierungen in einigen Jahren womöglich auch an anderen Häusern zu sehen sein.
Weitere Pläne für 2027
Neben dem neuen „Parsifal“ ist für 2027 auch eine neue „Lohengrin“-Deutung vorgesehen, wie Katharina Wagner mitteilte. Außerdem kehrt die gefeierte „Tannhäuser“-Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer noch einmal nach Bayreuth zurück – diesmal soll es tatsächlich die letzte Wiederaufnahme sein. Eine weitere Wiederaufnahme ist zudem mit den „Meistersingern“ geplant.
Die Festspiele gehen auf Richard Wagner zurück, der das Festival 1876 erstmals veranstaltete. Nach dem Jubiläum stehen auf dem Grünen Hügel damit nicht nur zusätzliche Millionen, sondern auch strukturelle Änderungen im Spielplan bevor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber