Owen Ansah startet trotz Nada-Verfahren bei den deutschen Meisterschaften
Deutschlands 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah wird am Samstag bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum antreten, obwohl gegen ihn ein Verfahren der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) läuft. Das teilte sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh einen Tag vor den Titelkämpfen mit.
Vorläufig keine weiteren öffentlichen Aussagen
Nach Angaben seines Anwalts will sich Ansah ausführlich gegenüber der Nada äußern. Die Behörde prüft einen möglichen Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Weitere Kommentare gegenüber den Medien werde es wegen des laufenden Verfahrens und der notwendigen sorgfältigen Klärung des Sachverhalts derzeit nicht geben.
Die Nada führt gegen den 25 Jahre alten Sprinter vom Hamburger SV ein Ergebnismanagementverfahren. Hintergrund ist nach Angaben der Agentur eine verweigerte Dopingkontrolle. Eine vorläufige Sperre wurde gegen Ansah jedoch nicht ausgesprochen. Die Nada erklärte, dass für den vorgeworfenen Verstoß keine zwingende vorläufige Suspendierung vorgesehen sei.
Kontrolle kurz vor Abreise nach Monaco
Ansah schilderte, er sei kurzfristig als Nachrücker für das Diamond-League-Rennen in Monaco am 10. Juli ins Teilnehmerfeld gekommen. Einen Tag zuvor habe ein Dopingkontrolleur bei ihm geklingelt, als er gerade auf dem Weg zum Flughafen habe aufbrechen wollen. Der Besuch sei außerhalb seines vorgesehenen Zeitfensters erfolgt.
Der Sprinter erklärte, er habe wegen der knappen Zeit und eines kurz zuvor erfolgten Toilettengangs die Probe nicht sofort abgeben können. Dies habe er dem Kontrolleur mitgeteilt. Nach seiner Darstellung sei ihm nicht angeboten worden, die Probe später am Flughafen abzugeben. Auch auf mögliche Folgen sei er nicht hingewiesen worden. Stattdessen habe ihm der Kontrolleur noch Glück für den Wettkampf in Monaco gewünscht. Dort sei er dann am Wettkampftag von der Welt-Anti-Doping-Agentur getestet worden.
Rekordhalter und wichtiger Staffelathlet
Ansah hatte vor zwei Jahren in Braunschweig mit 9,99 Sekunden als erster deutscher Sprinter die Zehn-Sekunden-Marke unterboten. Inzwischen steigerte er den deutschen Rekord auf 9,98 Sekunden. Normalerweise gehört er fest zur deutschen Sprintstaffel, die bei der EM ab dem 10. August im britischen Birmingham auf eine Medaille hofft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber