Sport

Paukenschlag beim DOSB: Weikert tritt nicht mehr an

Fast fünf Jahre führte Thomas Weikert den deutschen Sport – jetzt zieht der DOSB-Chef überraschend Konsequenzen.

01.10.2026, 10:26 Uhr

Kurz nach der Entscheidung für München als deutschen Olympia-Bewerber steht der organisierte Sport vor einer personellen Neuaufstellung: Thomas Weikert will nicht erneut für das Amt des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds kandidieren. Das teilte der 64-Jährige gut zwei Monate vor der Mitgliederversammlung des DOSB in Frankfurt am Main mit.

In einem auf der Website des Dachverbands veröffentlichten Brief begründete Weikert seinen Schritt mit fehlenden Kräftereserven. Er spüre, dass er nicht noch einmal vier Jahre mit der nötigen vollen Energie in das Amt gehen könne. Genau diesen Einsatz halte er aber für unverzichtbar, um der Aufgabe gerecht zu werden.

Nach seinen Angaben hatte er den tatsächlichen Aufwand des Präsidentenamts vor seinem Amtsantritt unterschätzt. Die Belastung habe er als enorm empfunden. Auch mit Blick auf seine Familie wolle er sich diese Verantwortung nicht noch einmal für eine komplette Amtszeit zumuten. Widerstand aus Landessportbünden und Spitzenverbänden habe es zwar zuletzt gegeben, für seine Entscheidung sei das nach eigener Darstellung aber nicht ausschlaggebend gewesen.

Weikert machte zudem deutlich, dass er sich nicht an Spekulationen über seine Nachfolge beteiligen will. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass der DOSB auch künftig gut geführt werde.

Panne bei Olympia-Kür sorgte zuletzt für Aufsehen

Zuletzt war Weikert auch wegen eines Missgeschicks bei der Kür des nationalen Olympia-Bewerbers in die Schlagzeilen geraten. Bei der Veranstaltung in Baden-Baden hielt er den bereits geöffneten Umschlag bei der Übergabe an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier so, dass der Name des Gewinners München schon vor der offiziellen Bekanntgabe zu erkennen war.

Seit 2021 an der Spitze des DOSB

Der frühere Präsident des Tischtennis-Weltverbands führt den DOSB seit Dezember 2021 als Nachfolger von Alfons Hörmann. Im Dachverband sind Organisationen mit insgesamt mehr als 29 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen. Bei vorgezogenen Neuwahlen setzte sich Weikert damals gegen die frühere Fechterin Claudia Bokel durch. Später wurde er ohne Gegenkandidaten für eine vierjährige Amtszeit im Amt bestätigt.

Wer ihm nachfolgen soll, ist offiziell noch offen. Eine eigens eingesetzte Findungskommission soll mögliche Kandidatinnen und Kandidaten prüfen. Mitgliedsorganisationen des DOSB können Vorschläge einreichen, die Frist dafür läuft bis zum 30. Oktober.

Mronz als Favorit gehandelt

Als aussichtsreichster möglicher Nachfolger gilt derzeit DOSB-Präsidiumsmitglied und IOC-Mitglied Michael Mronz. Der 59-Jährige hatte sich im ZDF-"Sportstudio" zuletzt noch nicht festgelegt und erklärt, zunächst müsse Weikerts Entscheidung abgewartet werden. Danach solle die Findungskommission Gespräche führen und einen Vorschlag erarbeiten.

Mronz bringt Erfahrung aus dem Spitzensport mit. Als Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH hat er das internationale Ansehen des CHIO mitgeprägt. Außerdem gehörte er zu den Mitbegründern der Rhein-Ruhr-Initiative, die eine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2032 vorbereitete. Dazu kam es jedoch nicht, weil das Internationale Olympische Komitee früh Brisbane in Australien bevorzugte.

Gerade diese Nähe zu früheren Olympia-Plänen in Nordrhein-Westfalen wird im deutschen Sport teils kritisch gesehen. Denn Mronz könnte nun ausgerechnet die Münchner Bewerbung für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gegenüber dem IOC mit vorantreiben.

Als weitere mögliche Option wird Martin Engelhardt genannt, der Präsident der Deutschen Triathlon-Union. Der 66-Jährige gilt seit Jahren als kritischer Kopf im deutschen Sport und hatte bereits 2018 für die DOSB-Spitze kandidiert, damals aber klar gegen Hörmann verloren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen