Fußball

Keidel raus: Droht jetzt das Conté-Szenario?

Nach Schlotterbecks Ausfall folgt der nächste Klopp-Cut im DFB-Kader – und er trifft ausgerechnet einen Neuling.

01.10.2026, 09:22 Uhr

Jürgen Klopp hat als Bundestrainer den ersehnten ersten Sieg gefeiert. Die runderneuerte deutsche Nationalmannschaft setzte sich in München mit 2:0 (1:0) gegen Serbien durch und zeigte dabei über weite Strecken genau den mutigen, intensiven Offensivfußball, den ihr neuer Trainer sehen will. Tom Bischof erzielte in der 39. Minute sein erstes Tor für die A-Nationalmannschaft, Florian Wirtz legte nach der Pause nach (61.).

Vor 68.121 Zuschauern in der Allianz Arena war der Erfolg für Klopp auch emotional ein Befreiungsschlag. Nach dem Schlusspfiff herzte er DFB-Sportdirektor Rudi Völler, bedankte sich bei jedem einzelnen Spieler und klopfte sich vor den Fans mehrfach auf die Brust. Nach dem ernüchternden 0:1 gegen Griechenland ist der erste echte Lichtblick der neuen Ära da.

„Ich bin echt happy heute“, sagte Klopp im ZDF. „Gegen den Ball war es herausragend und mit dem Ball haben wir einfach wundervollen Fußball gespielt.“

Wirtz und Bischof schwärmen vom Münchner Abend

Auch die Spieler sprachen von einem Auftritt, der der Mannschaft spürbar Auftrieb gibt.

„Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Jeder Einzelne hat alles auf den Platz gelassen, ist dem Matchplan nachgegangen und hat eigentlich fast alles richtig gemacht“, sagte der starke Wirtz.

Bischof meinte: „Unbeschreiblich. Das Stadion hat gebrannt. Wir waren von Anfang an voll da.“

Die Zweifel an einem schnellen Klopp-Effekt, die nach der Niederlage gegen Griechenland früh aufgekommen waren, erhielten damit einen deutlichen Dämpfer. Im dritten Spiel unter dem neuen Bundestrainer funktionierte das System erstmals über längere Phasen so, wie es vorgesehen ist.

Junge Startelf bringt Tempo, Struktur und Energie

Klopp stellte seine Mannschaft erneut kräftig um und schickte eine komplett neue Startelf aufs Feld. Mit Torwart Jonas Urbig und dem Freiburger Außenstürmer Derry Scherhant begannen zwei Debütanten direkt von Anfang an. Gegen den erwartbar tief stehenden Gegner konnte Scherhant mit einigen guten Aktionen sofort auf sich aufmerksam machen.

Besonders das junge Mittelfeld mit Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof und Florian Wirtz verlieh dem deutschen Spiel Tempo, Energie und Struktur. Der personelle Umbruch wurde damit konsequent fortgesetzt. Da Joshua Kimmich und Jonathan Tah weiter fehlten, war Serge Gnabry der erfahrenste Profi im Aufgebot und führte das Team als Kapitän aufs Feld.

Viele Chancen, lange fehlte nur das Tor

Deutschland begann druckvoll und erspielte sich früh mehrere gute Möglichkeiten. Pavlovic verzog in der Anfangsphase, Nick Woltemade verpasste wenig später nach Vorarbeit von Scherhant, und auch Gnabry ließ eine gute Gelegenheit liegen. Bischof traf zunächst nur das Außennetz (24.), ehe Gnabry nach einer sehenswerten Kombination über Wirtz und Woltemade frei an Serbiens Torwart Djordje Petrovic scheiterte (30.).

Klopp forderte an der Seitenlinie immer wieder mehr Tempo, applaudierte aber zugleich viele gelungene Aktionen seines Teams. Die DFB-Elf dominierte, blieb im Abschluss jedoch zunächst zu ungenau.

Fast hätte sich das gerächt: Nach einer Hereingabe des früheren Bundesliga-Profis Filip Kostic verpasste Kosta Nedeljkovic nur um Zentimeter (32.). Zuvor hatten einige riskante deutsche Defensivaktionen bereits für Unruhe auf den Rängen gesorgt.

Bischof erlöst Deutschland vor der Pause

Auf der anderen Seite erhöhte Deutschland den Druck weiter. Wirtz vergab erst eine große Kopfballchance, traf kurz darauf den Pfosten – und dann war Bischof im Nachschuss zur Stelle. Für den 21-Jährigen war es im zweiten Länderspiel direkt der erste Treffer im A-Team.

Die Führung war zu diesem Zeitpunkt hochverdient. Pavlovic hätte noch vor der Pause beinahe auf 2:0 erhöht. Mit viel Beifall ging es für die deutsche Mannschaft in die Halbzeit.

Wirtz trifft befreit, hinten bleibt endlich wieder die Null

Auch nach dem Seitenwechsel blieb Deutschland klar tonangebend. Klopp setzte sein Kader-Casting fort: Saïd El Mala kam zu seinem Debüt, nach Gnabrys Auswechslung übernahm Wirtz die Kapitänsbinde.

Die Chancen auf die Vorentscheidung waren schnell da. El Mala (57.) und Woltemade (59.) ließen sie zunächst noch aus. Dann machte es Wirtz besser: Maximilian Mittelstädt bediente ihn im Strafraum, Wirtz ließ Srdjan Babic aussteigen und schob flach zum 2:0 ein. Klopp reagierte sichtlich erleichtert und klatschte an der Seitenlinie mehrere Spieler und Mitglieder des Staffs ab.

Wirtz wirkte insgesamt deutlich gelöster als in den vorangegangenen Partien. Zugleich gab es einen weiteren Fortschritt: Erstmals seit sieben Länderspielen blieb Deutschland ohne Gegentor. Für Debütant Urbig war es damit ein gelungener Einstand im DFB-Tor.

Baur schreibt als 1000. Debütant DFB-Geschichte

Später wurde es auch historisch: Mika Baur von Celtic Glasgow kam als 1000. Debütant der DFB-Geschichte ins Spiel. Der 22-Jährige ist der Sohn des früheren Handball-Nationalspielers Markus Baur. Auch nach seiner Einwechslung hielt Deutschland das Tempo hoch, weitere Tore fielen jedoch nicht mehr.

Mertesacker mahnt trotz Aufschwung zur Geduld

So überzeugend der Auftritt gegen Serbien auch war: Warnende Töne fehlten nicht. Der künftige DFB-Geschäftsführer Per Mertesacker, bei seinem letzten Einsatz als ZDF-Experte vor Ort, hatte schon vor dem Anpfiff betont:

„Ergebnisse ersetzen gar nichts. Euphorie kann abebben.“

Der Münchner Abend dürfte Klopp dennoch Rückenwind geben, weil diesmal nicht nur das Ergebnis stimmte, sondern auch Spielidee, Intensität und Mut klar zu erkennen waren. Viele Fans erlebten erstmals eine kleine Klopp-Party in Schwarz-Rot-Gold.

Jetzt wartet die Revanche gegen Griechenland

Mit dem Heimsieg gegen das weiter punktlose Schlusslicht Serbien hat sich die Lage in der Nations League wieder verbessert. Am Sonntag geht es zum Rückspiel nach Griechenland – dort hat Klopp nach der Niederlage zuletzt noch eine Rechnung offen.

Die Griechen verspielten beim 2:2 gegen die Niederlande allerdings spät noch eine 2:0-Führung und liegen als Tabellenführer nun drei Punkte vor Deutschland. Der Auftritt gegen Serbien macht der DFB-Elf dennoch Mut: Der Neustart wirkte diesmal deutlich lebendiger, klarer und entschlossener als zuletzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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