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Enhanced Games: Darum eskaliert der Streit

Doping nicht verboten, sondern gewollt: Die Enhanced Games sprengen jedes Tabu – und ausgerechnet Trump Jr. finanziert mit.

19.05.2026, 08:05 Uhr

Die Initiatoren der sogenannten Enhanced Games formulieren ihren Anspruch unmissverständlich: Sie wollen das menschliche Leistungsvermögen bis an die Grenze des technisch und medizinisch Machbaren treiben. Anders als im klassischen Spitzensport sind verbotene leistungssteigernde Mittel dort nicht tabu, sondern Teil des Konzepts.

Nach Angaben der Veranstalter wollen derzeit 42 Sportlerinnen und Sportler teilnehmen, darunter auch zwei Deutsche. Angelockt werden sie mit Preisgeldern von bis zu einer Million US-Dollar. Zu den gemeldeten Athleten zählt auch der frühere Sprint-Weltmeister Fred Kerley, der wegen Verstößen gegen Meldepflichten im Anti-Doping-System gesperrt worden war.

Für das Event am kommenden Wochenende entsteht im Resorts World in Las Vegas eigens eine Wettkampfstätte. Rund 2.500 Gäste sollen dabei sein.

Wer hinter dem Projekt steht

Gegründet wurden die Enhanced Games von Aron D’Souza, einem Australier mit juristischer Ausbildung in Oxford. Er beschreibt das Vorhaben als Schritt hin zu einer „neuen Supermenschheit“. D’Souza hält den traditionellen Anti-Doping-Kampf für scheinheilig und behauptet, nahezu alle Spitzensportler würden ohnehin dopen.

Als Geschäftsführer fungiert Maximilian Martin, ein gebürtiger Münchner und ehemaliger Investmentbanker, der in Deutschland und den USA studierte. Er zählt zu den zentralen Investoren des Projekts. Martin und Christian Angermayer, der als Mitgründer und Verwaltungsratschef genannt wird, trafen D’Souza im Jahr 2023. Angermayer ist Milliardär, Filmproduzent und Investor mit Engagements unter anderem in den Bereichen Biopharma, Kryptowährungen, Psychedelika, Gehirnimplantate und Langlebigkeit. Zu den Unterstützern der Enhanced Games gehören außerdem bekannte Namen wie Peter Thiel und Donald Trump Jr.

Las Vegas
Ein Ort mit viel Schein: Las Vegas, Stätte für die ersten Enhanced Games. (Archivbild) Quelle: Chase Stevens/AP/dpa

Welche Mittel zum Einsatz kommen

Ein Blick auf das Angebot rund um die Enhanced Games zeigt, wie eng Sport und Vermarktung hier miteinander verknüpft sind: Im Online-Shop werden unter anderem Testosteron und das Wachstumshormon Sermorelin angeboten. Bestellbar sind die Produkte laut Angaben nur für Erwachsene.

Das Geschäft mit Medikamenten und deren Entwicklung ist fester Bestandteil des Modells. Nach Aussage von D’Souza macht genau das die Veranstalter unabhängiger von klassischen Erlösquellen wie TV-Rechten oder Ticketverkäufen.

Wie die Organisatoren dem Deutschen Ärzteblatt mitteilten, erhalten Teilnehmer unter medizinischer Überwachung unter anderem Testosteronpräparate, anabole Steroide, Erythropoetin, Meldonium, Adderall und Modafinil. Berichten zufolge wird die dazugehörige Studie vom Sheikh Shakhbout Medical Center in Abu Dhabi begleitet. Auch die Vorbereitung der Athleten soll in den Vereinigten Arabischen Emiraten erfolgt sein.

In diesen Disziplinen wird gestartet

Das Programm umfasst drei Sportarten:

  • Schwimmen
  • Leichtathletik
  • Gewichtheben inklusive Strongman

Im Schwimmen sind Wettbewerbe über 50 und 100 Meter vorgesehen, jeweils in Freistil und Schmetterling. In der Leichtathletik stehen 100 Meter sowie 100 und 110 Meter Hürden auf dem Plan. Im Gewichtheben soll in drei Klassen um außergewöhnliche Bestleistungen gekämpft werden.

So hoch sind die Prämien

Insgesamt sollen laut Veranstaltern 25 Millionen US-Dollar ausgeschüttet werden. Ein Sieg bringt 250.000 US-Dollar. Wer einen Weltrekord über 100 Meter Sprint oder 50 Meter Freistil unterbietet, soll sogar eine Million US-Dollar erhalten.

Warum Athleten mitmachen

Einer der deutschen Teilnehmer ist der frühere Europameister Marius Kusch. Er erklärte, Schwimmen habe sein Leben lange geprägt, ihm aber nie die finanzielle Sicherheit gegeben, um seine Zukunft solide aufzubauen. Nun wolle er vor allem für seine Familie sorgen. Der 33-Jährige macht wie andere Teilnehmer keinen Hehl daraus, dass das Geld eine entscheidende Rolle bei seiner Teilnahme spielt.

Der zweite deutsche Starter ist der Sprinter Michael Bryan, der hierzulande bislang eher wenig bekannt ist.

Deutliche Kritik aus dem organisierten Sport

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) lehnt die Enhanced Games klar ab. Zwar könne jeder Mensch grundsätzlich selbst über den eigenen Körper entscheiden, doch wer sich auf ein gesundheitsgefährdendes Projekt wie dieses einlasse, stelle sich bewusst außerhalb der Sportgemeinschaft, teilte der Verband mit.

Der DOSB betont zudem, dass das Konzept mit den Grundwerten des Sports unvereinbar sei. Der gezielte Einsatz verbotener Substanzen widerspreche geltendem Recht in Deutschland sowie dem Leitbild fairer und sauberer Wettkämpfe.

Auch Athleten Deutschland weist das Projekt zurück. Die Organisation warnt vor einem System, das gesundheitliche Risiken finanziell belohnt und damit Anreize zur Ausbeutung von Sportlerinnen und Sportlern schafft.

Zugleich fordert die Vereinigung von der Bundesregierung eine bessere Förderung für Athleten sowie eine angemessene Beteiligung an den Einnahmen des IOC. Nur so könnten Leistungssportler ihren Sport ohne existenzielle Sorgen ausüben — und Formate wie die Enhanced Games würden an Attraktivität verlieren.

Auch international ist die Kritik scharf. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bezeichnete das Konzept als gefährlich und verantwortungslos. Der Chef der US-Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart, warnte, die Organisatoren wollten womöglich schnelles Geld verdienen, sendeten damit aber ein fatales Signal an junge Menschen weltweit. Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland, nannte einen Wettbewerb, der gezielt auf Doping setze, ethisch und moralisch nicht vertretbar.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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