Wirtschaft

Industrie-Aufträge schießen überraschend nach oben

Rüstungsboom gibt der deutschen Industrie neuen Schwung – Ökonomen wittern Aufschwung. Doch ein Problem bremst weiter.

04.09.2026, 09:44 Uhr

Deutsche Industrie verbucht im Juli deutlich mehr Bestellungen

Die deutsche Industrie hat im Juli beim Auftragseingang überraschend stark zugelegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Bestellungen gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent. Damit fiel das Plus klar höher aus als von Fachleuten erwartet. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres ergab sich kalenderbereinigt sogar ein Zuwachs von mehr als 13 Prozent.

Ausschlaggebend für den Anstieg war vor allem der sonstige Fahrzeugbau, also etwa der Bau von Flugzeugen, Schiffen, Zügen und Militärfahrzeugen. In diesem Bereich sorgen staatliche Ausgaben für Verteidigung für kräftige Impulse. Wegen einer ungewöhnlich hohen Zahl an Großaufträgen habe sich der Auftragseingang dort im Monatsvergleich mehr als verdoppelt, teilten die Statistiker mit. Das entsprach einem Plus von gut 126 Prozent. Belastend wirkte dagegen insbesondere die Autoindustrie, in der die Bestellungen um 12,5 Prozent zurückgingen.

Experten sehen Zeichen der Erholung

Nach Einschätzung von Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der LBBW, wirkt das Ergebnis für Juli bei genauerem Hinsehen zwar weniger makellos, als es zunächst scheint. Dennoch zeigten die Zahlen, dass die wirtschaftliche Schwächephase vorerst überwunden sein könnte. Positive Signale für die deutsche Konjunktur habe es zuletzt über längere Zeit kaum gegeben.

Gestützt wird dieser Eindruck auch durch zuletzt robuste Exporte sowie milliardenschwere staatliche Ausgaben. Mehrere führende Institute haben deshalb ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft nach oben korrigiert. Das Ifo-Institut rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 1,4 Prozent. Im Jahr 2025 war das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,2 Prozent gewachsen, nachdem die Wirtschaft in den beiden Jahren zuvor geschrumpft war.

Industrie kämpft weiter mit strukturellen Problemen

Für Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, ist der kräftige Anstieg bei den Aufträgen ein weiteres Signal dafür, dass sich die deutsche Industrie allmählich aus ihrer langen Schwäche herausarbeitet.

Gleichzeitig warnt er jedoch davor, die Lage zu positiv zu bewerten. Wichtige Belastungsfaktoren bestünden weiterhin fort, darunter der wachsende Wettbewerb aus China und die Zölle aus den USA. Auch bei einer Erholung der Bestellungen dürften zahlreiche Produktionskapazitäten auf absehbare Zeit nicht voll ausgelastet sein. Deshalb sei damit zu rechnen, dass in der Industrie weiter Arbeitsplätze verloren gehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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