Kylian Mbappé hat Frankreich zum dritten Mal nacheinander ins Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft geführt. Der große Titelfavorit setzte sich im Viertelfinale gegen Marokko hochverdient mit 2:0 (0:0) durch und trifft nun auf den Sieger der Partie zwischen Spanien und Belgien, die am Freitag in Inglewood bei Los Angeles stattfindet.
Mbappé war erneut die prägende Figur. Nach dem Abpfiff feierte der Stürmer erst ausgelassen vor der französischen Kurve, kurz darauf kam es am Spielfeldrand sogar noch zu einer Umarmung mit TV-Experte Jürgen Klopp. Der Real-Profi zeigte sich nach dem Einzug unter die letzten Vier zuversichtlich, betonte aber auch, dass der Weg zum Titel noch lang sei.
Auch Nationaltrainer Didier Deschamps hob den Wert seines Superstars hervor. Frankreich habe zwar einen Elfmeter vergeben und viele Chancen liegen lassen, sagte der Coach sinngemäß, mit einem Spieler wie Mbappé müsse man sich aber trotzdem keine allzu großen Sorgen machen.
Knöchelverletzung offenbar kein großes Problem
Ganz ohne Schreckmoment ging der Abend für Frankreich dennoch nicht zu Ende. Mbappé musste nach seiner Auswechslung in der 77. Minute am Knöchel behandelt und gekühlt werden, nachdem er in der zweiten Halbzeit hart getroffen worden war. Anschließend gab er jedoch Entwarnung und erklärte, er habe lediglich einen Schlag abbekommen, es sei aber in Ordnung.
Zunächst lief es für Mbappé noch nicht nach Plan. In der ersten Halbzeit scheiterte er mit einem Foulelfmeter an Marokkos überragendem Torhüter Bono. In der 60. Minute traf er dann aber sehenswert zur Führung. Nur sechs Minuten später erhöhte der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé auf 2:0. Frankreich feierte damit im sechsten Turnierspiel den sechsten Sieg. Mbappé steht nun bei 20 WM-Toren und liegt nur noch eines hinter Rekordhalter Lionel Messi.
Marokko, das 2022 als erste afrikanische Mannschaft überhaupt das WM-Halbfinale erreicht hatte, war vor 63.811 Zuschauern über weite Strecken klar unterlegen und fand offensiv kaum Mittel.
Bono hält Marokko lange im Spiel
Bei großer Hitze in Foxborough war Frankreich von Beginn an die bessere Mannschaft, verzweifelte aber lange am starken Bono. Der 35 Jahre alte Keeper parierte früh gegen Mbappé und wehrte wenig später auch einen Kopfball von Dayot Upamecano ab.
In der 28. Minute rückte Bono erneut in den Mittelpunkt, als er einen Elfmeter von Mbappé hielt. Dem Strafstoß war ein klares Foul von Noussair Mazraoui am französischen Kapitän vorausgegangen. Zuvor wurde allerdings ein Zweikampf zwischen Achraf Hakimi und Désiré Doué ungewöhnlich lange überprüft. Mbappé musste deshalb am Punkt lange warten und vergab schließlich.
Debatten um den Schiedsrichter gehen weiter
Bonos Bilanz bei Elfmetern auf WM-Bühne ist bemerkenswert: Von neun Schützen konnten ihn bislang nur zwei bezwingen. Vier Strafstöße hielt er, drei weitere wurden vergeben, ohne dass ein Tor fiel. Mbappé reagierte nach seinem Fehlschuss sichtlich irritiert und suchte den Blick zu Schiedsrichter Facundo Tello. Die Diskussionen über die Leistungen der Unparteiischen bei diesem Turnier dürften damit kaum abreißen.
Frankreich blieb dennoch am Drücker. Dembélé verzog mit einem Schlenzer (33.), Doué scheiterte aus guter Position an Bono (35.), und Lucas Digne traf kurz vor der Pause nur die Latte (45.+2).
Von Marokko kam offensiv dagegen überraschend wenig. Zwar fehlte mit dem angeschlagenen Ismael Saibari ein wichtiger Spieler, der ab der kommenden Saison für Bayern München aufläuft. Trotzdem entwickelte die Mannschaft im Angriff insgesamt zu wenig Durchschlagskraft.
Doppelschlag entscheidet die Partie
Kurz nach Wiederbeginn ließ Marokko eine ordentliche Konterchance liegen, danach übernahm Frankreich wieder die Kontrolle. Mbappé kam nach einem starken Antritt von Michael Olise frei vor Bono zum Abschluss, jagte den Ball aber über das Tor und stand zudem im Abseits (56.).
Wenig später folgte dann die Erlösung. Mbappé zog von der Strafraumgrenze ab und schlenzte den Ball herrlich ins rechte Eck. Bono war diesmal machtlos. Der Bann war gebrochen, und Dembélé machte mit einem Flachschuss wenig später alles klar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber