Sport

Im Haifischbecken: Sprengt das Titelduell Mercedes?

Mercedes vor dem nächsten Gift-Duell? Antonelli und Russell gehen im WM-Kampf ans Limit – Erinnerungen an Hamilton/Rosberg.

04.06.2026, 09:15 Uhr

Am mondänen Hafen von Monaco liefert Kimi Antonelli selbst das Bild für die neue Phase im immer schärferen Formel-1-Duell bei Mercedes. Mit Blick auf das Wasser beschrieb der WM-Spitzenreiter die Situation so: Es sei wie in einem Haifischbecken — entweder man setze sich durch oder man werde verschlungen. Gemeint ist der harte teaminterne Titelkampf mit George Russell. Auf dem engen Stadtkurs von Monte-Carlo dürfte es für die beiden Mercedes-Piloten erst recht kaum Ausweichmöglichkeiten geben.

Spätestens nach dem packenden Rennen in Kanada, in dem Antonelli und Russell mehrfach nur knapp einen Zusammenstoß vermieden, werden Erinnerungen an die einstige Mercedes-Rivalität zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg wach. Russell selbst zog nach dem Duell von Montréal einen entsprechenden Vergleich und sprach von einer Intensität, wie man sie seit Bahrain 2014 kaum noch erlebt habe. Damals entschied letztlich ein technisches Problem an Russells Auto zugunsten von Antonelli.

Droht ein neuer Mercedes-internen Machtkampf?

Teamchef Toto Wolff versucht zu beruhigen. Gegenüber der Sport Bild erklärte er, beide Fahrer wüssten, wo die Grenze liege. In Kanada seien sie dieser zwar sehr nahe gekommen, doch danach habe man die Situation intern besprochen. Eine Stallorder will Wolff unbedingt vermeiden. Gleichzeitig hofft er, dass sich die Lage nicht so zuspitzt wie früher bei Hamilton und Rosberg. Anders als damals kämen Antonelli und Russell beide aus dem Mercedes-Nachwuchsprogramm und wüssten genau, was sie dem Team zu verdanken hätten, betonte der Österreicher.

Kimi Antonelli und Toto Wolff
Mercedes-Teamchef Toto Wolff (r) will nicht per Stallorder eingreifen. (Archivbild) Quelle: Luca Martini/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Das Hamilton-Rosberg-Duell spielte sich ebenfalls in einer Phase ab, in der Mercedes der Konkurrenz deutlich voraus war und die beiden Fahrer den WM-Titel praktisch unter sich ausmachten. Die enge Freundschaft aus früheren Jahren zerbrach daran, es kam zu Kollisionen, Misstrauen und gegenseitigen Vorwürfen.

Rosberg blickte nun im Podcast High Performance auf diese Zeit zurück und schilderte, dass damals kaum noch eine persönliche Beziehung existiert habe. Es sei echter Krieg gewesen. Wer um die Weltmeisterschaft kämpfe, stelle Freundschaften hinten an, verschiebe Grenzen und könne in direkten Rad-an-Rad-Duellen nicht der Nette sein.

Auch hinter den Kulissen sei viel Vermittlungsarbeit nötig gewesen. Rosberg berichtete zudem, dass die beiden Fahrer damals bei Unfallschäden am Ende sogar einen Teil der Kosten selbst tragen mussten. Antonelli versprach nun, man wolle ein solches Szenario bei Mercedes nicht noch einmal erleben. Kämpfen werde man trotzdem — aber fair.

Antonellis Emotionalität setzt Russell unter Druck

Vor allem Antonellis leidenschaftlicher Fahrstil hat die Spannung zuletzt weiter erhöht. Der erst 19 Jahre alte Italiener hat seine Eingewöhnungszeit in rasantem Tempo hinter sich gelassen und wittert nach vier Siegen in Folge die große Chance, zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Dass Geduld nicht zu seinen größten Stärken zählt, zeigen auch seine Funksprüche. Er selbst sagte, Aggressivität gehöre dazu — in Kanada sei er womöglich etwas zu weit gegangen.

Trotz seiner öffentlichen Selbstkritik dürfte Antonelli registriert haben, wie sehr seine Erfolgsserie am Selbstverständnis von Russell kratzt. Der frühere Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya sagte der BBC, Russell sei zwar eigentlich der schnellere Fahrer, werde aber vom großen Wirbel um Antonelli spürbar beeinflusst. Auch Ex-Weltmeister Damon Hill meinte, Russell wirke im Vergleich zur Vorsaison verändert und nicht mehr ganz so gefestigt.

Antonellis Energie und Emotionalität scheinen sich derzeit direkt in Rundenzeit umzusetzen — für Russell wird genau das zum Problem. Der Brite räumte ein, dass die Situation frustrierend sei, betonte aber zugleich, dass er diesen Kampf wolle. Nun hoffe er nur, dass sich das Glück wieder auf seine Seite schlage. In China warf ihn ein Defekt im Qualifying zurück, in Japan hatte er Pech mit einer Safety-Car-Phase, in Kanada streikte die Batterie. Russell klagte, es fühle sich fast so an, als wollten die Götter ihn aus diesem Titelrennen heraushalten.

Russell gibt sich gelassen

Vor dem sechsten Saisonrennen am Sonntag um 15.00 Uhr in Monaco ist Antonellis Vorsprung auf 43 Punkte angewachsen. Russell sagte, nun liege es in erster Linie an Antonelli selbst, diesen Vorteil noch aus der Hand zu geben. Er habe inzwischen nichts mehr zu verlieren, der Druck sei geringer geworden und er wolle die kommenden Rennen genießen.

Ganz abgeschrieben hat Toto Wolff seinen Fahrer aber keineswegs. Wenn er im Fahrerlager jemanden in Sachen Zähigkeit und Entschlossenheit hervorheben müsse, dann sei das George Russell, sagte der Mercedes-Teamchef. Schließlich seien noch viele Punkte zu vergeben. Offen bleibt nur, wie belastbar die Nerven seiner beiden Silberpfeil-Rivalen in den kommenden Wochen wirklich sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen