Fußball

Undavs 57-Minuten-Wut: Bloß nicht raus!

Besser als alle – und doch nur Joker? Warum Torjäger Deniz Undav bei der WM weiter warten muss und worauf er jetzt hofft.

18.06.2026, 09:23 Uhr

Deniz Undav bleibt gelassen in seiner Jokerrolle

Deniz Undav läuft selbst bei großer Hitze lieber mit langen Ärmeln auf. Während Mitspieler wie Nico Schlotterbeck, Florian Wirtz oder Leon Goretzka bei strahlendem Sonnenschein in Winston-Salem ärmellos trainieren, schützt der Angreifer seine Haut bewusst vor zu viel Sonne.

Der 29-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass er direkte Sonne möglichst vermeidet. Er halte sich meist drinnen auf, erzählte Undav. Wenn er doch raus müsse, nehme er häufig eine Jacke und ziehe die Kapuze auf, um keinen Sonnenstich zu bekommen.

Umso mehr dürfte ihm entgegenkommen, dass beim zweiten WM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Elfenbeinküste am Samstag in Toronto angenehme Bedingungen erwartet werden. Nach dem torreichen Auftakt gegen Curaçao im klimatisierten Stadion von Houston soll es im BMO Field bei Sonne rund 22 Grad warm werden.

Wirklich gern draußen wird Undav dort trotzdem nicht sein – denn unter freiem Himmel bedeutet für ihn derzeit meist: Ersatzbank. Der Stürmer ist für Bundestrainer Julian Nagelsmann vor allem als starker Joker eingeplant.

Seine Aufgabe: kommen und liefern

Undav kennt seine Rolle genau. Egal, ob von Beginn an oder nach einer Einwechslung: Er wolle immer alles geben und dann zur Stelle sein, wenn Tore gebraucht werden. Viel mehr könne man ohnehin nicht beeinflussen, sagt er.

Wie wertvoll er von der Bank sein kann, zeigte er bereits beim 7:1 gegen Curaçao. Nach einer Stunde wurde er eingewechselt, bereitete das 5:1 von Nathaniel Brown vor, erzielte selbst das 6:1 und lieferte auch die Vorlage zum 7:1 durch Kai Havertz. Drei direkte Torbeteiligungen – entsprechend zufrieden war Nagelsmann mit seinem Auftritt.

WM 2026 - Deutschland Training
Training im Muskelshirt? Nein, danke, sagt Deniz Undav. Quelle: Christian Charisius/dpa

Lob von Havertz

Auch Kai Havertz hob Undavs Leistung nach dem Spiel hervor. Dass ein Spieler nach seiner Einwechslung sofort Scorerpunkte sammelt, sei eine Top-Leistung. Dazu meinte Havertz sinngemäß, dass man so eine "Waffe" natürlich immer wieder einsetzen müsse.

Die Frage liegt daher nahe, ob ein Torjäger wie Undav nicht eigentlich in die Startelf gehört. In zehn Länderspielen kommt er auf sieben Tore – und das in nur 399 Minuten. Im Schnitt trifft er also etwa alle 57 Minuten. Diese Quote ist besser als die von Havertz, Wirtz, Jamal Musiala oder Leroy Sané, die beim ersten Spiel beginnen durften und wohl auch gegen die Ivorer wieder starten werden.

Geduld trotz starker Zahlen

Undav muss sich also weiter gedulden. Er weiß aber auch, dass sich in einem Turnier schnell vieles verändern kann. Seine persönliche Zukunft ist ohnehin geklärt: Kurz vor der WM wurde sein millionenschwerer Vertrag beim VfB Stuttgart verlängert. Das verschafft ihm Ruhe und ermöglicht volle Konzentration auf das Turnier.

Gute Stimmung – und ein geklärtes Verhältnis zu Nagelsmann

In den USA fühlt sich Undav wohl. Zwar bezeichnet er sich selbst als Morgenmuffel, doch spätestens beim Frühstück ist er präsent. Er sei jemand, der viel rede, zu den Lauteren im Team gehöre und versuche, gute Stimmung zu verbreiten.

Mit Julian Nagelsmann gab es allerdings auch schon Reibung. Nach dem 2:1 gegen Ghana im März, als Undav als Joker das Siegtor erzielt hatte, kritisierte ihn der Bundestrainer noch auf dem Platz deutlich. Wenige Tage später rief Nagelsmann ihn an und entschuldigte sich.

Undav betont dennoch, dass der Bundestrainer eine klare Spielidee habe und diese auch gut vermittle. Gleichzeitig sei Nagelsmann offen für Gespräche und andere Gedanken. Nur auf die Idee, Undav regelmäßig in die Anfangself zu stellen, kommt er bisher offenbar nicht.

Vielseitig – aber hinter Konkurrenten

Ein Vorteil für Undav ist seine Flexibilität. Er kann sowohl als klassischer Mittelstürmer als auch etwas dahinter spielen. Gleichzeitig ist genau das auch ein Nachteil: Vorne ist Havertz gesetzt, dahinter Musiala.

Selbst sieht sich Undav in erster Linie als Neuner. Mit 19 Treffern war er in der vergangenen Bundesliga-Saison der zweitbeste Torschütze hinter Harry Kane, der auf 36 Tore kam. Mit einem Augenzwinkern meinte Undav dazu, gefühlt sei er eigentlich Torschützenkönig geworden – Kane zähle nicht, das sei unfair.

Selbstbewusst verweist er darauf, in dieser Saison gezeigt zu haben, dass er als Mittelstürmer zuverlässig abschließen kann. Deshalb sehe er dort auch seine Hauptrolle. Letztlich sei ihm die genaue Position aber nicht entscheidend: Ob als Neun oder Zehn – sein Ziel bleibe immer, Tore zu machen.

Der große Traum bleibt der WM-Titel

Am Ende ordnet auch Undav seine persönlichen Ansprüche dem großen Ziel unter. Er will mit Deutschland am 19. Juli den WM-Pokal gewinnen. Alles andere wäre ihm zu wenig. Jeder im Team habe denselben Traum: Weltmeister zu werden.

Ein besonders schönes Detail: Am Finaltag wird Undav 30 Jahre alt. Ein entscheidendes Tor an seinem Geburtstag – ganz gleich, ob als Joker oder von Beginn an – wäre für ihn wohl kaum zu übertreffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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